Ambulanter Hospizdienst der Evangelischen Gemeinde Köln
Beate Meurer, Hospizdienst der Evangelischen Gemeinde Köln

Ambulanter Hospizdienst der Evangelischen Gemeinde Köln

„In der Kölner Innenstadt sind wir sehr bunt unterwegs. Entsprechend vielfältig sind auch unsere Begleitungen Sterbender und Trauernder“, sagt Beate Meurer, seit 2006 Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes für die Kölner Innenstadt. Natürlich sei die spirituelle Haltung zunächst eine christliche, so die Koordinatorin, jedoch werde die ehrenamtliche Hilfe unabhängig von Konfession, Nationalität oder Lebenssituation geleistet: „Uns ist es wichtig, offen, verlässlich, sensibel und menschlich zu handeln. Wir werten und verändern die Menschen nicht, sondern begleiten sie.“

Unterstützung für Sterbende und Trauernede – Diakoniespende 2020/2021

Der Ambulante Hospizdienst der Evangelischen Gemeinde Köln ist wie viele andere Hospizdienste in seiner Arbeit und der Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Spenden angewiesen. Er ist daher einer von sechs Hospizdiensten, die in diesem Jahr mit der Diakoniespende des Evangelischen Kirchenkreises unterstützt werden. Damit die Spenden verstärkt werden, verdoppelt der Evangelische Kirchenverband Köln und Region jeden gespendeten Cent bis zu einem Gesamtspendenaufkommen von 100.000 Euro. Hier können Sie direkt spenden.

Die ehrenamtlich Engagierten sind ebenso bunt wie die Kölner Innenstadt, aber: „Der Kern passt. Wir lassen uns stehen, wie wir sind. Wir gehen respektvoll miteinander um und tauschen uns aus.“ Dass die Arbeit in der Hospizbewegung den Blick nicht nur über diesen Austausch weitet, spüren viele Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler sehr schnell. In den Vorbereitungskursen erfahren die Teilnehmer eine Menge über sich selbst, überdenken die eigene Spiritualität oft ganz neu. Eine Frage stellen sich fast alle: Was hat dieser Dienst mit mir, Gott und der Welt zu tun? Beate Meurer zum Beispiel hat für sich erkannt: „Das Bewusstsein, sterblich zu sein, hilft mir, mich lebendig zu fühlen.“ Im Oktober vergangenen Jahres konnte einer dieser Kurse abgeschlossen werden, neu seit diesen Wochen ist die Möglichkeit, sich impfen zu lassen, um eine Begleitung mit etwas mehr Sicherheit durchführen zu können.

Angefangen hat die Arbeit der heute rund 50 Ehrenamtlichen mit dem Gedanken von Eva Esche, Pfarrerin an der Kölner Thomaskirche: „Da haben wir als Kirche einen Auftrag. Da müssen wir etwas tun.“ 2002, zur Zeit der Gründung des Dienstes für die Kölner Innenstadt, war Eva Esche im Vikariat, die Hospizbewegung gerade im Werden, auch in der Region Köln. In dieser Zeit wurde vielen Menschen an vielen Orten bewusst, dass Unterstützung für Sterbende und Trauernde wichtig ist, die Hospizarbeit entwickelte sich zu etwas, das wahrgenommen wurde.

Herzenswunsch von Professor Dr. Ingo Froböse

Dieses Wahrnehmen ist auch Professor Dr. Ingo Froböse, einer der diesjährigen Unterstützer der Diakoniespende, wichtig. Der Dozent für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Kölner Sporthochschule sagt: „Gerade die schwierigen letzten Jahre und Monate werden in unserer Gesellschaft immer noch zu stark verdrängt. Es gibt immer nur leuchtende Farben und positive Momente des Lebens, die primär in den Mittelpunkt rücken. Um Menschen in ihrer letzten Lebensphase die Aufmerksamkeit zu geben, die ich meist jenen Menschen gebe, die in der Blüte ihres Lebens stehen, unterstütze ich sehr gerne sämtliche Aktivitäten rund um das Hospiz und die Hospizdienste.“ Die dort geleistete Arbeit sei unendlich wichtig, ist Dr. Ingo Froböse überzeugt, weil sie Menschen in einer der schwierigsten Lebensphasen viel Zuwendung, Mut und Liebe gibt: „Und wenn ich hier eine kleine Unterstützung und einen kleinen Beitrag leisten kann, dann ist mir dies ein Herzenswunsch.“

Der Sportexperte blickt dabei auch auf persönliche Erfahrungen zurück. So berichtet er: „Ich habe meine Eltern in den letzten Monaten ihres Lebens jeweils individuell begleitet und weiß, was diese Nähe für alle Seiten bedeutet und wie wertvoll sie ist. Und im vorigen Jahr habe ich eine Veranstaltung im Hospiz in der Uniklinik gemach. Es war eine riesige Freude zu sehen, mit welch offenen Armen und glücklichen Augen mich die Menschen dort empfangen und begleitet haben. Das sind Momente, die nicht zu vergessen sind.“

Menschen aus der Trauer heraus wieder zurück zum Leben begleiten

Beate Meurer, die seit vielen Jahren als Hospizhelferin und Trauerbegleiterin Erfahrungen gesammelt hat, beschreibt Hospizarbeit so: „Wir begleiten vom Leben zum Sterben und dann aus der Trauer heraus wieder zurück zum Leben.“ Dazu gehört für sie ein Hinsehen, was der Begleitete braucht, aber auch das Finden einer gemeinsamen Sprache. Ein behutsamer Umgang mit den Menschen, die ja gerade in einer Notsituation sind, sei unerlässlich, um das gegebene Vorschussvertrauen nicht zu enttäuschen. Ihre Arbeit als Koordinatorin wird ab Ende März 2021 von Pfarrer David Borgardts, der eine halbe Stelle als Koordinator im Ambulanten Hospizdienst hat, unterstützt.

Für sein Engagement wurde der Ambulante Hospizdienst 2018 mit dem Ehrenamtspreis der Evangelischen Kirche im Rheinland ausgezeichnet und 2019 für den Deutschen Engagementpreis nominiert. In der Laudatio zum Ehrenamtspreis hieß es: „Sie sind da, wenn andere nicht mehr da sind. Sie weichen nicht aus.“ Beate Meurer erinnert sich deutlich an diese Worte aus der Festrede, denn noch immer hört sie oft von Menschen, denen sie von ihrer Arbeit erzählt: „Das könnte ich nicht.“ Dabei ist sie überzeugt, dass jeder die Befähigung hat, in schwierigen Situationen eben nicht auszuweichen, sondern da zu sein.

Hilfe durch Musik

Eine Besonderheit im Ambulanten Hospizdienst ist das Angebot einer Musiktherapeutin. „Da, wo Worte nicht angebracht sind oder nicht mehr funktionieren, kann Musik helfen“, hat die Koordinatorin beobachtet. Sie hat außerdem immer wieder festgestellt, dass es für Angehörige und Freunde wichtig ist, sich gut von den Sterbenden zu verabschieden. „Wenn das gelingt, trägt es ein Stück weit auch durch die Trauerphase. In den Zeiten der Corona-Pandemie wurde das bedauerlicherweise immer schwieriger bis unmöglich.“

Selbstverständlich findet sie es, zur Beerdigung zu gehen, um den verstorbenen Menschen ein letztes Mal wertzuschätzen. Einzelbegleitungen und ein Trauercafé helfen den Menschen, die zurückbleiben, sich verstanden zu fühlen. In den vergangenen Monaten kam es immer öfter vor, dass Beate Meurer nach einer Sterbebegleitung auch um eine Trauerbegleitung der Hinterbliebenen gebeten wurde. Möglich ist das in Einzelbegleitungen, aber dann setzt sie andere Ehrenamtliche ein. „Eine solche Geschichte muss neu geschrieben werden. Dabei ergeben sich ganz andere Gespräche und Ansätze der Hilfestellung.“

www.hospizdienst-koeln.de

Text: Katja Pohl
Foto(s): Mathias Pohl