Offiziell von ihrem Dienst für die Evangelische Kirche entpflichtet und in ihren Ruhestand entlassen wurde Pfarrerin Ute Grieger-Jäger durch den Vorsitzenden des Presbyteriums und Schulleiter der Ringschule in Frechen Manuel Busch, den Superintendenten Dr. Bernhard Seiger und Kirchmeister Lothar Ebert (von links).



„Das Wort Gottes ist kein Sahneschnittchen!“ – Abschiedsgottesdienst für Pfarrerin Ute Grieger-Jäger

„Nach fast 37 Jahren ist es doch wirklich mal Zeit, aufzuhören und den Acker – auch die Gleueler Kirche am „Hofacker“ – jemand anderem zu überlassen“, verabschiedete sich Pfarrerin Ute Grieger-Jäger am vergangenen Sonntag,  in der bis auf den letzten Platz gefüllten Hürther Martin-Luther-Kirche, von ihrer Gemeinde. Entpflichtet wurde sie durch das Presbyterium und den Superintendenten Dr. Bernhard Seiger, der die Grundstimmung auf beiden Seiten zusammenfasste: Dankbarkeit.

Ihre klare Sichtweise, die Fähigkeit zur klugen, vorausschauenden Planung und das große Engagement habe er an ihr und ihrer Arbeit für die Gemeinde geschätzt, erinnerte Dr. Bernhard Seiger und korrigierte die Anzahl ihrer Dienstjahre nach oben: „38,5 Jahren waren es inklusive Vikariat, um genau zu sein. 29 davon hast du gemeinsam mit deinem Mann hier in Hürth-Gleuel ausgefüllt.“ Ute Grieger-Jägers oft nüchterner, eindeutiger Blick auf die Dinge sorge auch für Reibung, erklärte der Superintendent weiter und hielt mit seinem Respekt und Achtung ihr gegenüber nicht hinterm Berg: „Hinter jeder ihrer Ideen stand grundsätzlich eine Entscheidung!“

„Kein Schmerz, nur Dankbarkeit”

Abschiedsschmerz ist kein Thema beim Start in den Neu-Ruhestand. „Ich bin einfach dankbar, bis 65+ gesund geblieben zu sein und durchgehalten zu haben“, freute sich Ute Grieger-Jäger. „Da ist kein Schmerz, nur Dankbarkeit. Ich genieße es, nicht unter Zeitdruck zu stehen und immer Neues überlegen und planen zu müssen. Gerade die Wiedervereinigung der beiden evangelischen Gleueler Gemeinden in den vergangenen Jahren hat viel Arbeit bedeutet.“

An Aufgaben mangelt es in Zukunft trotzdem nicht. Im Aktionsbündnis „Wir sind Hürther“, das sich für ein stärkeres Europa, gegenseitigen Respekt und Toleranz und gegen rechtsradikale Tendenzen einsetzt, engagiert sich die Pfarrerin a.D. weiterhin – ebenso wie in der Arbeit für Kinder und Jugendliche als Lesepatin. Die Aufgabe als geistliche Begleiterin ist ihr aber besonders wichtig. Ute Grieger-Jäger hat sich als Meditationslehrerin ausbilden lassen und bietet weiterhin Kurse im Haus der Stille in Rengsdorf an, dem Einkehr- und Meditationszentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland. Dem Haus der Stille kommt auch die Kollekte im Klingelbeutel zu Gute. „Ganz lassen, kann ich es nicht“, stellte sie fest. Die nächsten Jahre werden vermutlich nicht allzu ruhig.

„Unsere Arbeit ist Beziehungspflege“

Der herzliche Abschied von Freunden, Begleiterinnen und Begleitern, Kolleginnen und Kollegen und Gemeindemitgliedern in allen Altersstufen hat sie trotzdem sichtbar gerührt. In ihrer letzten Sonntagspredigt im Amt stellte Ute Grieger-Jäger mit Psalm 104,33 nochmal in den Mittelpunkt, was für sie das Losungswort ihres Lebens ist: „Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.“ Ihre beschriebene klare, realistische Haltung kam mit Blick auf die fast vier Jahrzehnte im Amt ebenfalls heraus: „Das Wort Gottes ist kein Sahneschnittchen. Da ist oft hartes Brot dabei.“
Dass die Gleueler weiterhin eine singende und lobende Gemeinde bleiben, wünscht sie sich. Und dass es ihren Kolleginnen und Kollegen künftig geschenkt wird, das „Zuviel“ auf ihren Schultern loszuwerden – das, was sie manchmal kaum schaffen können. „Ich wünsche mir eine Rückkehr zu viel mehr unserer Kernarbeit: Wir sind Theologen und Seelsorger. Unsere Arbeit ist nichts anderes als Beziehungspflege – aber dafür braucht es Zeit!“

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller