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Superintendentin Susanne Beuth und Präses Dr. Thorsten Latzel

Ein Abschied mit aufrechtem Blick – Entpflichtung von Superintendentin Susanne Beuth

Mit langanhaltendem Applaus hat die Festgemeinde am Sonntagnachmittag auf die Abschiedspredigt von Pfarrerin Susanne Beuth in der Johanneskirche in Köln-Klettenberg reagiert. Menschen aus drei Jahrzehnten Wegbegleitung – Gemeindeglieder, Kolleginnen und Kollegen, Ehrenamtliche, Familien und Verantwortliche aus dem Kirchenkreis und dem Evangelischen Kirchenverband Köln und Region – waren gekommen, um Abschied zu nehmen von einer Superintendentin, die in Köln nicht laut, aber deutlich gewirkt hat. Ende des Jahres wird Susanne Beuth in den Ruhestand gehen.

„Hoffnung ist eine Haltung“ – die Predigt von Susanne Beuth

Susanne Beuth.
Susanne Beuth.

Als die Klettenberger Pfarrerin die Kanzel betritt, wird es still in der vollen Kirche. Für ihre Abschiedspredigt hatte sich Susanne Beuth an die vorgeschlagenen Texte gehalten – darunter ein Vers aus dem Lukasevangelium, der für den 2. Advent vorgesehen ist: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“, aus Lukas 21 Vers 28. „Ich dachte: Perfekt – der Spruch passt gut zu dem, was mir am Herzen liegt – aber etwas knapper wäre besser und würde die Botschaft deutlicher für die heutige Zeit sagen: „Kopf hoch! Befreiung naht.“ ist also meine Kurzfassung in vier Worten“, sagte die Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Mitte. Und so nahm sie den Vers mit in die heutige Zeit, als wäre er nicht zwei Jahrtausende alt, sondern gerade erst gesprochen und fragte, wie man über Hoffnung reden könne, wenn Strukturen bröckeln und wie über Erlösung, wenn die Kirche im Abbau stecke. „Für die Kirche, die Gemeinden, die Christinnen und Christen ist „Kopf hoch“ zurzeit ein wichtiger Impuls“, sagte sie weiter. „Nein, es ist nicht alles gut. Kirchenaustritte, Bedeutungsverlust, Schrumpfungsprozesse, sind Stichworte dafür, dass die Kirche in der Krise ist. Aber was wir in all dem brauchen, ist doch Zuversicht. Die Zuversicht, dass wir nicht ohne Hoffnung weitergehen, dass die Liebe Gottes uns auch in Sackgassen und auf Umwegen begleitet.“

Dann blickte Susanne Beuth auf ihre Dienstzeit zurück. „Passt das zum Abschied vom Amt als Pfarrerin und Superintendentin?“, fragte sie sich selbst und gab gleich die Antwort. „Teils – Teils – Ich freue mich darauf, dass die enge Taktung von Terminen im kommenden Jahr ein Ende hat. Freue mich, dass ich endlich wieder Zeit habe, und mir nicht Zeit nehmen muss. Aber das Wort „Befreiung“ passt für mein Gefühl nicht so richtig, denn meine Arbeit als Pfarrerin und Superintendentin hat mich – fast immer – erfüllt und erfreut. Es war der absolut perfekte Beruf für mich. Was also mein persönliches Leben betrifft, warte ich nicht auf Befreiung, sondern brauche eher die Ermutigung: „Kopf hoch! Es gibt auch ohne Arbeit ein erfülltes Leben.“ Als sie die Kanzel verließ, brach der Applaus los – lang, warm, ungezwungen. Kein formeller Beifall, sondern einer, der sagt: Danke, wir haben verstanden.

Würdigung durch Präses Latzel: Drei Rollen im Auftrag Jesu

Präses Dr. Thorsten Latzel und Susanne Beuth.
Präses Dr. Thorsten Latzel und Susanne Beuth.

Im Anschluss an Predigt und Fürbitten würdigte Präses Dr. Thorsten Latzel das Wirken und den beruflichen Werdegang von Susanne Beuth. Der Präses erinnerte an ein Wort aus dem Galaterbrief, das ganz am Anfang ihres beruflichen Weges stand: „Ihr seid zur Freiheit berufen.“ Auf einem Kalenderblatt ihrer Großmutter hatte Susanne Beuth diesen Vers gefunden. „Diese Freiheit haben Sie nicht für sich genutzt, sondern für andere“, stellte Latzel fest.

Er zeichnete mit einem ungewöhnlichen Dreiklang ein eindrückliches Bild: „Sie waren Schauspielerin, Regisseurin und Bühnenbildnerin im Auftrag Jesu Christi.“ Damit erinnerte er an alte Tätigkeiten von Susanne Beuth, als sie als junge Frau auf der Bühne stand. Besonders hob er hervor, wie sie anderen Menschen Raum gab, ohne sich selbst zu verlieren: „Sie haben Konflikte ausgehalten, ohne Menschen zu entmutigen. Sie haben Wandel gestaltet, ohne die Grundlagen preiszugeben. Sie gehen mit einer Haltung, die unserer Kirche guttut: Freiheit ohne Selbstsucht. Bewahren Sie sie – und teilen Sie sie weiter.“

Drei Jahrzehnte Dienst für eine offene Kirche

Susanne Beuth prägte über drei Jahrzehnte das evangelische Leben in Köln und der Region – die längste Zeit davon in der Kirchengemeinde Köln-Klettenberg. Seit ihrem Start im November 1992 arbeitete sie als Pfarrerin, später 15 Jahre lang zusätzlich als Assessorin und ab 2019 als Superintendentin. Ihr besonderes Anliegen galt Menschen in ungesehenen Zielgruppen. Sie begleitete Aussiedlerinnen und Aussiedler, förderte inklusive Arbeit mit Menschen mit Behinderungen und setzte sich für eine offene, diakonisch geprägte Gemeindekultur ein. In der Tradition ihrer Großmutter engagierte sie sich zudem intensiv in der feministisch-theologischen Arbeit, wie beim Weltgebetstag der Frauen. Auch die ökumenische Zusammenarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), in ihrer Gemeinde vor Ort und in internationalen Projekten – etwa einer Schule in Paraguay – lag ihr am Herzen. Mit diesem breiten Wirken hat Susanne Beuth deutliche Spuren einer Kirche hinterlassen, die Menschen sieht, stärkt und verbindet.

Grußworte, Videos, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter

Zahlreiche Menschen würdigten im Anschluss an den Gottesdienst in Grußworten – teils live, teils per Video – die scheidende Superintendentin. Die Videogrüße hatte Pfarrer Ivo Masanek in zwei Filmen zusammengestellt. Sie kamen von Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern aus Pfarramt, Ökumene, ACK, Gemeindegruppen und kirchlichen Einrichtungen. Stadtsuperintendent Bernhard Seiger dankte Susanne Beuth für ihren Einsatz im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region. Hier war sie Mitglied des Vorstandes und war unter anderem für das Diakonische Werk Köln und Region gGmbH und die Evangelische Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche zuständig.

Ein neuer Anfang mit bleibender Handschrift

Miriam Haseleu, stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis Köln-Mitte, würdigte Susanne Beuth als „Ermöglicherin“. „Du hast Räume geöffnet, nicht besetzt. Es war dir wichtig, dass unterschiedliche Menschen beteiligt sind und alle Perspektiven ihren Platz bekommen“, sagte sie und blickte dann auf den bevorstehenden Strukturwandel in der evangelischen Kirche: „Du gehst in dem Moment, in dem ein Kirchenkreis endet und ein neuer beginnt. Auch dieses Stück Kirchengeschichte trägt deine Handschrift.“

Ganz verabschiedet aus der Gemeinde hat sich Susanne Beuth mit ihrem Ruhestand noch nicht. Auch wenn sie sich vorgenommen hat, nicht mehr in Gremien mitzuarbeiten, wird sie weiterhin die Gottesdienste zum Weltgebetstag der Frauen mit vorbereiten und gestalten. Miriam Haseleu beendete ihr Grußwort mit einer Einladung: „Wenn du uns suchst, weißt du, wo du uns findest.“

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