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„‚Dritter Weg‘ darf Arbeitnehmerrechte nicht schmälern“

60 Synodale begrüßte Pfarrer Rolf Domning, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte und zugleich Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, bei der Herbstsynode seines Kirchenkreises am Samstag in der St. Johannes-Kirche, die 1861 eingeweiht wurde und seit 150 Jahren an der Tempelstraße in Deutz steht. Im Gottesdienst zu Beginn dieser Synode im Jubiläumsjahr predigte Susanne Maria Koschmider, seit kurzen Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Deutz/Poll, über Jeremia 29, „Suchet der Stadt Bestes“. Sie zitierte aus dem Brief des Propheten an die Exilanten in Babel. In dem Schreiben mache er Mut, das Leben an jedem Ort und zu jeder Zeit anzupacken und auf Gott zu setzen, der „nicht an Jerusalem und den Tempel gebunden“ sei: „Hört nicht auf falsche Propheten. Wenn Ihr mich sucht, werde ich mich finden lassen. Hier und jetzt.“


„Herr, gib Mut zum Brückenbauen“: Superintendent Domning zu Brückenschlägen in der deutschen – und in der Kölner Ökumene
Auch Superintendent Rolf Domning würdigte in seinem Bericht vor der Synode die Historie der Deutzer Protestanten und die St. Johannes-Kirche. Er hob hervor, dass der Kirchenkreis mit seinen Kölner Gemeinden links und rechts des Rheins stets eine Brücke zwischen den Menschen in der Stadt – und im Laufe der Geschichte auch zwischen den Konfessionen – geschlagen habe. In diesem Zusammenhang kam Domning noch einmal auf den Besuch des Papstes in Deutschland vor wenigen Wochen zu sprechen. Der Superintendent erinnerte daran, dass der alte päpstliche Titel des „Pontifex maximus“ ja nichts anderes als „oberster Brückenbauer“ bedeute. Dem gegenüber hätten allerdings viele Gemeindeglieder den Besuch des katholischen Kirchenoberhauptes als Enttäuschung und keinesfalls als „Brückenschlag“ für die Ökumene empfunden. „Ich persönlich bin jedoch der Meinung, dass dieser Besuch in Erfurt im Augustinerkloster durchaus eine Würdigung der Kirche der Reformation durch Papst Benedikt XVI. bedeutet hat. Das immerhin ist anzuerkennen“, erklärte der Superintendent: „Für weitergehende Fragestellungen im Hinblick auf das Abendmahl bzw. die Eucharistie oder die konfessionsverschiedenen Ehen, waren offensichtlich die Erwartungen mancher noch zu hoch gesteckt.“

Heitere Nachlese zum „Elften im Elften“: Dreigestirn protestantisch – doch kein Gottesdienst in der Trinitatiskirche zur Proklamation
„Auch auf einem anderen Gebiet ist die Ökumene noch ausbaufähig“, stellte Superintendent Rolf Domning augenzwinkernd fest, und zwar mit Blick auf die Eröffnung der diesjährigen Karnevalssession. „Nac-dem wir erfreut hörten, dass das diesjährige Dreigestirn wohl durchweg protestantischer Konfession sei – meines Wissens ein Novum in der Domstadt – hätten wir das Festkomitee Kölner Karneval gerne zu einem evangelischen Gottesdienst eingeladen. Doch das alljährlich stattfindende festliche Pontifikalamt im Kölner Dom vor der Proklamation des Dreigestirns war schon fest terminiert“, berichtete Domning mit heiterer Miene. „Dabei wäre die Trinitatiskirche in diesem Jahr doch eine würdige Alternative zum Dom gewesen. Ein bisschen eng wäre es vielleicht geworden, aber bestimmt nicht weniger feierlich“, so Domning vor der Synode am Tag nach dem „Elften im Elften“ 2011.

Domning: „Arbeitnehmerrechte dürfen nicht geschmälert werden“
Augenmaß forderte Superintendent Domning mit Blick auf den so genannten „Dritten Weg“. Dieser wurde zuletzt auf der EKD-Synode bekräftigt und schließt kirchlich Mitarbeitende vom Streikrecht aus. Er sieht den „Dritten Weg“ an einem Scheideweg. Was die die „verfasste Kirche“ anbelange, funktionierten weitgehend die Kontrollmechanismen. „Wenn die sogenannten ‚freien Träger‘ der Diakonie allerdings wichtige Arbeitsbereiche outsourcen um dadurch geringere Löhne zahlen zu müssen oder als Arbeitgeber dazu übergehen, systematisch befristete Einstellungen vorzunehmen, um immer wieder jüngere Mitarbeitende einstellen zu können weil diese billiger sind, dann ist dies aus sozialethischen Gründen verwerflich. Der ‚Dritte Weg‘ wird so zu einem Irrweg“, sagte Rolf Domning zum Abschluss seines Berichts unter dem Beifall der Synode und weiter: „Diese Einrichtungen brauchen ein starkes Gegenüber, warum nicht die Gewerkschaften? Der ‚Dritte Weg‘ darf nicht dazu führen, dass Arbeitnehmerrechte geschmälert werden.“

Verständnis für Demonstrationen gegen Spekulanten
Verständnis äußerte der Superintendent für die Demonstranten, die sich in der „Occupy-Bewegung“ gegen das globale Finanzsystem wenden. „Da ist der Protest auf der Straße durchaus verständlich über eine Politik, die andere zu verantworten haben, nicht zuletzt auch ein Weltfinanzsystem, das es offensichtlich Spekulanten ermöglicht, Länder, die in die Krise geraten wie zuletzt Griechenland, geradezu abzuzocken. Das sind Systemzusammenhänge, die sind kaum noch durchschaubar, zur Zeit gefährden sie den gesamten Euro-Raum.“

Der Bericht des Superintendenten zum Nachlesen und Ausdrucken hier.

Überschuss im Haushaltsjahr 2010 für sozialdiakonische Projekte
Die Jahresrechnung 2010 des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte schließt mit einem Überschuss in Höhe von 79.543 Euro ab. Statt der veranschlagten 754.834 Euro wurden nur 675.291 ausgegeben. 50.000 Euro des Überschusses werden an sozialdiakonische Projekte auf dem Gebiet des Kirchenkreises weitergereicht, an denen evangelische Kirchengemeinden beteiligt sind. Mit dieser Entscheidung setzt die Kreissynode Köln-Mitte ein lokales Zeichen gegen die von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe befürchtete landesweite Verschlechterung bei den so genannten „Aktivierungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose“ im Zuge der für 2011 von der Bundesregierung beschlossenen Kürzungen (Stichwort „Instrumentenreform“), die bis 2014 allein in Nordrhein-Westfalen eine Reduzierung von Mittel von 43 Prozent bedeuten könnte. 29.543 Euro des Jahresüberschusses 2010 stellt der Kirchenkreis Köln-Mitte in die Allgemeine Ausgleichsrücklage ein. Für das Jahr 2012 stimmten die Synodalen einstimmig Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 549.074 Euro zu.

Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe für die „L’Eglise Evangelique Au Maroc“
Einstimmig einigte sich die Kreissynode darauf, die Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe an die „L’Eglise Evangelique Au Maroc“ (EEAM), die Evangelische Kirche in Marokko, zu vergeben. Diese setzt sich ein für gestrandete Flüchtlinge, die vergeblich versuchen, nach Westeuropa zu gelangen. Sie werden von der EEAM unter anderem mit Mänteln und Decken und durch Mittel zur Verbesserung der hygienischen Bedingungen unterstützt. Man kümmert sich um ihre Gesundheit und gibt Werkzeuge aus, damit die Menschen in eigener Initiative Arbeit finden können. „Hier setzt die Kirche ein Zeichen der Hoffnung und der Solidarität“, so die Synode. Die Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe ist mit 10.000 Euro dotiert.

Stichwort evangelischer Kirchenkreis Köln-Mitte
Der evangelische Kirchenkreis Köln-Mitte setzt sich zusammen aus den sechs Gemeinden Köln, Riehl, Nippes, Lindenthal, Klettenberg und Deutz/Poll. Das „Parlament“ des Kirchenkreises ist die Kreissynode. Ihr gehören im Kirchenkreis Köln-Mitte zurzeit 70 stimmberechtigte Vertreterinnen und Vertreter – Theologinnen , Theologen, und Laien – aus den sechs evangelischen Gemeinden an. Geleitet wird der Kirchenkreis Köln-Mitte von Superintendent Rolf Domning, gemeinsam mit dem Kreissynodalvorstand.

Text: Amt für Presse und Kommunikation
Foto(s): Rahmann