Militärpfarrer Martin Söffing in der Christophorus-Kapelle auf dem Gelände der Lüttich-Kaserne



„Es ist ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen“ – Neuer Militärpfarrer Martin Söffing in der Christophorus-Kapelle auf dem Gelände der Lüttich-Kaserne in sein Amt eingeführt

Eines liegt Martin Söffing besonders am Herzen: Die öffentliche Anerkennung der Streitkräfte. „Manchmal erhalten die Kameraden und Kameradinnen zu wenig Wertschätzung“, sagte der neue Militärpfarrer bei seiner Amtseinführung in der Christophorus-Kapelle auf dem Gelände der Lüttich-Kaserne in Longerich. „Als ich hier meinen Probedienst antrat, wusste ich nicht viel. Ich habe viele Gespräche geführt und hatte so eine Art ,Welpenschutz‘“, erinnerte sich Söffing in seiner Ansprache an seinen Start bei der Bundeswehr.

Wertschätzung

„Ich habe hier eine besonders ausgeprägte Kollegialität erlebt und bin weiterhin beeindruckt von den Menschen, die hier mit hoher Integrität ihren Dienst tun und klare Werte vertreten. Es ist ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen und mit den Kameraden und Kameradinnen Freud und auch Leid zu teilen“, fuhr Söffing fort. Der Pfarrer wies darauf hin, dass manche Soldaten auf die kostenlose Fahrt mit der Deutschen Bahn verzichteten, weil sie in der Öffentlichkeit nicht in ihrer Uniform gesehen werden wollten. „Es ist fatal, dass ihnen von Teilen der Gesellschaft die Anerkennung vorenthalten wird.“ Natürlich sei ein politischer und gesellschaftlicher Diskurs etwa über UN-Mandate richtig und wichtig. Der dürfe aber nicht die persönliche Wertschätzung der Soldatinnen und Soldaten beeinflussen. Zur Einführung gekommen waren der evangelische Militärbischof Dr. Sigurd Rink und die leitende evangelische Militärdekanin Petra Reitz. Auch Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger war anwesend. Die Dienststelle des evangelischen Militärpfarramtes Köln I liegt in Marienburg. Dort ist Dr. Seiger seit langen Jahren Pfarrer.

Söffings Lebenslauf

Petra Reitz beschrieb den Lebenslauf des neuen Militärpfarrers, der 1980 geboren wurde. Er wuchs auf in Radevormwald. Sein Theologiestudium führte in nach Wuppertal, Wittenberg und Leipzig. Nach einer Assistentenstelle an der Ruhr-Universität in Bochum im Fach Neues Testament trat Söffing sein Vikariat in Hattorf im Harz an. Schließlich wurde er Krankenhaus-Seelsorger im Diakonieklinikum in Rotenburg (Wümme). Söffing hat als Notfall-Seelsorger gearbeitet und eine Fortbildung in Tiefenpsychologie absolviert. Beste Voraussetzungen also für seinen neuen Dienst.

„Du sollst nicht töten”

Militärbischof Dr. Rink nannte drei Arbeitsbereiche für Militärpfarrer. Verkündigung, Seelsorge und lebenskundlicher Unterricht. In Deutschland arbeiten 100 evangelische und 80 katholische Militärpfarrerinnen und -pfarrer. Deren Dienst sei eine Gratwanderung. Denn das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ und die Botschaft der Bergpredigt würden ja auch für Soldaten und Soldatinnen gelten. „Wir sprechen da von der rechterhaltenden Gewalt im Notfall, die das Militär ausübt“, sagte der Militärbischof. Die Seelsorge sei Herzstück jedes Pfarramtes und besonders im Militärpfarramt. Zwar gebe es keine kämpfende Truppe in Köln, sondern Ämter und Einrichtungen. Aber viele der dort arbeitenden Menschen hätten Einsatzerfahrungen. Es gelte, so Dr. Rink, unabhängig von Rang und Namen zuzuhören.

„Die Seelsorge und das Beichtgeheimnis sind ein hohes Gut. Alles, was den Militärpfarrern mitgeteilt wird, ist nicht beurteilungsrelevant und bleibt im geschützten Raum. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Streitkräfte“, fuhr der Bischof fort. Und: Der lebenskundliche Unterricht, die ethische Bildung der Soldaten und Soldatinnen, werde nur von Pfarrern gehalten. „Es ist mutig, sich mit denen auf den Weg zu machen und sie berufsbildend zu unterrichten.“ Er hoffe, gab Dr. Rink Söffing mit auf den Weg, „dass Sie nicht von Furcht überwältigt werden und das tiefes Vertrauen in das Neue Testament Sie leitet.“

Söffing schloss seine Ansprache mit dem Leitspruch der evangelischen Militärseelsorge: „Domini sumus“ – wir sind des Herrn. „Wir begleiten einander in unseren Fragen und unserem Suchen. Manchmal sieht der eine klarer, mal kann die andere von ihrem festen Glauben etwas abgeben. Wir machen immer neue Erfahrungen mit Gott. Und immer geht es um einen gemeinschaftlichen Neuanfang. Die Theologie nennt das Gnade.“

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann