„Der Aufruf ,Zeig dein Gesicht für Moria‘ ist ein kleiner Beitrag von uns als Zivilgesellschaft, zu stoppen, was akut in den Flüchtlingslagern passiert“, fasst Pfarrer Christoph Rollbühler zusammen, was hinter der Aktion „Mundschutz ist kein Maulkorb“ steht.



Bei Einbruch der Dunkelheit: Mahnmal für Moria

Über 100 Gesichter sind noch bis einschließlich Samstag ab Sonnenuntergang an der Außenwand der Christuskirche am Kölner Stadtgarten zu sehen. An der Online-Demonstration als Zeichen der Solidarität mit den Geflüchteten im griechischen Lager Moria, rief der Bezirk ChristusThomaskirche im Mai auf. Der daraus entstandene Film aus Video- und Fotoeinsendungen ist ein Appell, der die Bundesregierung und die Entscheidungsträger der EU zum Handeln auffordert.

Mundschutz ist kein Maulkorb!

„Wir saßen im Team an unseren Tischen, selbst so weit in Sicherheit wie man gerade sein kann, und entschlossen uns, nicht länger nur zuzusehen, was mit den Menschen in Moria passiert“, erklärt Pfarrer Christoph Rollbühler den Hintergrund der Aktion. Sein Kollege Tim Lahr ergänzt: „Wir wollten wirklich jemanden und etwas erreichen – und haben die über 100 gesammelten Statements nun an die Bundesregierung und andere zuständige Stellen geschickt.“

Gefolgt sind dem Aufruf Konfirmanden, Nachbarn, und Mitglieder der Gemeinden, aber auch völlig unbekannte Menschen aus ganz Deutschland, die sich engagierten. „Die Aktion bekam dadurch für uns einen ganz besonderen Charme aus „bekannt“ und „fremd““, sagt Rollbühler. In Kooperation mit dem Kölner Flüchtlingsrat zeigt das Team – außerdem bestehend aus Diakonin Franziska Froböse, Kirchenmusiker Julian Gerst, und der Ehrenamtlichen Henriette Terpe – Flagge. „Dein Gesicht für Moria“ wird seit dem Weltflüchtlingstag am vergangenen Samstag– tonlos – eine Woche lang jeden Abend ab Einbruch der Dunkelheit als Video-Installation an die Wand der Christuskirche am Dorothee-Sölle-Platz geworfen.

Dein Gesicht für Moria

v.l.n.r.: Henriette Terpe (Ehrenamtliche), Kirchenmusiker Julian Gerst, Diakonin Franziska Froböse, Pfarrer Tim Lahr und Pfarrer Christoph Rollbühler.

Die Lage in den Flüchtlingslagern spitzt sich weiterhin zu, und während Menschen sich weltweit durch strenge Hygieneregeln vor dem Covid-19-Virus schützen, haben die Bewohner der Lage keinerlei Chance dazu. Gleichzeitig verschwindet die Problematik bei uns vor Ort wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein: „Wir sind dabei, wieder in den Alltag zu gehen, aber die Brisanz um die Geflüchteten im Mittelmeerraum ist nicht weniger geworden. Ganz im Gegenteil“, sagt Pfarrer Rollbühler.

Das Team hat nicht vor, einfach zur Tagesordnung überzugehen, betont Tim Lahr nachdrücklich: „Wir lassen den Film erst einmal eine Woche lang als Installation bei Einbruch der Dunkelheit laufen. Aber gleichzeitig sammeln wir weiterhin Gesichter – und hoffen, dass wir es nicht lange müssen, weil sich etwas bewegt.“


„Moria“ ist ein seit November 2015 bestehendes und vielfach in den Medien aufgegriffenes Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos, nahe dem Dorf Moria. Hier leben größtenteils Menschen aus Afghanistan, aber auch Syrien, Irak, Iran und Afrika. Ausgelegt war es ursprünglich für 3.000 Menschen als Transitstation – nie als festes Camp, in dem mittlerweile 20.000 Menschen untergebracht sind. Damit ist es das größte Flüchtlingslager innerhalb der EU. Die Menschen dort leben in Zelten und Wellblechhütten. Es gibt bisher keine gemeinsame Lösung der EU und sie ist auch nicht in Sicht.

Informationen zur Aktion „Dein Gesicht für Moria“ finden Sie auf YouTube – https://www.youtube.com/watch?v=jK_SboQnqHc&t=20s – und auf unserer Facebook-Seite: https://www.facebook.com/christuskirche.mitten.im.leben/

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller