Einweihung des Dorothee-Sölle-Platzes

Einweihung des Dorothee-Sölle-Platzes

Er werde des Öfteren gefragt, ob ihn die Benennung eines Platzes nach seiner Mutter nicht stolz mache, ob es nicht eine Genugtuung sei. „Stolz ist wohl die falsche Kategorie, denn Sohn zu sein, ist ja noch keine Leistung“, stellte Martin Sölle auf dem Festakt zur Einweihung des Dorothee-Sölle-Platzes an der Christuskirche klar.

Entscheidend sei für ihn vielmehr, was von den Gedanken und Worten seiner Mutter geblieben ist, von ihrem Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit, für den Frieden und für die Aussöhnung mit der Schöpfung.

Zahlreiche Gäste ehren Sölle
Sölles so kurze wie bewegende Rede fand bereits in der Christuskirche statt, deren 2014 begonnener Umbau kurz vor dem Abschluss steht. Zu den mehr als 250 Gästen, die sich aufgrund des Platzregens rasch in das Gotteshaus flüchteten, zählten auch die drei Töchter von Dorothee Sölle: Michaela Sölle, Caroline Sölle-de Hilari und Mirjam Steffensky, dazu ihre Gatten und Kinder sowie der Theologe Fulbert Steffensky, mit dem Dorothee Sölle in zweiter Ehe verheiratet war. Auch zahlreiche Politiker und Weggefährten wohnten dem Festakt bei, unter den Geistlichen war der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Manfred Kock.

„Nicht immer frei von Irritationen“
Dass das Wetter den Veranstaltern einen Streich spielte, hätte der Geehrten wohl gefallen, meinte Bärbel Wartenberg-Potter, die Dorothee Sölle bis zuletzt freundschaftlich verbunden war. „Sie wäre angesichts solch einer Ehrung wohl eher verlegen gewesen“, sagte die Bischöfin im Ruhestand in ihrer Laudatio. Sie erinnerte daran, dass das Verhältnis der 1929 in Marienburg geborenen Theologin zum hiesigen Kirchenverband und zur EKD insgesamt nicht immer frei von Irritationen war. Etwa, als Sölle das Politische Nachtgebet mitbegründete, bei dem von 1968 bis 1972 in der Antoniterkirche dezidiert „linke“ Positionen – zum Beispiel gegen den Vietnamkrieg – vertreten wurden.

Vorreiterin gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz
Wartenberg-Potter nannte Dorothee Sölle, die im Jahre 2003 verstarb, eine „Agentin der Gerechtigkeit, eine Anwältin der Gnade“, sie sei „eine der bedeutendsten Theologinnen des 20. Jahrhunderts gewesen, unvergesslich und unersetzlich.“ Andreas Hupke sah das ähnlich. Ihr Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz könne gerade angesichts aktueller Entwicklungen als Vorbild dienen, sagte der Bezirksbürgermeister der Innenstadt, der den Platz zuvor feierlich eingeweiht hatte. Dorothee Sölles Glaubwürdigkeit und Klarheit in Wort und Tat, ihr intelligentes, sensibles Nachdenken verbunden mit kraftvollem Handeln würdigte Christoph Rollbühler, Pfarrer des Bezirks ThomasChristuskirche der Evangelischen Gemeinde Köln: „Ihre Schuhe sind noch zu groß für uns als Gemeinde. Aber wir werden an diesem Namen wachsen.“

Die neue Adresse am Platz
Pfarrer Rollbühler hatte sich zusammen mit Martin Sölle für die Umbenennung des Platzes eingesetzt. Der Antrag wurde Anfang 2015 gestellt, bereits vier Monate später gab die Bezirksvertretung Innenstadt ihr Plazet. Den Namen Dorothee-Sölle-Platz trägt von nun an nicht etwa „nur“ die kleine Grünfläche vor dem Haupteingang der Christuskirche: Auch die Häuser an den Straßenzügen entlang der beiden neuen und bereits bezogenen Gebäuderiegel sowie die rückwärtige Platzfläche mit Blick auf den Stadtgarten tragen nun diese Adresse. „Dorothee Sölle können Sie nun in Ihr Navi eingeben“, verkündete Christoph Rollbühler.

Einweihung der Christuskirche im September
Pfarrer Mathias Bonhoeffer, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Gemeinde Köln, betonte noch einmal, dass der 2012 beschlossene Umbau des Kirchengebäudes und die innovative Idee, hier zusätzlichen Wohn- und Büroraum zu schaffen, ein Glücksfall für die Gemeinde sei. Im März habe die Bezirksvertretung auch noch beschlossen, den Dorothee-Sölle-Platz neu zu gestalten. Das werde das Gesamtprojekt abrunden. Auch ein konkretes Datum für die offizielle Einweihung der Christuskirche selbst mit ihrem neuen Kirchenraum gab Bonhoeffer bekannt: „Es wird der 25. September sein, Präses Manfred Rekowski hat sich auch schon angekündigt.“

Buchtipp:
Doch nun feiert die Gemeinde erst einmal die „Dorothee Sölle-Festwoche“ und dazu gibt es auch ein kürzlich erschienenes Buch: „Liturgie von links. Dorothee Sölle und das Politische Nachtgebet“ von Dr. Anselm Weyer. Der Autor hat das Buch zusammen mit Markus Herzberg und Annette Scholl veröffentlicht. Es ist im Kölner Greven-Verlag in der Reihe "leseZeichen" erschienen und zum Preis von 9,90 Euro im Buchhandel sowie im Foyer der Antoniterkirche auf der Schildergasse erhältlich.

Text: Hans-Willi Hermans
Foto(s): Hans-Willi Hermans