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v.l. Presbyteriumsvorsitzender Dr. Philipp Cepl, Pfarrer Roman Michelfelder und Superintendent des Kirchenkreises Köln-Süd Bernhard Seiger

Evangelische Kirchengemeinde Rondorf verabschiedete Pfarrer Roman Michelfelder. Entpflichtung durch Superintendent Bernhard Seiger

Dankesworte in Fülle und festliche Musik prägten wesentlich den Gottesdienst zur Verabschiedung von Roman Michelfelder. Bereits die Begrüßung durch Presbyterin Dr. med. Amrei Weber-Feldmann verdeutlichte, welche Wertschätzung dem Pfarrer seitens der Evangelischen Kirchengemeinde Rondorf entgegengebracht wird. 2017 war Michelfelder als Pfarrer zur Anstellung der Gemeinde im Kölner Süden, in der er aufgewachsen und mit der er verwurzelt ist, zugewiesen worden. Zwei Jahre später folgte in der Emmanuelkirche seine Einführung in die Pfarrstelle. Damals schon wirkte federführend Bernhard Seiger mit. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Süd nahm nun auch die Entpflichtung vor.

Diese ist notwendig geworden, weil Michelfelder sich aus familiären Gründen für drei Jahre von der Evangelischen Kirche im Rheinland hat beurlauben lassen. Mit seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern zieht es ihn nach Norwegen. „Herzlichen Dank, dir Roman, für Deinen großartigen Einsatz“, sagte Amrei Weber-Feldmann. Zugleich dankte sie Seiger für seine Zusage und sein erfolgreiches Bemühen, „für eine gute Vakanzvertretung zu sorgen“.

Zeiten des Umbruchs

„Wir sind heute Morgen in diesem Gottesdienst an einem Scharnierpunkt Ihres Gemeindelebens“, stellte Seiger in seiner Ansprache fest, um rasch den Blick über das Lokale hinaus zu weiten: „Wir sind in Zeiten von Umbrüchen.“ Es gebe keine einfache Antwort darauf, ob diese größer seien als zur Zeit von Karl Barth. Auf dessen 1922 gehaltenen Vortrag „Das Wort Gottes als Aufgabe der Theologie“ war Seiger zuvor eingegangen. „Unsere Kirche lebt in spannenden Zeiten. Ganz viel ist nicht mehr selbstverständlich“, stellte der Superintendent fest. Menschen träten auch aus unserer Kirche aus. Viele seien gegenüber der Organisation Kirche skeptisch geworden. „Manche auch gegenüber dem Evangelium. Was trägt, welche Orientierung gibt das Wort Gottes? Wer erzählt das Evangelium wie? Und was hat es uns in unserer digitalen, pluralen, globalisierten und von Gegensätzen bestimmten Welt heute zu sagen?“, fragte Seiger.

„Wie kommen wir in Kontakt mit Menschen, die uns nicht kennen“, sprach er einerseits von erfolgreichen, guten Heimspielen in vertrautem Rahmen. Unzweifelhaft bräuchten wir als Kirche aber auch Auswärtsspiele, um auf fremden Plätzen zu zeigen, was das Evangelium zu bieten habe und wie es zu Menschen spreche. „Also von Gott reden mit aller Kreativität, zu der wir in der Lage sind. Mit menschlichen Worten und zugleich mit den begrenzten Möglichkeiten, von denen Karl Barth gesprochen hat. Von Gott reden um der Menschen willen.“

Dankeschön, die Bedeutung der Musik und ein Ausblick

Einen Umbruch – nein, einen Aufbruch – erlebe nun zunächst Michelfelder mit seiner Familie. Seiger zeigte sich sicher, dass alle hier im Raum ihnen diesen Schritt gönnten. Für das, was seit 2017 an Gemeindeaufbau in Rondorf geschehen sei, „danken wir heute Gott und danken wir ihnen. Sie haben hier gerne gearbeitet. Sie waren ungemein fleißig. Sie haben die Schätze dieser Gemeinde als Reichtum erlebt und zusammen mit anderen weiterentwickelt. Das Nachdenken über Glauben und Kultur, der Kontakt mit der vielfältigen Musik, die Jugendfreizeiten mit intensiver gemeinsamer Zeit. Die Arbeit im Kindergarten und die Freude daran, was hier alles ehrenamtlich auf die Beine gestellt wird und werden kann.“ All das sei ein Reichtum dieser Gemeinde, das seien die Schätze.

Seiger ging ebenso ein auf die nahe Zukunft der Kirchengemeinde Rondorf, deren Pfarrstelle ab August erst mal vakant sei. Er sprach vom Plan der Neuausrichtung gemeinsam mit den Gemeinden Rodenkirchen und Sürth/Weiß. „Um die pfarramtlichen Aufgaben zu erfüllen, wird Pfarrer Gregor Wiebe ab Oktober hier mit einem nicht stellengebundenen Auftrag Dienst tun“ – in enger Abstimmung auch mit den Nachbargemeinden. „Es wird mit den Presbyterien zusammen ein Konzept für die Gemeindefusion entstehen und auf dieser Grundlage“ könnten dann die beiden Pfarrstellen in Sürth/Weiß und in Rondorf ausgeschrieben werden.

Musik nimmt breiten Raum im Leben und in der Arbeit der Gemeinde in Rondorf ein. Daher verwunderte es nicht, dass Gesang und Instrumentalmusik auch in der Verabschiedung einen wichtigen Part spielten. „Es war mir sehr wichtig, dass Violinist Peter Stein, künstlerischer Leiter der Musikschule Papageno in der Evangelischen Kirchengemeinde Rondorf, sowie die Querflötistin Annette Reichwald und Organist Boleslav Martfeld mit dabei waren“, freute sich Michelfelder. Es sei nicht selbstverständlich für Gemeinden und ein großes Vergnügen, mit solchen fantastischen Musikerinnen und Musikern zusammenarbeiten zu dürfen.

Die rein familiär begründete Entscheidung sei ihm sehr schwer gefallen, erklärte der scheidende Pfarrer im Gespräch. „Die vom Presbyterium immer wieder bekräftigte Verbindung von Wort und Musik als Zentrum der Kirchengemeinde und als Ausdruck des Verständnisses des Dienstes am Worte Gottes ist mir eine Herzensangelegenheit gewesen. Die erlebten Erfahrungen mit Menschen aller Altersstufen haben für mich bestätigt, dass in der vom Presbyterium dieser Gemeinde gegebenen Gestaltung ein Geist wirksam ist, der es vermag, uns seelisch zu erbauen.“ Was nach seiner Rückkehr aus Norwegen passiere, sei „offen“.

Emotionaler Abschied

Nach dem Gottesdienst sagte nicht nur Michelfelder in einem sehr emotionalen Abschiedswort der Gemeinde Danke. In Person des Presbyteriumsvorsitzenden Dr. Philipp Cepl würdigte die Gemeinde ihrerseits den Seelsorger. „Jetzt bist Du entpflichtet. Ich glaube, es gibt kein Zurück mehr“, bedauerte Cepl. Nach eigenem Bekunden hatte der Vorsitzende mehrmals versucht, Michelfelder zu überzeugen, seine Entscheidung zu revidieren. Den Grund für sein Bemühen lieferte Cepl gleich mit: „Es war ein großes, großes Glück für unsere Gemeinde, als du dich vor sieben Jahren entschlossen hast, Pfarrer hier bei uns zu werden.“ Michelfelder habe ihm in Unterhaltungen über Gemeindekonzeption sehr oft gesagt, dass er die Gemeinde schon lange kenne, weil er hier aufgewachsen sei. Und dass ihre Ausrichtung und ihr starker Fokus auf Verkündigung genau das sei, was er glaube, „wie eine Gemeinde sein soll, wie sie funktionieren kann und wie du sie auch ausfüllen möchtest“ in der Arbeit als Gemeindepfarrer.

„Was Du ererbst von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“, zitierte Cepl ein Wort Goethes aus Faust und deutete: Es gebe eine Verpflichtung, Vorhandenes nicht nur zu verwalten, sondern weiter zu gestalten und etwas Eigenes daraus zu machen. „Genau das hast du hier getan. Du hast gerade nicht nur weitergeführt, was in der Gemeinde in vielen Jahren aufgebaut wurde. Du hast aus tiefer Überzeugung heraus das Ganze zu deinem Projekt gemacht.“ Michelfelder habe die Gemeinde mit Herz und Geist weiterentwickelt und mit neuem Leben gefüllt. „Wir sind froh und dankbar, dass du alle diese Leistungen und Arbeiten für die Gemeinde in den letzten Jahren erbracht hast.“

„Du hast andere motiviert, mit dir mitzugehen und Raum gegeben, das mit eigenen Ideen zu füllen“, nannte Cepl beispielhaft die Jugendarbeit. Michelfelder habe sehr viele Jugendliche zu ehrenamtlichen Mitarbeitern ausgebildet und herangeführt. Damit hinterlasse er ein wunderbares Fundament, „auf das wir aufbauen können“. Insgesamt hinterlasse er die Gemeinde in einem ganz wunderbaren Zustand. Michelfelder zeichne ebenfalls aus, dass er bis zum letzten Moment hart gearbeitet, sogar die Schlagzahl noch mal erhöht habe, „damit du alles in treue Hände übergeben und auch sicher sein kannst, dass es in deinem Sinne und dem der Gemeinde weitergeht“.

„Du hast uns zusammengebracht, Freiräume gelassen, das Interesse an unterschiedlichen und kontroversen Themen geweckt“, dankte eine junge Frau im Namen des Jugendausschusses dem Pfarrer. Mit diesem Gremium habe er „uns das Gefühl gegeben, dass die Anliegen der Jugendlichen gehört werden“.

Im Namen der Glieder und des Pastoralteams der Katholischen Kirchengemeinde Heilige Drei Könige Köln wünschte Subsidiar Günther Stein dem scheidenden Pfarrer Gottes Segen. Stein verwies auf die von Werner Franzen geschaffene Bronzeplastik „Ökumene“ im simultan genutzten Altenberger Dom. „Jesus löst seine Arme vom Kreuzesbalken und legt dem Abt Bernhard von Clairvaux und dem Reformator Martin Luther seine Hände auf.“ Beide knieten unter dem Kreuz, beide empfingen die Umarmung Jesu. „Lieber Roman, in der Umarmung von Jesus hast du auch die Zeit mit uns verbracht. In der Umarmung mit Jesus hast du uns gezeigt, dass diese Umarmung uns geschenkt wird, damit wir sie weitergeben. Wir wünschen dir von ganzem Herzen, dass du diese Umarmung weiterhin in diesem Leben spürst“, schloss Stein.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich