Die Kreuzkirche in Buchheim wurde 50 Jahre alt



Die Kreuzkirche in Buchheim wurde 50 Jahre alt

Ihre „Muttergemeinde“, die Evangelische Kirchengemeinde Mülheim am Rhein, ist eine der ältesten evangelischen Gemeinden auf heutigem Kölner Boden. In den 60er Jahren gegründet, gehört die Evangelische Kirchengemeinde Buchheim-Buchforst jedoch zu den jüngsten Gemeinden Kölns. Die evangelische Kreuzkirche wurde jetzt 50 Jahre alt.

Zuwachs für evangelische Gemeinden
Köln erholt sich von den Kriegsfolgen und mit dem „Wirtschaftswunder“ kommt bescheidener Wohlstand in viele Haushalte. Eine Kriegsfolge ist der Zuzug von Protestanten ins katholische Rheinland: das sind Kriegsflüchtlinge und Ostvertriebene aus dem protestantischen Pommern und Ostpreußen, vor allem aber Arbeitskräfte für die rechtsrheinischen Industriebetriebe. Vielen evangelische Gemeinden, auch auf der schon länger protestantisch geprägten „Schäl Sick“, beschert dies kräftigen Zuwachs an Gemeindegliedern. Auch die evangelische Gemeinde Mülheim am Rhein wächst kräftig, so dass 1968 der Entschluss fällt, für die Pfarrbezirke Buchheim und Buchforst eine eigene Gemeinde auszugliedern. Von 50 evangelischen Christen im Jahre 1945 wuchs die Zahl der Protestanten rasch auf über 5.000 zu Beginn der 60er Jahre. Bereits 1961 wurde jedoch der Grundstein für eine eigene Kirche in Buchheim an der Wuppertaler Straße gelegt.

Gottesdienste in der Schulaula
Um den Gläubigen lange Wege bis nach Mülheim zu ersparen, fanden bereits vor der Einweihung der Kirche am dritten Advent 1962 Gottesdienste in der Aula der ehemaligen evangelischen Volksschule (heute Gemeinschaftsschule Wuppertaler Straße) und der Grundschule Alte Wipperfürther Straße statt (heute St. Mauritius). „Die Aula lag im dritten Stock und für die älteren Gemeindeglieder stellte man auf jede Etage Stuhle, auf denen sie sich ein wenig erholen konnten“, berichtet Matthias Niewels 1987 im „Kölner Stadt-Anzeiger.
Der ausgeführte Entwurf von Architekt Rudolf Esch zeigt einen schlichten Backstein- und Betonbau im Fünfeck. Drei Seiten sind fensterlos, um den Kirchenraum vom Straßenlärm abzuschirmen. Der Innenraum hat eine Holzdecke, die Ostwand trägt ein Holzkreuz. Eine Besonderheit ist der sogenannte „Brautraum“ mit verglaster Wand zum Gottesdienstraum, in dem sich ursprünglich Brautleute auf die Zeremonie vorbereitet haben. Bei Bedarf kann er zum Gottesdienstraum hin geöffnet werden. Heute dient er meist als Aufenthaltsraum für Kinder, deren Eltern den Gottesdienst besuchen. 1964 kam ein freistehender Kirchenturm, ein sogenannter „Campanile“, dazu. Glocken konnten jedoch, so erinnert sich Gemeindeglied Edith Opitz, erst 1967 angeschafft werden. Türgriffe und Taufbecken stammen von dem Bildhauer Herbert Schuffenhauer. 1975 entstand ein Kindergarten, 1991 erhielt die Kirche dann einen eigenen Gemeindesaal.

Zeitgeschichte im Spiegel von Presse und Gemeindebriefen
Die Liberalisierung der 60er und 70er Jahre gingen auch an der Kirchengemeinde Buchheim-Buchforst nicht vorüber: „Gottesdienst zu langweilig? Buchheim: Gemeinde übte Selbstkritik“ hieß es 1970 im „Kölner Stadt-Anzeiger“. Anlass gab ein provozierendes Transparent, das damals am Kirchturm prangte: „Langweilig, langweiliger, am lang… Gottesdienst?“ war das Motto eines – Gottesdienstes, in dem Gemeindeglieder sich eine Diskussion um Erneuerung oder Beibehaltung alter Gottesdienstformen lieferte. Der Anlass: Der Rückgang der Gottesdienstbesuche von durchschnittlich 151 auf 120 in den Jahren 1968 und 1969. Am ehemaligen Pfarrer, dem späteren Stadtsuperintendenten Heinz Aubel, lag dies nach damaliger Meinung der Gemeinde nicht, aber vielleicht an veralteten Gottesdienstformen, zu langen Predigten, lahmem Gesang und altmodischen Liedern.

Diskussion über Friedenspolitik
Kalter Krieg, Heißer Herbst und „Tauwetter“ hinterließen ihre Spuren auch im Gemeindeleben: 1983 war die Kirche Ort einer Diskussion über Friedenspolitik. Gemeindepfarrer und Stadtsuperintendent Heinz Aubel sowie die Superintendenten Friedrich-Wilhelm Hellenberg und Manfred Kock hatten zur Teilnahme an einer friedenspolitischen Kundgebung in Jülich aufgerufen, was ihnen von evangelischen CDU-Politikern teilweise übel genommen wurde. 1986 stürzte sich die Boulevardpresse auf eine neue Trauformel, die ein Düsseldorfer Pfarrer angesichts steigender Scheidungsraten einführen wollte: Nicht mehr „bis dass der Tod euch scheidet“ sondern „solange es gut geht“: Auch Kölner Pfarrer, darunter Heinz Aubel, äußerten sich dazu und sprachen sich für die „alte“ Formel aus.

Partnergemeinde in Booßen
Ein erstes Treffen mit Mitgliedern der Partnergemeinde in Booßen bei Frankfurt-Oder musste 1975 noch, behindert durch die Besuchsbeschränkungen auf 24 Stunden, in Ost-Berlin stattfinden, es folgten Fahrten in die DDR, bis im November 1989 die erste Frankfurterin zum Gegenbesuch in Köln eintraf. Für „grenzüberschreitende“ Verbindungen sorgt heute die Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Kalungu im Osten der Republik Kongo, ein Arbeitskreis der Gemeinde kümmert sich um den regelmäßigen Kontakt.

Analyse und Ausblick
„Manchmal standen 20 Motorräder vor dem Jugendheim“ erinnerte sich die ehemalige Gemeindehelferin und Pastorin Rita Herche, die von 1963 bis 1979 in der Gemeinde aktiv war. Rund 100 Kinder besuchten in den 70er Jahren die Kindergottesdienste, betreut von rund 10 bis 15 Helfern. Bis 2011 musste die Gemeinde jedoch – neben dem Rückgang des Anteils evangelischer Bevölkerung – auch einen umfangreichen Stellenabbau verkraften: die zweite Pfarrstelle, die Stelle des Jugendleiters, Zivildienststellen und die Stelle der Gemeindeschwester.

Immer sparsam gewirtschaftet
2011 erstellte die Gemeinde auch eine Strukturanalyse: Waren 1980 noch circa 24 Prozent der Wohnbevölkerung evangelisch, waren es 1990 etwa 20 Prozent, im Jahr 2000 rund 15 Prozent und im Jahr 2010 waren es 12 Prozent. „Die beiden großen christlichen Kirchen stellen im Jahr 2010 wenig mehr als 50 Prozent der Wohnbevölkerung im Stadtteil Buchheim“, konstatiert die Analyse. Die andere Hälfte verteilt sich im wesentlichen auf Menschen ohne Konfession und Menschen mit Migrationshintergrund. Positiv bilanziert der heutige Pfarrer, Dr. Rudolf Roosen, dass immer sparsam gewirtschaftet wurde und die Finanzlage stabil ist. Mit einem 50 Jahre alten Kirchenbau und einem über 20 Jahre alten Gemeindesaal, errichtet zu einer Zeit, als über eine Energiewende noch niemand ernsthaft nachdachte, steht die Neuordnung der Gebäude auf der „To-Do-Liste“ des Presbyteriums.

Evangelisch bleiben
„Das Presbyterium unserer Gemeinde hat sich immer schon dadurch ausgezeichnet, dass drängende Probleme offen benannt und beherzt angegangen worden sind. ‚Verschweigen und vertagen‘ oder ‚weitermachen, als wäre nichts geschehen‘ ist nicht unser Motto. Wir stellen uns den Realitäten.“ Diese Feststelllung lässt Dr. Roosen optimistisch in die Zukunft schauen, aber mit der Prämisse „evangelisch bleiben“. Die Breite und Vielfalt des Gemeindelebens, so Roosen, könne es nach dem Wegfall vieler hauptamtlicher Stellen nicht mehr geben, ehrenamtliche Arbeit wird das Gemeindeleben deshalb in Zukunft prägen. Pokerturniere oder Kochkurse sollen dennoch nicht im Gemeindehaus stattfinden, und der Reformationstag wird selbstverständlich am 31. Oktober gefeiert. Als Leuchtturmprojekt gestalten Kinder der evangelischen Kindertagesstätte einmal monatlich einen Familiengottesdienst.

Text: Annette v.Czarnowski
Foto(s): Professor Heinz Wedewardt