Allerhand Alltagsgeschichten über selbstlose Hilfe

Diesmal gehts es bei  #allerhandalltagsgeschichten über das Thema „selbstlose Hilfe“.

„Ich selber,“ so Dieter Schwirschke, „halte mich für einen hilfsbereiten Menschen.“

Doch wie kann man anderen helfen, ohne diese zu bevormunden und ohne ihnen ein schlechtes Gefühl zu vermitteln?

Wie schaffen wir es, selbst in kniffeligen Alltagssituation selbstlos und ohne es zu hinterfragen zu helfen?
Was ein Briefumschlag und zwei kleine Mädchen genau mit diesem Thema zu tun haben, verrät  uns Pfarrer Schwirschke in einer spannenden Alltagsgeschichte über Glaube, Vertrauen und über die Selbstverständlichkeit, füreinander da zu sein!
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Hier der gesamte Beitrag zum Nachlesen:

Hallo, herzlich willkommen zu „ALLERHAND“-Alltagsgeschichten. Heute möchte ich gerne eine kleine Geschichte erzählen über einen Briefumschlag. Vor ein paar Jahren war ich in einer Gehörlosenschule und dort waren zwei Mädchen, die nebeneinander saßen, und ich beobachtete die beiden. Das erste Mädchen hatte einen Briefumschlag und auch ein Blatt Papier. Aber dieser Briefumschlag war schon etwas Besonderes. Innen drin war er nämlich mit einem Futter ausgekleidet, einem dünnen Futter. Dann faltete das Mädchen das Blatt Papier und wollte es in den Briefumschlag tun. Aber das Problem war, dass der Brief sich auffaltete und das Reinstecken nicht klappte. 34 Mal hat es das Mädchen probiert, aber es klappte nicht.

Das zweite Mädchen sah dies und sagte: „Schau doch bitte mal: Dieses Papier geht auseinander auf dieser Seite und deswegen hakt es auch. Wenn du das Papier einfach nach oben drehst, hat es jedoch nur eine Kante und du kannst es reinstecken. Das ist viel leichter.“ So nahm das erste Mädchen das Papier, drehte es um und steckte es beim ersten Mal schon in den Briefumschlag. Ich selbst beobachtete die beiden und dachte: Oh, wie toll hat das zweite Mädchen das gemacht. Es hat genau das Problem erkannt, wusste auch, wie man es lösen konnte und trotzdem hat es dem Mädchen nicht einfach beide Dinge weggenommen und wieder fertig gemacht zurückgegeben. Für sie hat sie es hier erklärt, das sich auffaltende Papier mit dem Umdrehen – und es ihr zurückgegeben, so dass sie es selbst machen konnte. Und sie hat es dann selbst geschafft und einen Erfolg verzeichnet.

Dieses Mädchen, das da geholfen hatte, werde ich niemals vergessen. Muss sagen: Respekt, ich habe viel von ihr gelernt. Sie hat mir gezeigt, was Helfen bedeutet. Ich selber halte mich für einen hilfsbereiten Menschen. Wenn ich jemanden sehe, der Hilfe braucht, dann gehe ich sofort hin und helfe ihm auch, selbstverständlich. Aber manchmal passiert es auch, dass ich ein bisschen übertreibe, dass ich für jemanden etwas mache, zu viel mache, sein Problem an mich nehme und es für ihn löse. Dieses Mädchen mit dem Briefumschlag hat es anders gemacht, hat genau geschaut: Was braucht sie? Manchmal ist nur eine kleine Hilfe nötig und jemand kann es selbst schaffen. Dieses Mädchen hat mir gezeigt: Helfen bedeutet zuallererst, sehr genau hinzusehen. Was braucht der andere wirklich, was schafft er aber auch selbst. Oft ist eine kleine Erklärung schon genug. Solche Unterstützung bedeutet eben auch, Respekt vor dem anderen zu haben.

Dieser Briefumschlag erinnert mich immer wieder an dieses Mädchen, das es so toll gemacht hat. Für mich, für meine Arbeit, für mein Leben, war das ganz wichtig – und ein gutes Beispiel. Sie war ein gutes Vorbild für mich.

Tschüss und bis zum nächsten Mal!