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Bericht von der Kreissynode Köln-Mitte: Flüchtlinge, Antisemitismus, Spardiskussion

54 Synodale begrüßte Superintendent Rolf Domning bei der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte im Haus der Evangelischen Kirche. Die Synode begann mit einem Abendmahlsgottesdienst, der von Christoph Rollbühler, Pfarrer an der Christuskirche, geleitet wurde.

In seiner Predigt forderte Rollbühler die Kirche auf, unberechenbar und unbequem zu sein. In Anlehnung an Thessalonicher 5.2 erinnerte der Pfarrer an die Urgemeinde, die "kein homogener Haufen war, sondern eine bunt zusammengewürfelte Truppe". Voller Ungeduld, wann denn nun der Tag des Herrn komme. "Wie ein Dieb in der Nacht", heißt es in dem Bibeltext. Also nicht erwartbar und eben unberechenbar. "Jetzt warten wir seit 2000 Jahren. Das Warten gehört zur christlichen Grundexistenz." Daraus leitete Rollbühler ab, die Kirche müsse unberechenbar und gleichzeitig verlässlich sein: "Wir müssen anders handeln, als erwartet wird. Wir müssen unbequeme Fragen stellen und unbequeme Antworten geben. Wir sind Kinder des Lichts. Das heißt nicht helle Sonne. Das heißt klare Sicht." Die Kollekte am Ende des Gottesdienstes ging an das Projekt agisra e.V. (Informations- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen).

Kritik an Gedenkkultur früherer Jahre
Mit einem Taufspruch seiner eigenen Familie begann Pfarrer Rolf Domning, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Mitte, seinen Jahresbericht: "Seid getreu bis an den Tod, so will ich Dir die Krone des ewigen Lebens geben." Mit diesen und ähnlichen Bibelworten seien Soldaten in die beiden Weltkriege gezogen. Domning übte Kritik an der Gedenkkultur früherer Jahre: "Vaterlandstreue, Kaisertreue, Führertreue, macht das den Tod der nächsten und liebsten Angehörigen leichter zu ertragen? Kann es ein Trost sein, die Treue zu Christus mit der Treue zu weltlichen Führern gleichzusetzen, die Machtinteressen folgten und im Zuge wahnhafter Allmachtsphantasien Millionen Menschen in den Tod trieben?" Das müsse anlässlich des heutigen Gedenkens kritisch kommentiert werden. Auch vor dem Hintergrund, dass die Kirche den Kriegsausbruch vor 100 Jahren und die darauf folgende „Augustbegeisterung“ mit großen Worten begleitet und die Opferbereitschaft der Menschen befeuert habe.

Schweigemarsch gegen Gräueltaten der Salafisten
Mit Scham müsse man zur Kenntnis nehmen, dass die Verknüpfung heiliger Bücher mit kriegstreibender und menschenfeindlicher Ideologie/Religion keine Erscheinung unserer Tage und kein Spezifikum islamischer Dschihadisten sei. Grundsätzlich gelte für Christinnen und Christen: "Er [Christus] ist der Sieger, der Erste, der den Tod überwunden hat, und der Letzte, der am Ende das letzte Wort behält." Domning wies hin auf den Kölner Schweigemarsch, der angesichts der Gräueltaten des IS spontan organisiert worden war. Viele Menschen seien von der Antoniterkirche zum Dom gegangen. Man solle sich aber vor Pauschalurteilen hüten. In Deutschland lebten vier Millionen Muslime, das Bundeskriminalamt halte 230 von ihnen für gewaltbereit: "Das Problem als solches ist ein Problem, und es wird uns weiterhin herausfordern. Aber es ist ein gemeinsames Problem." Domning appellierte daran, auch die Not, die Angst und die Ratlosigkeit in den muslimischen Familien und Verbänden zu sehen, die befürchteten, dass junge Menschen in die Fänge von Salafisten geraten könnten.

Offener Brief gegen Antisemitismus
Domning verurteilte scharf die Ausschreitungen von Rechtsradikalen und Hooligans, die vor kurzem die Polizei in Atem gehalten hatten: "Das, was wir da um Bahnhof und Dom herum mit einiger Fassungslosigkeit an Bildern und Äußerungen gewaltbereiter Fußballfans und kahlgeschorener Rechtsradikaler vorgeführt bekamen, das war wirklich unerträglich." Mit Hinweis auf die Barmer Theologische Erklärung erinnerte Domning daran, "dass der Staat ,in Androhung und Ausübung von Gewalt' für ,Recht und Frieden' zu sorgen hat". Unerträglich seien auch die antisemitischen Übergriffe in jüngster Zeit. Rolf Domning und Dr. Martin Bock, Leiter der evangelischen Melanchthon-Akademie, hatten vor kurzem einen öffentlichen Brief formuliert, in dem sie ihre Solidarität und Sorge darüber zum Ausdruck brachten, dass Menschen jüdischen Glaubens öffentlich angegriffen und beleidigt, mit antisemitischer Hetze und Gewalt konfrontiert werden.

Zur Situation der Flüchtlinge in Köln
Auch das aktuelle Problem der Flüchtlingsunterbringung in Köln war Thema des Jahresberichts. Die Herausforderung sei immens. Bei einer kürzlich abgehaltenen ökumenischen Pressekonferenz habe man bereits deutlich gemacht, dass es nach biblischem Verständnis "keine gesonderten Formen der sozialen Versorgung und des Wohnens mit abgesenkten Standard für Flüchtlinge geben darf." Superintendent Domning rief die Gemeinden des Kirchenkreises auf, Flüchtlingen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. "Wo können wir einen Beitrag für eine gute und hilfreiche Willkommenskultur leisten? Mit diesen Fragen stellt sich auch die Grundfrage unserer Glaubwürdigkeit."

Andreas Wener, Walter Classen, Pfarrerin Susanne Beuth (vorne), Pfarrer Klaus Peter Böttler, Superintendent Rolf Domning, Eva Bukow (2. Reihe), Pfarrer Uwe Rescheleit, Eva Sürth, Eva Hoffmann von Zedlitz, Joachim Morawietz, Pfarrerin Bettina Kurbjeweit (hinten)

Haushalt 2015 ist ausgeglichen
Der Haushalt des Kirchenkreises soll im kommenden Jahr mit Erträgen und Aufwendungen in Höhe von 555.000 Euro ausgeglichen gestaltet werden. Finanzkirchmeister Joachim Morawietz erläuterte die Zahlen. Die Aufwendungen seien in erster Linie Personalkosten. "Aus meiner Sicht ist der Haushalt solide und lässt uns einen gewissen Handlungsspielraum. Eine Rücklagenentnahme ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nötig."

Anträge gegen Sparpläne der Landeskirche
Mit zwei Anträgen an die Landessynode wandten sich die Synodalen gegen Sparpläne der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die sehen vor, dass es in der Jugendarbeit und beim Arbeitslosenfonds zu erheblichen Kürzungen kommen soll. Beides lehnten die Synodalen in dieser Form ab. Gefordert wurde vielmehr eine differenzierte Betrachtung: "Wenn wir als Kirche bei der Jugendarbeit 300.000 Euro streichen, verlieren wir Drittmittel in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Das muss man bedenken", sagte Andreas Wener vom Kreissynodalvorstand in Richtung von Bernd Baucks, Mitglied der rheinischen Kirchenleitung. Der entgegnete, dass die Sparvorschläge noch diskutiert würden und man weiterhin Argumente aller Beteiligten sammele. Den Sparplänen beim Arbeitslosenfonds setzte die Synode in ihrem Antrag an die Landessynode entgegen, dass weiterhin Geld für "Beratungsstellen, Innovationen und Strukturanpassungen" zur Verfügung stehen müsse.

In Kürze
Weiter verfolgt wird die Zusammenführung der Verwaltungen der Kirchenkreise Köln-Mitte und Köln-Süd. Die Synode ermächtigte den Kreissynodalvorstand, die Beschlüsse zur Festlegung eines Standortes für die Verwaltung und die Anmietung einer Immobilie zu fassen.

Pfarrerin Dr. Anna Quast stellte das Projekt CASM (Comission de Acción Social Menonita) aus Honduras vor. Dort wird sozialdiakonische Arbeit von verschiedenen Organisationen geleistet. In den Presbyterien der Gemeinden des Kirchenkreises Köln-Mitte wird in den kommenden Monaten besprochen, ob die CASM mit Geldern und sonstigen Hilfen unterstützt wird.

Stichwort: Kirchenkreis Köln-Mitte
Der evangelische Kirchenkreis Köln-Mitte setzt sich aus den sechs Gemeinden Köln, Riehl, Nippes, Lindenthal, Klettenberg und Deutz/Poll zusammen. Das „Parlament“ des Kirchenkreises ist die Kreissynode. Ihr gehören im Kirchenkreis Köln-Mitte zurzeit 67 stimmberechtigte Vertreterinnen und Vertreter – Theologinnen, Theologen, und Laien – aus den sechs evangelischen Gemeinden an. Geleitet wird der Kirchenkreis Köln-Mitte von Superintendent Rolf Domning, gemeinsam mit dem Kreissynodalvorstand.

Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann