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Das WiNHaus International in Nippes öffnet seine Pforten

Miriam Haseleu, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Nippes, blieb bescheiden: „Wir stellen ja nur die Räume zur Verfügung, das Ganze lebt erst durch das Engagement der Menschen, die hier mitmachen.“ Immerhin hat die Gemeinde für die Flüchtlingsarbeit ein ganzes Haus in der Dormagener Straße zur Verfügung gestellt, das zuvor als Pfarrerswohnung diente.

WiNHaus International heißt es seit der Eröffnung Ende vergangener Woche. Die Abkürzung WiN steht für die Initiative „Willkommen in Nippes“, die seit rund eineinhalb Jahren die Neuankömmlinge im Stadtteil unterstützt und das neue Projekt zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde stemmt.

180 Quadratmeter für das Projekt der Initiative
Von Anfang an hatte die evangelische Kirchengemeinde zu den Kooperationspartnern der Initiative gehört, doch die räumlichen Möglichkeiten zum Beispiel in der OT Werkstattstraße der Gemeinde, wo sonntags von 15 bis 17 Uhr das „Café International“ für Geflüchtete geöffnet ist, sind naturgemäß begrenzt. Schließlich muss dort auch die „normale“ Jugendarbeit weiterlaufen. Deshalb sind die zusätzlichen Räume gleich um die Ecke hochwillkommen: Rund 180 Quadratmeter können Ehrenamtler und Geflüchtete im WiNHaus nutzen.

Überproportional viele geflüchtete Männer
Mittwochs, donnerstags und freitags in der Zeit von 17 bis 20 Uhr soll dort ein offener Treff angeboten werden: „In unserem Einzugsgebiet befinden sich zurzeit vier Unterkünfte für Geflüchtete, zwei Hotels sind mit Familien belegt, in der Turnhalle und im Wohnheim sind ausschließlich Männer untergebracht“, erzählte Christiane Lieser, die seit den Anfängen in der Willkommensinitiative mitarbeitet. Gerade für die Gruppe der jungen Männer seien solche Treffpunkte wichtig, aber selbstverständlich könne auch jeder andere hinzukommen. „Unsere Erfahrung mit dem Café International ist, dass etwa 80 Prozent der Besucher Geflüchtete sind, die übrigen sind Anwohner.“

Ein vielseitiges Angebot
Im „freiRaum“ können sich Ehrenamtler der Willkommensinitiative, Nachbarn und Geflüchtete auf Augenhöhe begegnen. (Frei)-Zeit miteinander zu verbringen und das gegenseitige Kennenlernen stehen dabei im Vordergrund. Aktive Mitglieder der Initiative werden dieses offene Angebot ehrenamtlich organisieren. Lieser schätzt, dass sie für diese Aufgaben auf einen „Pool“ von 25 Personen zurückgreifen kann, Freiwillige sind jederzeit willkommen. Daneben wird das WiNHaus selbstverständlich für weitere Angebote genutzt: Sprachunterricht findet dort statt, ein Frauencafé, ein Nähkurs und kreatives Spielen für die Pänz stehen auch schon auf dem Programm. „Wir würden auch gerne PC-Kurse anbieten, suchen dafür aber noch nach Leuten“, so Lieser.

Das Engagement der Ehrenamtler ist ungebrochen groß
Auf der kleinen Feier zur Eröffnung mit Essen, Trinken und Musik erzählten einige der Geflüchteten, die künftig das WiNHaus besuchen werden, von den Renovierungsarbeiten, vom gemeinsamen Wändestreichen und vom Regalaufbau. Vera Schöpfer von der Willkommensinitiative dagegen erinnerte an die „Rückschläge“ der vergangenen Monate, an die Kölner Silvesternacht etwa, die ein Nachlassen der Hilfsbereitschaft befürchten ließ. „Aber wir sind hartnäckig, wir sind kreativ, wir sind da“, betonte Schöpfer. Und auch Bezirksbürgermeister Bernd Schößler war uneingeschränkt begeistert vom WiNHaus-Projekt: „Nippes ist ja ohnehin der beste Bezirk, er hat Zoo und Flora. Aber auch Menschen, die sich engagieren. Das kann manchmal hart sein – aber es macht auch Spaß.“

Text: Hans-Willi Hermanns
Foto(s): Hans-Willi Hermanns