Erstes ökumenisches Gemeindefest: „In Sinnersdorf funktioniert die Ökumene!“

Erstes ökumenisches Gemeindefest: „In Sinnersdorf funktioniert die Ökumene!“

Ein großer Tisch mit bunten Früchten der Saison ließ beim Gottesdienst in Sinnersdorf an ein Erntedankfest denken. Doch dieses Mal gaben nicht die Früchte der landwirtschaftlichen Ernte den Anlass zum Dank, sondern die guten Ergebnisse ökumenischer Zusammenarbeit.

Getreu dem Motto des Johannes-Evangeliums (15,5) „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun“ hatten sich Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen Friedenskirche und der katholischen Kirche St. Hubertus über Monate zusammengesetzt, um Mitte September dem 6000-Seelen-Ort die Früchte ihrer Zusammenarbeit zu präsentieren.

Weinrebe aus violetten Luftballons
„Wenn wir heute Kundschafter wie damals zur Zeit Jesu aussendeten, was würden sie im Land der Ökumene finden?“ fragte Pfarrerin Maike Pungs während des Gottesdienstes. Als Antwort fügten sich violette Luftballons zu einer Weinrebe zusammen: der ökumenische Musikkreis steuerte eine Traube bei, die Kinder brachten die Kinderbibelwoche für beide Konfessionen ein, die Sternsinger ergänzten eine gemeinsame Traube und die Karnevalisten komplettierten die Rebe mit ihrem ökumenischen Pfarrkarneval. Mit dem Lied „Unser Leben sei ein Fest“ endete der Gottesdienst und lud die rund 300 Besucher zum ersten ökumenischen Gemeindefest ein.

Feiern auf neutralem Grund
Der Ort der Veranstaltung war bewusst gewählt: Genau zwischen St. Hubertus und der Friedenskirche liegt in Sinnersdorf die Grundschule. Deren Schulleitung stellte bereitwillig die Räumlichkeiten zur Verfügung und bereicherte das Fest mit der Vorführung des Kindertheaterstücks „Frederick“. Bereits seit langem bündeln beide Kirchen in Pulheim-Sinnersdorf ihre Kräfte in puncto Ökumene: Karneval, die Osternacht und eine Herbergssuche in der Adventszeit bringen Protestanten und Katholiken zusammen. „Man hört so oft, wo es trennend ist, aber wir sind hier auf einem Weg, der nicht nur ein Miteinander ist, sondern zu einer richtigen Freundschaft wird“, fasst die evangelische Pfarrerin Maike Pungs den Tenor der Ökumene in Sinnersdorf zusammen.

Ausweitung auf gemeinsame Gottesdienste
Auch Pfarrer Christoph Hittmeyer steht der Ökumene positiv gegenüber. Schon als Kind lernte er beide Seiten kennen, da seine Eltern nicht der gleichen Konfession angehörten. In der Erinnerung daran, dass früher Katholiken und Protestanten keine Kontakte unterhalten durften, beurteilt er das heutige Miteinander als besonders wichtig und wünscht sich die Ausweitung auf gemeinsame Gottesdienste. „Das Wichtige ist zu begreifen: wir gehören zusammen, obwohl wir unterschiedlich sind“, sagte er beim Gemeindefest.

Irische Lieder begeisterten das Publikum
Damit das neue Konzept nicht nur von den Kirchenleitungen ausgeht, wurden die Gemeindeglieder aktiv in die Planungen einbezogen. Zwei Lesungen unterhielten die Gäste mit Kurzgeschichten zum Thema „Früchte“, und sowohl Konfirmanden als auch Messdiener betreuten die Spielstände für Kinder. Alle gastronomischen Stände waren von Mitgliedern beider Konfessionen besetzt. Während die Kinder nachmittags bei Geschicklichkeitsspielen und beim Treckerfahren mit einem Bauern auf ihre Kosten kamen, rundete ein Konzert der Band „Seamus“ den Tag für die Erwachsenen ab. Mit ihren irischen Liedern begeisterten Sie das Publikum. In der Pause lud Pfarrgemeinderatsmitglied Dietmar Bodelsky zur Verkostung irischen und schottischen Whiskeys ein. Fachmännisch erwies er sich bei allen Fragen zu Zutaten und Herkunft als wahrer Whiskey-Kenner.

Positive Bilanz des Festes
Vertreter und Mitglieder beider Kirchen zogen eine positive Bilanz des Festes und freuten sich: „In Sinnersdorf funktioniert die Ökumene!“. Zuvor hatten sie sich darüber abgestimmt, dass die Erlöse im Ort bleiben sollen und dort angesiedelten syrischen Flüchtlingsfamilien zugute kommen sollen.

Text: Anne Siebertz
Foto(s): Anne Siebertz