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„Der Kirchenkreis ist mir zum Segen geworden“

„Moretele“ sangen rund 80 Frauen und Männer aus fünf Chören, während der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland gemeinsam mit der Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, zwei ehemaligen Superintendenten sowie weiteren Pfarrern und Mitarbeitenden in die Christuskirche in Köln-Dellbrück einzog.

"Alle können hier ihre Talente entfalten"
„´Moretele` heißt soviel wie ´Der Kirchenkreis ist mir zum Segen geworden´“, übersetzte Synodalassessor Otmar Baumberger zur Begrüßung der etwa 300 Gäste. Unter dem Motto „Unterwegs im Geist der Gemeinschaft“ feierten sie am Pfingstmontag das 50-jährige Bestehen des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch. „Der Kirchenkreis kann uns zum Segen werden, weil hier alle ihre Talente entfalten können“, so Pfarrer Baumberger.

Chöre aus fünf Gemeinden gestalteten den Gottesdienst mit
Musikalisches Talent bewiesen die fünf Chöre aus den Kirchengemeinden Köln-Dellbrück/Holweide, Porz und Porz-Wahnheide, Bergisch Gladbach und Volberg-Forsbach-Rösrath. Unter der Leitung der drei Kantorinnen Mechthild Brand, Doris Röskenbleck und Susanne Rohland-Stahlke gaben sie gemeinsam moderne Gospel zum Besten und begleiteten die Gemeinde stimmgewaltig bei alten Pfingst-Chorälen wie „O komm du Geist der Wahrheit“. Musikalisch gestalteten den Gottesdienst außerdem Kreiskantor Thomas Wegst an der Orgel, Kantor Thomas Becker am Klavier und Marcel Wasseruhr am Schlagzeug.


Vor dem großen,  fünf Gemeinden umfassenden Chor, begrüßte Pfarrer Otmar Baumberger in "seiner" Kirche die zahlreichen Gottesdienstbesucher.
Präses ging auch auf NSU-Anschläge ein
Über den Geist des Pfingstfestes, das immer auch „ein konfessionsverbindender Reformationstag“ sei, predigte Präses Manfred Rekowski auf der biblischen Grundlage von Sacharja 4,6 : „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth“. Wer die aktuellen Weltnachrichten verfolge, müsse dies „wie ein Wort aus einer andern Welt“ empfinden. „Wie weit sind wir Menschen eigentlich gekommen mit Heer und mit Kraft, mit Macht und Gewalt? In Syrien, im Kongo, im Sudan, im Kalten Krieg und in Palästina?“, so die rhetorische Frage des Präses. Auch auf das Nagelbombenattentat vor zehn Jahren, dessen die Menschen zu Pfingsten in der nur wenige Kilometer entfernten Keupstraße gedachten, ging der Präses in seiner Predigt ein: „Wir haben durch den Terror der NSU gesehen, welche Wirkungen ein Ungeist zeitigt, der Menschen nach ethnischer Herkunft bewertet und sortiert.“ Wenn der „Geist der Gemeinschaft, der in allen Menschen Ebenbilder Gottes sieht, durch diesen Ungeist ersetzt wird, dann wird das Leben für Minderheiten zur Hölle.“


Präses Manfred Rekowski predigte über den "Geist der Gemeinschaft".
„Wer oder was regiert die Kirche?“
Das Bibelwort stelle aber auch sehr grundsätzliche Fragen: „Wer regiert die Welt? Wer gibt den Ton an? Wer lässt die Puppen tanzen?“ Aus deutscher Perspektive müsse die ehrliche Antwort lauten: „Es ist oft die Macht des Geldes, es sind die Börsen und Finanzmärkte, die internationalen Konzerne, es ist das Streben nach Gewinnmaximierung und Wachstum fast um jeden Preis.“ Und mit Blick auf Lebensstandard und Wirtschaftskraft in Deutschland müsse man zugeben: „Das wirkt zu unserem Vorteil. Schaut man auf die Wohlstandsverlierer in unserem Land und weltweit, dann spüren wir, dass andere dafür einen hohen Preis zahlen.“ Mit Blick auf die Kirche, frage er sich: „Wer oder was regiert die Kirche?“ Manches geschehe durch Gewohnheit, Routine, Tradition. Aber Ordnungen, Paragraphen und Gesetze, Aufgabenkritik oder Haushaltskonsolidierung reichten nicht: „Es wird nicht durch Sparen und nicht durch Sanieren geschehen. Gott spricht: Es soll durch meinen Geist geschehen.“

Konfessionsübergreifender Geist prägte die Grußworte
Das Motto „Unterwegs im Geist der Gemeinschaft“ war auch beim anschließenden Beisammensein auf dem sonnigen Platz des Gemeindehauses zu spüren. Superintendentin Andrea Vogel hatte alle Gäste im Namen des Kreissynodalvorstandes dazu eingeladen. Dass dieser Geist „konfessionsübergreifend wirkt“, wie der Präses während seiner Predigt betonte, zeigte sich vor allem bei den Grußworten: Gabriele Behr, Vorsitzende des Kreiskatholikenrates Rhein-Berg, gratulierte persönlich zum 50-jährigen Bestehen und richtete Grüße vom Kreisdechanten Norbert Hörter aus. Glückwünsche wurden auch aus dem katholischen Seelsorgebereich Dellbrück-Holweide und dem Dekanat Dünnwald überbracht und vom Stadtdechanten Monsignore Robert Kleine ausgerichtet. Einen noch intensiveren Dialog zwischen Kirche und Politik im rechtsrheinischen Köln wünschte sich Christian Joisten von der SPD. Da sein Großvater Pfarrer in Dünnwald war und er in Flittard aufwuchs, sei der Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch auch seine Heimat. Der evangelische Pfarrer Chistian Wernter, mit dem Fahrrad von der Quelle des Rheins zur Mündung unterwegs, freute sich, „eher zufällig in so ein schönes Fest geraten zu sein“, das zu den jazzigen Klängen von „Sax & String“ langsam ausklang.

Text: Martina Schönhals
Foto(s): Judith Tausendfreund/Erika Baumberger