Superintendentin Andrea Vogel auf dem Hospiz- und Palliativtag 2018 in Köln



„Auch die Stille aushalten lernen“ – Hospiz- und Palliativtag 2018 in Köln

„Was Menschen am Ende ihres Lebens brauchen – kein leichtes Thema“, eröffnete Dr. Angelika Fürst vom Katholischen Bildungswerk Köln den Hospiz- und Palliativtag und stellte gleich zu Beginn fest: „Wir können und wollen keine Schwarz-Weiß-Lösungen anbieten.“ Ziel der gemeinsamen Hospizarbeit sei es vielmehr, ein Stück des Schreckens, die Unsicherheit und Ängste zu nehmen. Superintendentin Andrea Vogel warf ergänzend dazu einen Blick auf die oft hohen Anforderungen, die an ehrenamtliche Helfer, Fachkräfte und betroffene Angehörige gestellt werden. „Um für Sterbende da zu sein, braucht es viel: Geduld, Einfühlungsvermögen, Achtsamkeit und Offenheit sind erforderlich. Und Sie müssen auch die Stille aushalten können.“

Auf dem Hospiz- und Palliativtag Anfang Oktober im Kölner Domforum haben die Veranstalter so Aufklärungsarbeit geleistet, was Menschen am Lebensende am dringendsten benötigen. Zu der Veranstaltung mit dem Titel „Zwischen Angst und Hoffnung“ kamen rund 140 Besucher, um sich umfassend zu informieren und bei der Podiumsdiskussion mit anschließender Lesung dabei zu sein.

„Auch die Stille aushalten“
Wie schwer das sein kann, unterstrich Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes nochmals in ihrer Begrüßung. Dass die Themen Tod und Trauer mittlerweile in Form von Büchern und Gesprächen in KiTas und Schulen eingezogen seien, lobte sie nachdrücklich, betonte jedoch, dass ansonsten „noch Luft nach oben“ sei, offener mit diesem Lebensabschnitt umzugehen. Von dem persönlichen Einsatz und der Leistung durch die Mitarbeiter der ambulanten und stationären Dienste zeigte sie sich beeindruckt: „Schmerz, Trauer und Ängste können niemandem ganz abgenommen werden, aber Sie sprechen mit den Menschen und entlasten sie. Noch viel schwerer kann es aber sein, an der richtigen Stelle einfach mal den Mund zu halten und nur da zu sein“, schob sie trotz Augenzwinkern ernst nach und schloss damit ihren Beitrag.

Die Organisatoren selbst befanden die Veranstaltung für überaus gelungen, vor allem die abschließend von der Schauspielerin Anke Tegtmeyer vorgetragenen Gedichte Christa Gustsons. In ihnen hält die Autorin Erlebnisse und Stimmungen im Hospiz fest und verarbeitet Unvergessenes: „Es waren einfach ganz berührende Texte, unterstrichen von ebensolcher Musik – bewegend ist genau das richtige Wort dafür“, schilderte Gerhard Stolz von der Hospiz- und Palliativarbeitsgemeinschaft Köln seinen Eindruck einer „sehr runden Veranstaltung“. Für ihn ist es wichtig, den Blick für die Thematik grundsätzlich zu schärfen, auch das eigene Leben betreffend. „Was passiert denn, wenn ich selbst plötzlich nicht mehr so kann, wie ich will? Wir alle sollten frühzeitig darüber nachdenken, uns ein Netzwerk für den Notfall zu schaffen!“

Im kommenden Jahr wird der Hospiz- und Palliativtag Köln aufgrund von Umbauarbeiten nicht im Domforum stattfinden können. Informationen zum Ablauf im alternativen Veranstaltungsort in der Karl Rahner Akademie finden Sie rechtzeitig vorab auf unseren Seiten www.kirche-koeln.de

Hospizarbeit in Köln
Um alten oder schwerstkranken Menschen in ihrer letzten Lebenszeit zur Seite zu stehen, setzen sich in Köln unter anderem rund 450 Ehrenamtliche in 11 ambulanten Hospizdiensten ein. Ihre Arbeit in der häuslichen Umgebung wird ergänzt durch zwei spezialisierte Teams mit Hausärzten und Pflegediensten. In schweren Fällen übernehmen 5 Palliativstationen und 4 stationäre Hospize die Versorgung Sterbender.

 

Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller