Sieben Jubilare und eine Pfarrerin

Zusammen mit Pfarrerin Uta Walger (hinten) und den andern Jubilaren feierte Margarete Wolf (li.) ihr Konfirmationsjubiläum – es war ihr 80.!



Doppeljubiläum in der Epiphaniaskirche Bickendorf: 80 Jahre Sauer-Orgel und 80. Konfirmationsjubiläum

„Nicht nur mit 14 Jahren, sondern auch mit 60, Mitte 70 und mit 80, ja sogar mit Mitte 90 ist man noch im Werden und Wachsen“, merkte Uta Walger an. Zur Feier von mehreren Jubiläen in der Evangelischen Kirchengemeinde Bickendorf wollte die Pfarrerin nicht nur zurückschauen. Lebensfreude und Zuversicht für Zukünftiges waren ihr mindestens genauso wichtig. Insgesamt sieben Konfirmationsjubiläen feierten die Protestanten mit einem festlichen Gottesdienst und anschließendem Empfang.

Eine ganz außergewöhnliche Note brachte der 80. Jahrestag von gleich zwei frohen Ereignissen: Die Konfirmation von Margarete Wolf und die Einweihung der Sauer-Orgel. Beides fand im Jahr 1938 tatsächlich im selben Gottesdienst statt, in der Markuskirche, die damals noch zur Gemeinde Ehrenfeld gehörte und heute von der Evangelisch-Methodistischen Gemeinde genutzt wird.

Ein weites Herz bekommen
Den Mittelpunkt von Walgers Predigt bildete ein Vers aus Psalm 103: „Lobe den Herren, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan.“ Unter diesem Motto ließ Pfarrerin Walger die letzten 80 Jahre in Schlaglichtern vorüberziehen. Die Rückblende fing dann natürlich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte an, gewann aber im weiteren Verlauf mehr und mehr an Farbe. Dazwischen ließ sie Raum für persönliche Erinnerungen, für Momente der Dankbarkeit und des Trosts, die der Glaube bietet. Zum Abschluss legte Walger ein Plädoyer für Lebensfreude und Gemeinschaft ein: „Wir wollen ein weites Herz bekommen, Hilfe geben und Hilfe annehmen, Hand in Hand großzügig werden.“

Treffen nach 80 Jahren
Dass sich die heute 94-jährige Margarete Wolf und die Orgel mit „spätromantischer“ Stimmung jetzt in der Epiphaniaskirche wiedergefunden haben, freute Walger besonders. 1999 zog das historische Instrument in die Kirche ein und wurde 2015 von der Eifeler Firma Weimbs aufwändig restauriert. Kirchenmusiker Nikolay Bogdanovskiy ließ es sich nicht nehmen, unter anderem feierliche Vor- und Nachspiele zum 1680 von Joachim Neander geschrieben Lied „Lobe den Herren“ zu spielen.

Gebete im Langzeitgedächtnis
Im Anschluss an den Gottesdienst nahm Bogdanovskiy interessierte Gemeindeglieder auf eine Orgelführung mit und erläuterte die Funktionsweise des Instruments. Gleichzeitig fanden die Jubilarinnen und Jubilare an der Kaffeetafel Gelegenheit, sich an ihre eigene Konfirmation zu erinnern. Beim damals wesentlich strengeren Konfirmandenunterricht lernten sie noch Psalmen, Gebete und Lieder auswendig, danach ging’s zu einer Prüfung. Heute, im höheren und hohen Alter, sind viele froh, in schwierigen Lebenssituationen auf diese tröstlichen Texte zurückgreifen zu können. Ein Gebet, das früher vielleicht mit Mühe ins Langzeitgedächtnis eingearbeitet wurde, hilft heute bei so mancher Gelegenheit.

Text: Felix Eichert
Foto(s): Uta Walger