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Berufen, um Brücken zu bauen: Almute Löber über ihren Weg ins Prädikantinnenamt

Prädikantin Almute Löber öffnet ein sehr persönliches Fenster auf ihren Glaubensweg – und erzählt, wie aus ihrem Engagement in der Gemeinde der Wunsch wuchs, selbst geistlich Verantwortung zu übernehmen und als Prädikantin Brücken zwischen biblischer Botschaft und heutiger Lebenswirklichkeit zu bauen.

Durch ihren facettenreichen Beruf als Dolmetscherin ist sie es gewohnt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, sie mit allen Sinnen wahrzunehmen und das Wahrgenommene in einer anderen Sprache mit ihrer Stimme, Intuition und Intonation wiederzugeben.

„Vieles von dem, was meine praktische Arbeit als Dolmetscherin ausmacht,
kann ich auf die Tätigkeit der Prädikantin – hauptsächlich beim Predigen und in der Gestaltung des Gottesdienstes – übertragen:
Ich fühle mich in das „Wort“ – die biblischen Texte – ein und versuche, sie in unsere heutige Sprache zu übertragen.“

Was hat Sie motiviert, den Weg zur Prädikantin einzuschlagen?

Almute Löber: Seit Januar 2021 bin ich Presbyterin der Evangelischen Gemeinde Köln und dadurch enger als zuvor in das Gemeindeleben – besonders an der Kartäuserkirche und der Lutherkirche – eingebunden. Sie erinnern sich: Das war mitten in der Coronazeit, in der alles anders laufen musste und wir lernten, Gottesdienste und Gemeindeleben den Gegebenheiten der Pandemie anzupassen. Es war auch eine Zeit, in der viel Unsicherheit herrschte, ob wir das Richtige taten. Viele Menschen waren sehr beunruhigt und auch einsam und suchten, wo es möglich war, den Austausch mit anderen. Manche fanden auch (wieder) Ruhe im Gebet und setzten sich mit ihrem eigenen Glauben auseinander. So ging es mir ebenfalls, und es wuchs in mir der Wunsch, in der Gemeinde nicht nur organisatorisch, sondern auch geistlich stärker mitzuwirken – zu lernen, das Evangelium selbst weiterzugeben, mit eigenen Gedanken, eigener Stimme und aus eigenem Herzen. Vorbild war für mich unter anderem Alida Pisu, die ich seit langem als sehr engagierte und präsente Prädikantin an der Lutherkirche erlebe.

Welche Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Leben oder Beruf helfen Ihnen besonders in Ihrer Tätigkeit als Prädikantin?

Almute Löber: Als Dolmetscherin bin ich es gewohnt, mich intensiv auf einen Einsatz vorzubereiten, indem ich die unterschiedlichsten Quellen verwende und versuche, die Sprache (im Sinne von Sprechweise und verwendeten Begriffen) und Botschaft der Rednerinnen und Redner bereits im Vorfeld einer Konferenz bestmöglich zu erfassen. Beim eigentlichen Dolmetschen geht es dann darum, aufmerksam zuzuhören, Zwischentöne wahrzunehmen und das Gehörte lebendig und verständlich so weiterzugeben, dass es dem bzw. der Vortragenden wie auch den Zuhörern gerecht wird. Beim Dolmetschen von einer Sprache in eine andere lässt sich allerdings nicht alles 1:1 übertragen; da gilt es zum Beispiel, Bilder, Sprichwörter oder Redewendungen, die in der Ausgangssprache eine bestimmte Bedeutung haben, aber in der Zielsprache nicht wörtlich verstanden werden können, so zu übertragen, dass diejenigen, die der Dolmetscherin zuhören, verstehen, was gemeint ist. Beim schriftlichen Übersetzen könnte ich da unter Umständen eine Fußnote schreiben – beim Simultandolmetschen muss mir schnell etwas Passendes einfallen. Je besser ich mich auf einen Redner oder eine Rednerin einstellen kann oder je häufiger ich sie oder ihn schon dolmetschen konnte, desto geschmeidiger wird das Zusammenwirken. Dann ist es wie ein Tanz: Der Redner oder die Rednerin führt und die Dolmetscherin geht alle „Tanzschritte“ und „Figuren“ mit. Vieles von dem, was meine praktische Arbeit als Dolmetscherin ausmacht, kann ich auf die Tätigkeit der Prädikantin – hauptsächlich beim Predigen und in der Gestaltung des Gottesdienstes – übertragen: Ich fühle mich in das „Wort“ – die biblischen Texte – ein und versuche, sie in unsere heutige Sprache zu übertragen. Hierbei gilt es auch (vor dem Hintergrund meiner eigenen Lebens- und Berufserfahrung) zu ergründen, was diese alten Texte uns heutzutage sagen können. Und wenn ich glaube, in den Gesichtern der Gemeindemitglieder „Fragezeichen“ wahrzunehmen, suche ich nach einer anderen Ausdrucksweise, einem anderen Beispiel, oder frage beim Kirchenkaffee nach, ob es vom Gottesdienst noch etwas gibt, dem wir nachspüren sollten.

Wenn Sie auf Ihre Ordination blicken: Was bedeutet Ihnen dieser Moment im Hinblick auf Ihren Glauben und Ihre Rolle in der Gemeinde?

Almute Löber: Die Ordination war für mich eine zutiefst bewegende Erfahrung. Ich habe sie als ein Innehalten zwischen Vergangenheit und Zukunft erlebt – als Zuspruch und Sendung zugleich. Während der Feier konnte ich jedes Wort, jede Geste und jedes Lied bewusst mit allen Sinnen aufnehmen. Es war, als strömte alles um mich herum: Licht, Musik, Segensworte. Die Momente der Segnung und der Voten wie auch der Anblick so vieler zugewandter Menschen, als ich mich nach der Ordinationszeremonie umdrehen durfte, sind für immer in mein Gedächtnis geschrieben. Mich erfüllt seither das Gefühl, ein Stück weit „angekommen“ zu sein, wohl wissend, dass ich diesen Weg weiter gehen darf – mit tiefer Dankbarkeit und der Gewissheit, von einer ganz besonderen Gemeinschaft und einer ganz besonderen Kraft getragen zu sein. Ich erlebe mein Prädikantenamt als Einladung, dazu beizutragen, dass das „Wort“ lebendig bleibt und Glaube immer wieder neu Fuß fassen kann, indem ich über Zeiten und Sprachveränderungen hinweg Brücken bauen und Menschen ermutigen kann, sich mit ihren Fragen, Zweifeln und Hoffnungen gesehen zu wissen.

Ordination von Almute Löber

Pfarrerin Susanne Beuth, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte, ordinierte Almute Löber im September in der Kartäuserkirche. Prädikantinnen und Prädikanten engagieren sich ehrenamtlich in evangelischen Kirchengemeinden und übernehmen dort verantwortungsvoll Aufgaben in der Wortverkündigung sowie der Sakramentsverwaltung. Eine zweijährige Ausbildung bereitet auf das Amt vor.

www.kartaeuserkirche-koeln.de

Text: APK
Foto(s): Fotos Ordination: Niki Siegenbruck