Die Vielfalt der Kirche abbilden und Menschen eine Heimat geben – Nachrichten von der Herbst-Synode des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch

Die Vielfalt der Kirche abbilden und Menschen eine Heimat geben – Nachrichten von der Herbst-Synode des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch

Es hätte ein analoges Treffen zum Gottesdienst in der Kölner Kartäuserkirche und anschließender Synode im benachbarten Haus der Evangelischen Kirche des Kirchenverbandes werden sollen. Doch die steigenden Inzidenzzahlen in Köln und Umgebung ließen keine andere Entscheidung zu, als die Herbstsynode des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch nun schon zum dritten Mal digital durchzuführen. „Schweren Herzens“, wie Superintendentin Andrea Vogel zugab. Für sie war es auch schon ein Stück weit Abschied. Die Theologin geht im kommenden Sommer in den Ruhestand und leitete zum letzten Mal die Herbstsynode. Gerne hätten auch die Synodalen sich präsentisch getroffen. So sagte Torsten Steinrück, als Landessynodaler Gast der Synode aus Herkenrath: „Ich hätte mich über den Austausch in den Pausen und ein persönliches Kennenlernen sehr gefreut.“

Trotz der räumlichen Entfernung der rund 90 stimmberechtigten Synodalen wurde auch auf digitalem Weg intensiv beraten, es wurden Entscheidungen getroffen und, wie Superintendentin Andrea Vogel es beschrieb: „In unseren Themen ist die ganze Vielfalt der Kirche abgebildet.“

Andacht

Pfarrerin Selma Thiesbonenkamp
Pfarrer Florian Hankwitz

Gestartet ist die Synode mit einer Andacht, gehalten von Pfarrerin Selma Thiesbonenkamp und Pfarrer Florian Hankwitz. Schon in den Worten der Pfarrerin der Gemeinde Kalk-Humboldt schwang mit, was den gesamten Beratungstag begleiten sollte: die Frage nach der Zukunft der evangelischen Kirche. „Altes verabschieden, Neues entstehen lassen. Das kostet Mut und kann für Konflikte sorgen. Auch wenn wir noch nicht wissen, wo es hingeht, müssen wir den Menschen eine spirituelle Heimat bieten.“

Freizeitheim Stolzenberg

Ein guter Ort, der für viele Menschen über Generationen im Rahmen von Freizeiten Heimat bietet, war in den vergangenen Jahrzehnten das Freizeitheim Stolzenberg. Finanzkirchmeister Jörg Rehnitz  erläuterte die Situation des Hauses in Wermelskirchen und stellte Möglichkeiten vor, wie es mit dem Haus weitergehen könnte. Sein Vorschlag, einen Arbeitskreis zu bilden, der Ideen wie eine Verpachtung an einen Dienstleister oder die Gründung eines Trägervereins diskutieren könnte, wurde positiv beschieden. Erste Mitglieder sind Jörg Rehnitz selbst und Pfarrer Torsten Krall, Assessor im Kirchenkreis. Weitere Mitglieder aus den Kirchengemeinden sind willkommen.

beymeister

Eine Heimat anderer Art für Menschen auf spiritueller Suche war in den vergangenen sieben Jahren der Erprobungsraum der Mülheimer beymeister. Die beymeister wollen mit ihrem Konzept, mit neuen Ideen in ihr Veedel hineinzugehen, Menschen erreichen, die sich selbst als kirchenfern beschreiben, die auf einer geistlichen Suche sind, aber tradierte Formen von Kirche als nicht passend für sich empfinden. Nun allerdings stehen Veränderungen an, denn zwei der Motoren der beymeister werden sich zurückziehen. Miriam Hoffmann wird sich in den kommenden Monaten anderen Aufgaben zuwenden und auch Pfarrer Sebastian Baer-Henney hat vor, sich in die zweite Reihe zurückzuziehen.

Janneke Botta wird mit den beymeistern neue Wege ausprobieren

Pfarrerin Janneke Botta, seit einem Jahr im Team, wird bleiben und jetzt noch einmal neue Wege ausprobieren. Um das zu realisieren, bat sie um Unterstützung durch die Synode, um: „Weiterhin das Heilige mit dem Weltlichen verbinden zu können.“ Die Synodalen entschieden, das Projekt mit insgesamt 40.000 Euro in den kommenden zwei Jahren zu unterstützen. Zudem wird es für den Erprobungsraum der beymeister einen Synodal-Platz mit beratender Funktion geben. Weiterhin beschließt die Synode die Errichtung einer auf zwei Jahre befristeten Pionierstelle des Kirchenkreises.

Bericht der Superintendentin

Andrea Vogel beim Bericht der Superintendentin

In ihrem Bericht blickte Pfarrerin Vogel auf viele Veränderungen zurück. 2008 zum ersten Mal zur Superintendentin gewählt, trug sie Neustrukturierungen mit, erlebte Fusionen von Gemeinden und das Nachdenken über die Zukunft der Kirche. So zitierte sie aus einem Positionspapier der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, in dem es heißt: „Strukturfragen sind theologisch oft stark aufgeladen. Das führt trotz hoher Belastung von Ehren- und Hauptamtlichen zur Beharrung in tradierten, überholten Formen kirchlicher Arbeit.“ Hier müsse umgedacht werden, mahnte die Theologin. „Ich denke, es wäre gut, innezuhalten, zu überlegen und zu verabreden, welche Ziele wir verfolgen wollen, bevor wir in die notwendigen Veränderungsprozesse aufbrechen.“

Geschäftsführer des Evangelischen Verwaltungsverbandes Peter Ebenfeld

Zudem ging sie in ihrem Bericht auf Projekte ein, um dem neu wachsenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen, dem Klimawandel und der Corona-Pandemie zu begegnen. Die Flutkatastrophe im Juli und die Pandemie machten das vergangene Jahr erneut enorm anstrengend, so die Pfarrerin. In ihrem Bericht erinnerte sie auch daran, dass es Diskussionen zur Fusion der vier Kölner Kirchenkreise gibt. „Vor einer Fusion wird die Frage der Verwaltung zu klären sein. Ist eine große Verwaltung sinnvoll oder arbeitet eine kleinere effektiver?“ Der rechtsrheinische Kirchenkreis habe zwar aktuell keinen Handlungsbedarf, müsse aber eine Position finden. Dazu passt auch der Satz, der Andrea Vogel in ihrer Zeit als Superintendentin begleitete: „Prüft alles und behaltet das Gute“.

Synodalassessor Torsten Krall moderierte die Aussprache über die vorliegenden Berichte aus den Kirchengemeinden und Ämter und Einrichtungen

Er passt auch zu einem Thema, das innerhalb der Synode für kontroverse Diskussionen sorgte. Der Antrag an die Landessynode der Arbeitsgruppe Taufe des Kirchenverbandes Köln und Region (AG Taufe) beinhaltet die Bitte, den Text des Lebensordnungsgesetzes zu ändern. Vorgeschlagen wurde die Veränderung, dass ein Kind unter bestimmten Bedingungen auch dann getauft werden kann, wenn die Eltern nicht der Kirche angehören. Die Presbyterien der Kirchengemeinden Bergisch Gladbach sowie Köln Rath-Ostheim beantragten die Ablehnung des Antrags. Auch die Synodalen entschieden sich mit großer Mehrheit, den Antrag nicht an die Landessynode weiterzugeben. Das Thema wird im theologischen Ausschuss des Kirchenkreises weiter bearbeitet.

Auch das Thema globale Impfgerechtigkeit hat mit dem Wort „Heimat“ zu tun, denn, wie Pfarrer Ulrich Kock-Blunk von der Gemeinde Köln Dellbrück-Holweide ausführte, fehlt weltweit Impfstoff gegen eine Covid 19-Erkrankung. „Wer in ärmeren Ländern erkrankt, hat keine Möglichkeit, seine fehlenden Einkünfte auszugleichen. Die ungleiche Verteilung des Impfstoffes führt zu wachsender Armut, dem Verlust der Heimat und mehr globaler Ungerechtigkeit“, gab er zu bedenken. Die Synodalen stimmten dem Antrag des Fachausschusses für Mission und Ökumene zu, dass die Kirche hier in der Verantwortung ist, sich in Richtung der Bundesregierung zu äußern. Sie beschlossen, die kreiskirchliche Kollekte im März 2022 für den Partnerkirchenkreis Kalungo im Kongo unter dem Stichwort „Impfgerechtigkeit“ zu erbitten. Die Kollekte im Februar geht an das ökumenische Café Lichtblick in Stammheim, die im Juli 2022 an die Evangelische Telefonseelsorge Köln und Region.

Finanzen

Einen Überblick über die Gesamtfinanzsituation des Kirchenkreises gab Jörg Rehnitz vom Finanzausschuss. Er erklärte: „Aus dem Jahresergebnis 2020 ergibt sich ein Überschuss, der zum Teil an die Kirchengemeinden ausgeschüttet werden kann. Es erfolgt eine Ausschüttung an die Kirchengemeinden in Höhe von 2,50 Euro pro Gemeindeglied. Der verbleibende Betrag von rund 270.000 Euro wird für zukünftige Ausgaben, wie die Unterstützung der beymeister und die freiwillige Rücklage des Kirchenkreises verwendet.“ Zudem stimmten die Synodalen dafür, sich der Kassengemeinschaft des Evangelischen Verwaltungsverbandes Köln-Rechtsrheinisch anzuschließen.

Die nächsten Kreissynoden finden statt: Freitag, 29. April, und Samstag, 12. November 2022, jeweils im Bürgerzentrum Steinbreche, Dolmanstraße 17, Bergisch Gladbach.

Wahlen

Sebastian Baer-Henney wurde durch die Synode zum Skriba (zweiter Stellvertreter der Superintendentin) bis 2024 gewählt.

Als Skriba bis 2024 wurde Pfarrer Sebastian Baer-Henney gewählt. Er folgt auf Martin Häusling.

Ab dem 1. Januar 2022 wird Pfarrer Jörg Schmidt, bislang als Stellvertreter tätig, dem Nominierungsausschuss vorsitzen. Er übernimmt das Amt von Pfarrer Walter Kunz. Stellvertreterin ist nun Pfarrerin Selma Thiesbonenkamp.

Zum stimmberechtigten Mitglied wurde Tatjana Fornoff gewählt, Stellvertreter ist Dr. Gernot Strehl. Pfarrer Andreas Daniels ist stimmberechtigtes Mitglied, Manguela Fokuhl ist stellvertretendes Mitglied. Mitglied im synodalen Jugendausschuss ist Linda Kalinke. Zu ihrer Stellvertreterin wurde Eva Löllgen bestimmt. Neues Mitglied im Finanzausschuss ist Hans Pfau. Pfarrerin Astrid Krall-Packbier wählten die Stimmberechtigten zur Synodalbeauftragten für Kindergottesdienst.

Text: Katja Pohl
Foto(s): Katja Pohl/APK