Dieter Schwirschke zum Thema Grenzen



Allerhand Alltagsgeschichten heute zum Thema: Grenzen

Und wieder einmal wird über Grenzen diskutiert…

Zwar nicht in unserem Land aber immerhin  in einer der größten Industrienationen der Welt.

Dieter Schwirschke fragt sich in ALLERHAND ALLTAGSGESCHICHTEN: wie hoch oder lang kann eine Mauer oder eine Grenzen sein, damit mein Nachbar mich nicht erreicht? Oder was passiert, wenn ein Mensch meine persönliche Grenze überschreitet? Brauchen wir Grenzen, Mauern und Zäune zwischen uns, damit wir friedlich miteinander leben können – oder ist grenzenlos gleich friedlich?

Von seinen persönlichen Grenzerfahrungen erzählt uns Pfarrer Dieter Schwirschke in ALLERHAND-Alltagsgeschichten für gehörlose Menschen in der Gebärdensprache.

Hier der gesamte Text zum Nachlesen:

Hallo und herzlich Willkommen bei ALLERHAND-Alltagsgeschichten!

Ich selbst bin aufgewachsen in einem kleinen Dorf nahe an der holländischen Grenze. Vor ein paar Wochen hatte ein Freund, der noch selbst in der Nähe des Dorfes wohnt, mich eingeladen. Ich hab ihn besucht und an einem Nachmittag sagte er zu mir: „Hör mal, wir beide könnten doch in ein Museum gehen“. Ich dachte wirklich, in das Museum hineingehen. Aber das Museum war ein „Draußen-Museum“, und was dort zu sehen war, zeigen wir hier.

Vielleicht fragt ihr mich jetzt, was das sein soll, man kann doch dort einen roten Pfahl sehen. Dieser Pfahl ist ein besonderer, denn er markiert den westlichsten Punkt von ganz Deutschland. Und auch die Grenze kann man sehen mit der roten Farbe. Hier ist Deutschland, da fängt Holland an. Und da ist eine Bank. Es ist witzig, wenn eine Person sich darauf setzt, dann sind die Füße in Deutschland, aber der Körper befindet sich in Holland.

Was es dort an Regeln gibt

Ich weiß noch, früher als ich (dort) aufgewachsen bin, da sah die Grenze anders aus. Mit einem Schlagbaum, einem Zollhäuschen, mit einer Person darin, die kontrollierte. Man konnte also nicht einfach die Grenzen überqueren. Heute ist es viel einfacher, und das ist gut so, dass man einfach rüber kann. Es gibt kaum Kontrollen, man braucht nicht warten. Ausweise zeigen brauchen wir in der Regel auch nicht. Aber klar, die Grenze ist schon da und ich selbst bin auch froh, dass es eine solche Grenze gibt, denn ich weiß sofort, dahinter beginnt ein neues Land mit einer neuen Kultur, neuen Gesetzen. Und auch wenn ich heute diese Grenze überquere, zeigt mir ein Schild an, was es dort für Regeln gibt, bitte pass auf sie auf und folge ihnen.

Es gibt Grenzen zwischen Ländern, aber ich meine, es gibt auch so etwas wie Grenzen zwischen Menschen. Oft ist es sehr schwer eine Grenze zwischen zwei Menschen zu sehen, aber sie ist trotzdem da. Zum Beispiel: Da ist meine Person und da ist die andere Person. Meine Regeln, seine Regeln. Meine Identität, seine Identität. Mein Verhalten und sein Verhalten.

Die linke Hand zeigt: Grenze überschritten

So gibt es eine Grenze zwischen Zweien. In der deutschen Gebärdensprache, da gibt es so etwas wie ein Gefühl für eine solche Grenze. Zum Beispiel in der Gebärde „sich treffen“. Da stoßen zwei Grenzen aneinander oder auch in der Gebärde „besuchen“. Die linke Hand zeigt an: Hier ist eine Grenze, die du überschreitest. Und diese Grenze, die sagt mir auch in der Gebärde: Wenn du dort hingehst, so pass auf, da ist ein anderer Mensch mit seinen Regeln, mit seiner Identität. Und wenn Du ihn besuchst, dann sei auch aufmerksam für das, was ihn ausmacht, welche Regeln gelten und die musst Du natürlich auch befolgen und respektieren.

So habe ich euch heute ein wenig über Grenzen erzählt und ich wünsche euch, wenn ihr Grenzen überquert, dass ihr viele gute Erfahrungen machen könnt: Grenzen in andere Länder hinein oder Grenzen zu anderen Menschen hin.

Tschüss und bis zum nächsten Mal.

 

 

 

Text: APK
Foto(s): Thorsten Levin