„Es ist ein Wunder, dass in Erftstadt niemand bei der Flut ums Leben kam“ – Seelsorge im Zeichen der Katastrophe – Pfarrerinnen und Pfarrer aus vielen Gemeinden helfen

„Es ist ein Wunder, dass in Erftstadt niemand bei der Flut ums Leben kam“ – Seelsorge im Zeichen der Katastrophe – Pfarrerinnen und Pfarrer aus vielen Gemeinden helfen

Trotz allem gibt es einen guten Grund zum Aufatmen. „Es ist ein Wunder, dass in Erftstadt niemand bei der Flut ums Leben kam“, sagt Pfarrerin Friederike Schädlich von der Evangelischen Kirchengemeinde Lechenich. „Soweit wir das im Moment wissen“, schränkt sie allerdings ein.

Lilafarbene Westen

Auch im Ortsteil Blessem, der wegen der Abbruchkante bundesweit traurige Berühmtheit erlangte, sei von Todesopfern nichts bekannt. Pfarrerinnen und Pfarrer sind vor Ort und helfen nach Kräften. Erkennbar sind sie und weitere ehrenamtliche Unterstützer aus der Lechenicher Gemeinde und anderen Gemeinden an den lilafarbenen Westen. „Sie sprechen die Menschen an und fragen, ob was fehlt. Sie vermitteln beispielsweise Hilfsgüter. Die Menschen nehmen die Angebote der Seelsorgerinnen und Seelsorger dankbar an“, erzählt Schädlich. „Es ist großartig“, freut sich Simone Drensler „wie schnell durch die Abfrage auch in den anderen Kirchenkreisen ein Pool von Leuten eingesetzt werden konnten.“ Stellvertretend für den Superintendenten verantwortet die Synodalassessorin die Kommunikation und Koordination der Helferinnen und Helfer im Kirchenkreis.

Das erste Aufräumen in den betroffenen Gebieten ist beendet. Der Müll ist gestapelt und wird nach und nach abtransportiert. Überall brummen die Bautrockner. Der erste Schock bei den Anrainern der Erft ist gelindert. Jetzt sind die Experten am Zug. „Statiker beispielsweise sind damit beschäftigt, die Standfestigkeit der Gebäude zu überprüfen“, sagt die Pfarrerin. Natürlich haben auch die Handwerker jede Menge Arbeit. Elektriker versuchen möglichst schnell möglichst viele bewohnbare Häuser wieder an das Stromnetz anzuschließen.

Materielle Hilfen und Gemeindearbeit

„Ich habe gehört, dass manchmal Material knapp ist“, berichtet Friederike Schädlich. Jeden Tag müsse man schauen, wer Hilfe anbietet und diese koordinieren. Viele hätten sich ehrenamtlich engagiert. Finanzielle Hilfe komme aus dem gesamten Bundesgebiet. Auch evangelische Gemeinden hätten Spenden gesammelt. Viele Orte in Erftstadt seien sehr unterschiedlich von der Flut getroffen worden. Manchmal stünden abrissreife Häuser nur wenige Meter neben unversehrten.

Evangelische Gottesdienste fänden etwa in Blessem nicht statt. „Dort gibt es nur eine katholische Kirche. Die ist natürlich auch für evangelische Christinnen und Christen zum Innehalten geöffnet“, sagt Schädlich. Nach den Sommerferien sei eine ökumenische Veranstaltung geplant. Was Genaues weiß man aber noch nicht. Und trotz allem geht die Gemeindearbeit weiter. In den nicht betroffenen Orten von Erftstadt führt Pfarrerin Schädlich wie immer Taufgespräche und beerdigt Menschen.

Finanzielle Hilfe

Aber die Internetseite der Gemeinde wird von der Flutkatastrophe dominiert. Dort kann man den Antrag auf finanzielle Hilfen aus dem Spendenaufkommen ausfüllen, selbst spenden oder sich für Benefiz-Veranstaltungen anmelden. Am Freitag, 6. August, findet um 19 Uhr ein Orgelkonzert in der evangelischen Kirche der Versöhnung in Erftstadt-Lechenich, An der Vogelrute 8, statt. Der Eintritt ist frei, am Ende dieser Veranstaltung wird zugunsten der Flutopfer gesammelt. Kantor Marc Gornetzki spielt auf der neuen Fasen-Orgel Werke unter anderem von Johann Sebastian Bach, Wilhelm Rudnick und Louis Vierne. Der Kabarettist Wilfried Schmickler gastiert am 20. August. Alle Einnahmen gehen an die Flutopfer. Die Veranstaltung ist ausverkauft.

Text: Stefan Rahmann/APK
Foto(s): Friederike Schädlich