Evangelische Kirche ist für die Menschen da – Statement zu den Ostergottesdiensten
Bernhard Seiger, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region

Evangelische Kirche ist für die Menschen da – Statement zu den Ostergottesdiensten

Stellenwert der Osterwoche

Die Tage der Karwoche und des Osterfestes haben eine hohe emotionale Bedeutung für viele Menschen. Im Übergang von der Passions- in die Osterzeit bilden sie den innersten Kern des christlichen Glaubens. Gerade in diesen Tagen spüren Menschen die eigene Ohnmacht und die Sehnsucht nach Zeichen der Ermutigung und des Lebens. Genau dieses Empfinden ist das Thema des Osterbogens: Christus überwindet Leid und Tod. Damit sind die Ostertage ein wichtiger Anlass, um das eigene Erleben – besonders in einem Jahr der Pandemie – zu verarbeiten. Die Kirchen bieten Raum für Reflexion, Stärkung und Ermutigung, die viele erschöpfte und aufgewühlte Menschen benötigen.

Die oft kreativen Gottesdienste und Andachten sind ein wichtiger Teil der Seelsorge, um nahe bei den Bedürfnissen der Menschen zu sein. Die Beratungsstellen, die Telefonseelsorge und viele Gespräche mit Menschen in Gemeinden und darüber hinaus zeigen den stark gestiegenen Bedarf nach Seelsorge an, auch nach Seelsorge in Gemeinschaft.

Angebote der Evangelischen Kirche

Die Evangelische Kirche in Köln und Region wird in allen Gemeinden in der Karwoche und an den Ostergottesdiensten Angebote machen, die nahe bei den Menschen sind. Es finden bewährte digitale Formate statt, die ein sicheres Teilnehmen von Zuhause aus ermöglichen. Es werden aber auch nach wie vor Präsenzgottesdienste angeboten. Die Hygienekonzepte des letzten Jahres haben sich durch die aufmerksame Umsetzung und durch Anpassung der Gemeinden an aktuelle und lokale Bedingungen sehr bewährt. Es gilt nach wie vor der Grundsatz, dass in der Evangelischen Kirche die jeweiligen Leitungsgremien entscheiden, was für ihre Gemeinde das passende Angebot ist. Viele Gemeinden bieten jedenfalls beide Formen der Begleitung und der Feier an.

Aktuelle Debatte

Die aktuell im Raum stehende Aussetzung von Gottesdiensten ausgerechnet von Gründonnerstag bis Ostermontag leuchtet mir überhaupt nicht ein. Die Erfahrungen zeigen, dass Gottesdienste an den Festtagen durch die Zahlenbegrenzungen der Hygienekonzepte nicht stärker besucht sind als andere Gottesdienste im Jahreslauf. Es sind allerdings im Vergleich zu vielen anderen geistlichen und seelsorgerischen Angeboten emotional dichtere Gottesdienste, weil der Anlass – das Bedenken der Passion Jesu und die Osterbotschaft von der Freude – die eigene Bedürftigkeit und Freude am Leben stärker spüren lässt.

Die Argumentation für eine Osterruhe bei den Gottesdiensten erschließt sich mir auch unter der Fragestellung nicht, warum bis Palmsonntag und ab dem Sonntag danach ein Gottesdienst gefeiert werden kann, in der Osterwoche aber nicht. Was sind dafür die Kriterien?

Die Verantwortung für die Gesundheit und die Seele der Menschen steht für uns als Kirchen in der Coronakrise obenan. Aber es müsste rational begründet werden, an welche Kriterien die Entscheidung über das zeitweilige Aussetzen von Gottesdiensten geknüpft ist.

Erwartungen

Ich bin überzeugt, dass unsere Gemeinden ihre Verantwortung sehr bewusst wahrnehmen. Ich hoffe sehr auf diszipliniertes Verhalten aller Menschen in Köln und Region in ihrer persönlichen Lebensführung und das Einhalten der Abstandsregeln, um das Virus wirkungsvoll zu bekämpfen.
Ich wünsche allen Christenmenschen, allen Menschen in Köln und Region die Zuversicht und Durchhaltekraft, die die Osterbotschaft schenkt, und gesegnete Feiertage.

Bernhard Seiger
Stadtsuperintendent

Text: Bernhard Seiger
Foto(s): APK