#beziehungsweise: Eine jüdisch-christliche Soiree

#beziehungsweise: Eine jüdisch-christliche Soiree

Initiative anlässlich des Gedenkjahrs „1700 Jahre jüdisches Leben in Köln und in Deutschland“

„321.koeln“ ist eine gemeinsame Initiative der katholischen und der evangelischen Kirche in Köln anlässlich des Gedenkjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Köln und in Deutschland“. „Die beiden Kirchen möchten hiermit einen Beitrag dazu leisten, in Kirche, Schule und Gesellschaft jüdisches Leben wahrzunehmen, kennenzulernen und sich für eine gute Nachbarschaft von nicht-jüdischen Menschen mit Menschen jüdischen Glaubens einzusetzen“, heißt es zum Auftakt.

Jahr 321

Die jüdische Geschichte in Köln geht urkundlich bis auf das Jahr 321 zurück und ist damit beinahe so alt wie die Geschichte Kölns. Die heutige Synagogen-Gemeinde Köln bezeichnet sich aufgrund dieser historischen Kontinuität selbst als „älteste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen“. Im Gedenkjahr werden Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens vielfältig und lebendig sichtbar.

#beziehungsweise am 31. Januar 2021

Am Sonntag, 31. Januar, treffen sich der Rabbiner Jechiel Brukner und der katholische Weihbischof Rolf Steinhäuser zu einem Gespräch, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln (ACK) einlädt. Titel ist „#beziehungsweise: Eine jüdisch-christliche Soiree“. Brukner und Steinhäuser sprechen über die Tiefe und Weite der jüdisch-christlichen Beziehung auf der Grundlage der Heiligen Schrift Israels und der Kirche. Wegen der Pandemie wird das Gespräch nur auf YouTube zu sehen. Den Link findet man auf www.321.koeln.

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen

Susanne Beuth, Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Mitte und Vorsitzende der ACK, kennt Steinhäuser und Brukner gut. Während eines Pressegesprächs über „321.koeln“ berichtete sie von der freundschaftlichen Beziehung, die beide miteinander pflegen. Beuth erinnerte daran, dass die hebräische Bibel und die Heilige Schrift mit der Schöpfung der Welt begännen. Thema sei aber auch, „wie wir gut miteinander leben können“.

Deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und Ausgrenzung

„Wir müssten doch eigentlich etwas gelernt haben aus der Zeit des Nationalsozialismus mit seinen Schrecken und aus dem neuen Miteinander, aber leider müssen auch heute noch Synagogen und jüdische Einrichtungen von der Polizei geschützt werden. Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger sind immer noch das Ziel von Verschwörungstheorien – jetzt gerade wieder aktuell in der Corona-Pandemie – und Ziel tätlicher Angriffe und des rechten Terrorismus.“ Der Stadtdechant weiter: „Leider ist auch der jahrhundertealte Antijudaismus der Kirchen weiter eine Quelle rassistisch begründeter antisemitischer Ressentiments. Diese traurige Realität ist für uns als christliche Kirchen in Köln ein weiterer Anlass – neben dem grundsätzlichen Anlass – das Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ aktiv mitzugestalten, um auch ein deutliches Zeichen der Solidarität zu setzen und ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und Ausgrenzung, auch und gerade in unserer Stadt.“

Angebote zur Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens

Dr. Martin Bock, Leiter der evangelischen Melanchthon Akademie, erinnerte daran, die die christlichen Kirchen in einer seltenen Einmütigkeit angesichts der Schuld gegenüber den Juden unterwegs seien im Willen zur christlich-jüdischen Zusammenarbeit. Im Gedenkjahr wolle man möglichst viele Angebote zur Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens machen. Die Melanchthon Akademie und die Karl-Rahner-Akademie, die evangelischen Synodalbeauftragten, die Schulreferate und das katholische Stadtdekanat seien dabei, das Programm auszuarbeiten.

Man habe auch alle Ortsgemeinden gefragt und Impulse zum Mitmachen gegeben. Viele Termine für das erste Halbjahr würden feststehen. „Im Moment sind hauptsächlich die beiden Akademien, das Schulreferat und das Katholische Bildungswerk vertreten“, sagte Bock. Anmeldungen seien jetzt möglich. Coronabedingt würden alle Veranstaltungen online stattfinden.

Plakataktion

Der Akademieleiter wies auf eine Plakataktion hin, die auch zu der ökumenischen Initiative gehört: „Die Juden und Christen gemeinsame Bibel hat zwei ,Ausgänge‘ – einen, der in das jüdische Festjahr führt, und einen zweiten, aus dem sich im Zusammenspiel von beiden Testamenten die christlichen Feste entwickelt haben. Verwandtschaft und jeweilige Eigenarten gehören zu dieser Beziehung hinzu.“

Hier taucht auch das #beziehungsweise wieder auf: Da heißt es etwa „Im ‚Anfang war das Wort: B’reschit beziehungsweise Anfang“ und „Frei von Sklaverei und Tod: Pessach beziehungsweise Ostern“. „Beziehungsweise möchte niedrigschwellig die Beziehungen zwischen Christen und Juden auf den Punkt bringen und nutzt die Ebene der Feste“, ergänzte Bock.

Mitmachausstellungen

Weitere Mitmachmöglichkeit für Gemeinden und Schulen würde das Schulreferat zusammenstellen. Gedacht sei an Mitmachausstellungen, Besuche von Lern- und Gedenkorten. Aber auch das gegenseitige Kennenlernen der Kirchenmusik und der Kultur. „Das alles ist noch ausbaufähig“, richtete Bock den Blick in die zweite Jahreshälfte. Das Jubiläumsjahr beginnt im Februar offiziell. Von jüdischer Seite seien die Synagogengemeinde an der Roonstraße und die liberale Gemeinde in Riehl beteiligt. Auch die Christliche-Jüdische Gesellschaft und die Judaica arbeiten mit.

Jens Freiwald, Referent des Stadtdechanten, wies darauf hin, dass Schulen auf der Seite www.321.koeln viele Materialien zur Verfügung gestellt bekommen. Mitmachausstellungen seien Formate aus dem katholischen Schulpastoral. „Fast jedes Jahr haben eine Ausstellung zu einem bestimmten Thema.“ 2017 zu ersten Mal ökumenisch. „In der zweiten Jahreshälfte sind zu dem Vorbereitungsteam drei junge Leute aus dem Jugendzentrum der Synagoge gestoßen. Die haben viele Ideen und sind sehr engagiert.

Auch dieses Team plant alles digital und hofft, auch analog ausstellen zu können. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Domkapitels, des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region und der Gesellschaft für Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit wird sich mit antijüdischen Artefakten am Dom auseinandersetzen.

Wie sich das Programm entwickelt, welche Termine feststehen und alles Weitere erfahren Sie auf www.321.koeln.

Text: Stefan Rahmann/APK
Foto(s): Stefan Rahmann