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Eva Hoffmann von Zedlitz ist neues Mitglied der Kirchenleitung

Seit Herbst 2012 ist sie im Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Köln-Mitte, nun wurde Eva Hoffmann von Zedlitz auch zum nebenamtlichen Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland gewählt.

Nachfolgerin von Ingrid Schaefer
Eva Hoffmann von Zedlitz ist Gemeindeglied der Evangelischen Gemeinde Köln, Bezirk Kartäuserkirche, und arbeitet ehrenamtlich als Stellvertretende Dritte Synodalälteste im Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Köln-Mitte. Jetzt hat sich die 60-Jährige einer neuen Herausforderung gestellt: Sie kandidierte auf der Landessynode für die Kirchenleitung und wurde dort auch gewählt – als Nachfolgerin für die aus Altersgründen ausgeschiedene Ingrid Schaefer.
Das neugewählte Mitglied der rheinischen Kirche ist Juristin und Hauptamtliche der Gewerkschaft ver.di. Seit dem 1. Dezember 2012 befindet sie sich in der Freistellungsphase der Altersteilzeit. Die längste Zeit ihres Berufslebens hat Hoffmann von Zedlitz für den Rechtsschutz gearbeitet und die Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vor Gericht vertreten. In den letzten fünf Jahren war sie stellvertretende Geschäftsführerin des ver.di-Bezirks Düsseldorf, dort zuständig für die Bereiche Personal, Frauen und Erwerbslose.

Anlässlich ihrer Wahl führte die Redaktion ein Interview mit Eva Hoffmann von Zedlitz:

Wie lange sind Sie bereits ehrenamtlich für die Evangelische Kirche tätig?
Ich bin 2001 Presbyterin der Evangelischen Gemeinde Köln geworden, war Mitglied im Finanz- und Verwaltungsausschuss und in der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Meine ehrenamtliche Arbeit hatte ich vor fünf Jahren niedergelegt, als ich bei ver.di stellvertretende Geschäftsführerin wurde. Ehrenamt und Hauptamt zusammen war da nicht mehr zu schaffen. Ich finde, ein Ehrenamt sollte man wahrnehmen, aber der Beruf muss vorgehen. Jetzt wollte ich aber wieder kirchenpolitisch aktiv werden. Seit kurzem bin ich in der Kreissynode und stellvertretend im Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Köln-Mitte. Als ich nun auch gebeten wurde, für ein Amt in der rheinischen Kirchenleitung zu kandidieren, war das eine große Ehre für mich.

Haben Sie zum ersten Mal auf der Landessynode kandidiert?
Ja. Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich dafür in Frage komme, denn mein Lebenslauf ist etwas ungewöhnlich. Ich bin katholisch getauft, später aus der Katholischen Kirche ausgetreten und 1997 zur Evangelischen Kirche gestoßen, in die ich dann 1999 eingetreten bin. Und ich habe auch nicht das, was man als Stallgeruch bezeichnen könnte, denn ich bin ja ver.di-Hauptamtliche. Umso mutiger finde ich es von der Landessynode, dass sie mich gewählt hat. Das finde ich wunderbar. Eine Synodale sagte mir, wir haben jetzt eine weitere Farbe in der Kirchenleitung. Was mir noch wichtig ist, ist meine Mitbewerberin aus Köln-Nord, Frau Orbach, zu erwähnen. Sie hat nach dem ersten Wahlgang ihre Kandidatur zurückgezogen, damit im zweiten Wahlgang eindeutig der Weg frei ist für eine Frau und eine Bewerbung aus Köln.

Was denken Sie, können Sie als Mitglied der Kirchenleitung bewirken?
Das weiß ich naturgemäß noch nicht genau, weil es ein Amt ist, das für mich neu ist. Meinen Fokus werde ich auf Frauenfragen richten und auch darauf, dass die Interessen von Beschäftigten berücksichtigt werden. Sie müssen selbst bestimmen können, wie sie ihre Interessen vertreten wollen, und brauchen dafür aber gute Rahmenbedingungen. Weiterhin würde ich gern an Strukturfragen unserer Kirche mitarbeiten. Ich sehe viele Chancen zu fragen: „Passen die Strukturen noch? Sind wir fit für die Zukunft“

Was bedeutet Ihre Wahl für den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region?
Ich möchte gerne Fragen aus dem Kirchenverband aufnehmen, denn diese Fragen sind mir besonders nah, und ich kann so für einen schnelleren Weg zur Kirchenleitung sorgen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, als Gast an der Verbandsvertretung teilzunehmen.

Was hat Sie an der jetzigen Landessynode besonders beeindruckt?
Was mich beeindruckt hat, war der Wille zur Veränderung, das mutige Nachfragen, und das große Bemühen, keinen Menschen zu beschädigen. Auch das Thema Inklusion, das mich schon lange berührt, hat mich sehr interessiert. Als mein Sohn in eine weiterführende Schule kam, haben wir uns bewusst für eine Klasse entschieden, in der Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen und Nicht-Behinderte zusammen lernen. Im Gespräch mit den Eltern habe ich festgestellt, dass alle davon profitiert haben, und es für alle wohltuend war. Inklusion kann aber nur mit einer großen Fachlichkeit gelingen, sonst bleibt sie ein Aushängeschild. Durch das Tutorensystem mit einem Lehrer der Sonderpädagogik war die Fachlichkeit dort, in der Gesamtschule in Rodenkirchen, gegeben.

Was glauben Sie, wie viel Zeit müssen Sie für Ihr neues Amt investieren?
Ich habe natürlich meine Vorgängerin gefragt, sie hat mir viel erzählt, sie ist ein wunderbarer Mensch. Es gibt einmal im Monat eine zweitätige Sitzung mit einer Vorbereitungszeit von ca. einem Tag, hinzu kommen noch einige Veranstaltungen. Sicherlich wird mir dennoch genug Zeit bleiben, die Reisen zu machen, auf die ich mich schon lange gefreut habe. Die dürfen nicht zu kurz kommen, aber ich glaube, das geht.

Wie sehen Sie derzeit die Evangelische Kirche in der Gesellschaft?
Kirche muss nicht zu jeder tagespolitischen Frage Stellung nehmen. Das wären nur Verlautbarungen. Aber es gibt wichtige ethische Themen, bei denen sich Kirche einmischen sollte, und manchmal muss. Da kann sich ihr Votum segensreich auswirken. Das sind für mich zum Beispiel die Höhe der Sätze für Hartz IV, besonders für Kinder. Oder noch wichtiger, die schweren sozialen Verwerfungen in Griechenland und Spanien, hervorgerufen durch die Finanzpolitik. Eine Jugendarbeitslosigkeit von 57 Prozent in Spanien oder bittere Armut in Griechenland, da kann man meiner Meinung nach als Kirche nicht schweigen.
Und das Thema Kirche und Gewerkschaft ist natürlich ein weites Feld. Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes vom November 2012 zum Streikrecht für Berufstätige der Kirche sind hier viele Fragen neu zu stellen und zu beantworten. Aber wenn wir ohne Angst, mit Mut und Vertrauen in eine neue Streitkultur hineingehen, kommen wir sicher weiter.
Wichtig ist mir bei allem Handeln auch der Respekt vor anderen Menschen, vor anderen Auffassungen. Denn unser Weg ist nicht der Einzige. Präses Schneider hat mal gesagt: „Die Bibel ist ein Kompass, kein Navigationsgerät“. Dieses Bild hat mir gut gefallen.

Die Vorstellung im Wortlauft von Eva Hoffmann von Zedlitz auf der Landessynode lesen Sie hier.

Text: Angelika Knapic
Foto(s): Anna Neumann