Alida Pisu erzählt in Blitzlicht, warum ihre Mutter putzen gehen musste…

Es gab sie schon immer, diese Krisenzeiten, die es zu bewältigen galt. Alida Pisu weiß davon zu erzählen, denn sie hat Armut und schlechte Zeiten selbst erfahren. Aber sie weiß auch von dem Frauenpower der alleinerziehenden Mütter zu berichten, die zusammengehalten und die Kinder gemeinsam großgezogen haben. Damals wie heute galt das Motto: Gemeinsam stark sein in der Krise. ,,Das waren lauter gestandene Frauen, die alle nicht viel hatten und deshalb putzen gingen.“ erinnert sich Pisu. ,,…Obwohl sie wenig Geld hatten, ließen die Frauen sich ihre gute Laune nicht nehmen.“ Pisu denkt oft an diese Zeit zurück und daran, wie es wohl den heutigen Frauen ergeht… wird es auch für sie immer reichen? Werden auch sie gemeinsam stark durch die Krise gehen können? In Blitzlicht erzählt sie uns von damals, von ihrer Kindheit und wie es für sie war, arm zu sein. Sie wünscht sich für die heutige Zeit viel Mut, Stärke und Zusammenhalt, genau wie damals…

Weitere Videos? Dann abonnieren Sie unseren Youtubekanal: www.youtube.com/kirchekoeln

 

Den Beitrag zum Nachlesen:

Es gibt immer und überall alleinerziehende Mütter und ihre Kinder, die wenig Geld haben. Als ich ein kleines Kind war, bin ich nachmittags oft zur Zeche Rheinpreußen gelaufen. Ursprünglich komme ich ja aus Duisburg und Rheinpreußen war Bergbau, dort wurde Steinkohle gefördert. Ich wusste ganz genau, wann die Putzkolonne, die die Büros putzte, ein Päuschen machte und bin dann dahin. Das waren lauter gestandene Frauen, die alle nicht viel hatten und deshalb putzen gingen. Eine davon war meine Oma, die geschieden war und sich etwas dazu verdienen musste. Obwohl sie wenig Geld hatten, ließen die Frauen sich ihre gute Laune nicht nehmen. Sie haben gelacht und getratscht und mich immer gefragt: „Kind, wie isset? Willse en Bütterchen oder en Stückchen Kuchen?“ Meine Oma hatte oft ihre „besten Reibekuchen der Welt“ mit dabei und alles wurde schwesterlich geteilt. Es hat mir immer Freude gemacht, in ihrer Runde zu sitzen und ihnen zuzuhören. All den Geschichten, die sie erzählten. „Wat meint ihr, wie ich gestern eingekocht hab. 10 kg Äpfel von unserm Baum. Und Erdbeermarmelade habe ich auch noch gemacht. Weil der Karl die doch so gerne isst. Dat war ne Arbeit.“ Oder: „Ich hab ja schon länger son Zwicken im Bauch. Iss aber nix Schlimmes, hat der Arzt gesagt. Hö ma Gerda, der Nusskuchen is ja sowat von lecker. Hasse da wat Nußlikör mit rein?“ Was man sich halt so erzählt. Die Ehe meiner Eltern hat nicht ewig gehalten und nach der Scheidung ist meine Mutter auch putzen gegangen, das Geld war knapp und sie musste zwei Kinder über die Runden bringen. Ich kann mich erinnern, dass einmal der Gerichtsvollzieher gekommen ist und einen Kuckuck auf den Wohnzimmerschrank geklebt hat. Wir hatten das Glück, dass Verwandte uns unterstützt haben und so konnten wir den Wohnzimmerschrank behalten. Ihr könnt euch vielleicht denken, dass an allem gespart werden musste. Samstags hat meine Oma mich oft mitgenommen zum Wochenmarkt. Dort hat sie bis kurz vor Schluss gewartet, weil dann das übrig gebliebene Obst und Gemüse billiger verkauft wurde. Ich habe mich immer auf die Pflaumenzeit gefreut, meine Oma hat Sonntags ihren leckeren Pflaumenkuchen gebacken. Ich sehe meine Oma noch vor mir, wie sie in der Küche sitzt, eine Plastikschüssel mit Pflaumen auf dem Schoß hat und eine Pflaume nach der anderen wurde entkernt. Und dann der Duft, der durch die Küche zog, wenn der Kuchen im Ofen war! Wir hatten nicht viel, aber es hat gereicht. Ich muss jetzt oft an die Mütter denken, die heute alleinerziehend sind, wenig haben und wünsche ihnen von Herzen, dass es für sie und ihre Kinder ebenfalls reicht.