Allerhand Alltagsgeschichte über ein Gemälde



Allerhand Alltagsgeschichte über ein Gemälde

Diesmal betrachtet Dieter Schwirschke in #allerhandalltagsgeschichten ein Gemälde. Es ist ein besonderes Gemälde mit einer sehr speziellen Perspektive. Das alte Jahr geht zu Ende, wir haben viel erlebt und das Jahr war mal wieder voller Ereignisse. Das neue Jahr kündigt sich an und niemand von uns weiß, was es bringen wird. Wir alle haben Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchte. Doch werden diese auch erfüllt, wird das neue Jahr wirklich all unseren Hoffnungen gerecht werden? In Anbetracht des Bildes kommt Dieter Schwirschke zu einer ganz besonderen Erkenntnis und regt an, einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Wie er das macht, das verrät er uns bei #allerhandalltagsgeschichten.
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Hier der gesamte Beitrag zum Nachlesen:
Hallo und herzlich willkommen zu Allerhand Alltagsgeschichten! Jetzt in der Zeit des Jahreswechsels, wo das alte Jahr zu Ende geht und das neue Jahr beginnt, da denke ich sehr oft an ein Bild. Ich möchte es euch heute gerne erklären und zeigen, zunächst einmal möchte ich euch aber erzählen, wie es war, als ich es das erste mal gesehen habe. Dieses Bild hat ein deutscher Maler gemalt, er ist sehr berühmt und hat vor 200 Jahren gelebt. Er hat sehr viele Bilder gemalt und sein Name ist Caspar David Friedrich. Ich kenne viele seiner Bilder und so habe ich an einem Tag im Internet nach seinem Lebenslauf geschaut und dort war auch eine Liste seiner Werke. Die Bilder selbst konnte man nicht sehen, nur die Titel waren untereinander aufgeführt und wenn man nun ein Bild groß sehen wollte, musste man auf den Titel klicken und es erschien. So ging ich also die Liste durch, vieles war mir bekannt, ich stieß aber auf ein Bild, das ich nicht kannte. Ich war natürlich neugierig und wollte wissen, was sich dahinter verbarg. Der Titel ist „Blick aus dem Atelierfenster“. In seinem Haus hatte der Maler oben einen Raum, der nur dazu war dort seine Bilder zu malen. In dem Raum gab es ein Fenster und draußen, er wohnte in der Stadt Dresden ganz nahe am Fluss Elbe, da habe ich mir vorgestellt wenn er das malt, den Blick aus dem Fenster, wie kann das aussehen? Er wird wahrscheinlich ganz viele  hübsche Häuschen aus Dresden malen, mit den Kirchen, die kleinen Leute, hinter ihnen die Landschaft, so habe ich mir das vorgestellt. Und da war ich neugierig, ob meine Vorstellungen auch der Wahrheit entspricht, klickte also auf den Titel und das Bild erschien. Ich muss ehrlich sagen, ich war zunächst ein bisschen enttäuscht. Ich hatte mir vorgestellt, er wäre hingegangen, hätte das Fenster aufgemacht, hinausgeschaut, einen weiten Blick auf das geworfen, was vor ihm war, die Staffelei geholt und direkt losgelegt mit dem Malen – aber so hat er es nicht gemacht. Er öffnete das Fenster, ging dann ein paar Schritte zurück, bestimmt drei Meter, stellte die Staffelei neben sich und  malte von dort aus. Aber klar, auf dem Bild war jetzt nur noch Wand zu sehen, jedenfalls sehr viel Wand und das Fenster war nur noch ganz klein. Was draußen war, konnte man gar nicht richtig sehen. Vielleicht war da ein Schiff, denn man sieht noch ein wenig von dem Mast und den Seilen. Ich habe mich dann gefragt, warum er es ausgerechnet  so gemalt hat, nicht mit diesem Weitblick nach draußen, sondern mit dieser total engen Perspektive. Dann dachte ich mir, ich könnte mir vorstellen, dass der Maler sagen wollte, dass er so eine weite Perspektive auf sein Leben gar nicht hat. Wenn ich mein Leben anschaue, dann ist mein Blick darauf nur sehr beschränkt, sehr eingegrenzt. Deshalb finde ich, dass dieses Bild auch sehr gut für das neue Jahr passt, denn wir alle wissen ja nicht, was da auf uns wartet, wie unser Leben in der Zukunft aussieht. Ich habe auch viele Fragen: Werde ich gesund bleiben in diesem Jahr? Wird meine Arbeit gut verlaufen? Das  Zusammenleben mit der Familie, mit den Freunden, wird es gut sein? Diese weite Perspektive habe ich gar nicht mit Blick auf das neue Jahr, sie ist auch sehr begrenzt. Aber in diesem Bild, da gibt es dennoch so etwas wie Hoffnung. Ja, viel Mauer ringsherum und trotzdem ist auch Hoffnung da, zum Beispiel ist das Fenster ja nicht völlig zu, so, dass man gar nicht hinaus sehen kann. Die Luft von draußen strömt schon durch  das geöffnete Fenster, man kann sie riechen. Ja, man kann nicht alles sehen was draußen ist, dennoch sieht man einen Teil und kann erahnen, was dort draußen auf einen wartet. Und in diesem Bild hat der Maler auch seine eigene Hoffnung und seinen eigenen Glauben hinein gemalt.  Dort in dem geöffneten Fenster, das wie ein Spiegel wirkt, dort sieht man an der Seite ein Kreuz sich spiegeln und für den Maler war dies ein Zeichen seiner Hoffnung und seines Glaubens und er sagt, wenn ich an die Zukunft, wenn ich an draußen denke, dann ist für mich da auch Gott symbolisiert in dem Kreuz. Und wenn ich mir dieses Bild nun anschaue für das neue Jahr, dann weiß ich, dass ich  nicht vorausschauen kann aber dann ist auch für mich so etwas wie Hoffnung da, wie bei dem Maler. Und diese Hoffnung und dieser Glaube sagt, dass Gott für mich und für uns da ist.
Und so wünsche ich euch für das neue Jahr alles Gute und Gottes Segen. Tschüss und bis zum nächsten Mal!

Text: APK
Foto(s): APK