Ute Grieger-Jäger

Ute Grieger-Jäger ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Hürth



5000 Jahre und kein bisschen leise – Ute Grieger-Jäger über das liturgische Läuten

Mit der Kampagne „Hörst Du nicht die Glocken?“ erinnern die evangelische und die römisch-katholische Kirche im Jahr 20018 an ihr gemeinsam klingendes Erbe. Das Läuten der Glocken ist über Jahrhunderte hinweg Teil der christlichen Kultur in Deutschland und in Europa. Denn Glocken gehören zusammen mit der Orgel schon seit dem frühen Christentum zu den „Musikinstrumenten“ der Kirche. Ihre Bestimmung ist einladend und verkündigend. Über das liturgische Läuten hat Ute Grieger-Jäger, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Hürth, einen Beitrag verfasst:

„Zentrale Bedeutung haben die Glocken im Zusammenhang mit den Gottesdiensten der Gemeinde. Das Kirchenjahr und die Gottesdienste bieten vielfältige Möglichkeiten, Glocken tönen, ertönen zu lassen. Unsere Gottesdienste an den Sonntagen und den Festtagen des Kirchenjahres ermöglichen eine sehr differenzierte Nutzung der Glocken. Ihre einladende Funktion kann sich auf die Feier des ganzen Gottesdienstes beziehen oder sie können auch auf einzelne Vorgänge des gottesdienstlichen Geschehens hinweisen.

Sich zuhörend verbunden wissen
So erklingt zum Beispiel die Vaterunser Glocke in der Regel dann, wenn die Gemeinde im Gottesdienst dieses Gebet spricht. So sind auch die Menschen, die nicht am Gottesdienst teilnehmen können, dazu eingeladen, die Zeit des Geläuts wahrnehmen, zum eigenen Innehalten, Stillesein, zum Gebet und können sich somit betend verbunden wissen.

Das Einläuten des Sonntages am Samstagabend ist in vielen Gemeinden üblich und weist bereits auf die gottesdienstliche Feier am Sonntagmorgen hin. Der Sonntag selbst erinnert immer wieder neu an das Ostergeschehen, die Auferstehung Jesu. Und die Glocken verkündigen damit, der Tod hat doch nicht das letzte Wort im Leben und alles, was uns das Leben verdunkeln will. Jesus Christus ist das Licht der Welt. Nicht umsonst tragen viele Glocken genau diese Inschrift und rufen die Botschaft in die Welt.

Angelusläuten versus Hektik
Auch an den Wochentagen ertönen die Glocken unserer Kirchen und haben auch da eine Botschaft. Dreimal am Tag ertönen sie: am Morgen, am Mittag um 12 Uhr und am Abend um 18 Uhr. Dies ist das sogenannte Angelusläuten. Auch hier laden die Glocken ein, für jeweils 2 bis 3 Minuten mal alle Arbeit, alle Betriebsamkeit zu unterbrechen, mal durchzuatmen, um nachzuspüren, was uns treibt und antreibt. Eine kleine Weile, eine Auszeit zum Besinnen, zum Wahrnehmen: Ich bin, ich lebe in der heilsamen Gegenwart Gottes. In dieser kleinen Weile vergewissere ich mich, im Gebet, dass Gott nahe ist.

Angelusläuten. Angelus – heißt Engel: Das sind die guten Mächte, so wie es im Gebet von Dietrich Bonhoeffer heißt: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, sind wir getrost, was kommen mag…“ In unseren evangelischen-reformatorischen Kirchenordnungen wird das Angelusläuten zu den Tagzeiten auch als eine Gebetseinladung pro pace verstanden, das heißt, für den Frieden in der Welt zu beten.

Akustisches Zeichen der Christenheit
Die Glocken unserer Kirchen, sie sind so seit Generationen ein verbindendes Kulturgut und jeder Generation anvertraut zu neuem Hören, zur festlichen Nutzung und zur Pflege. Sie geben den Hörenden die Freiheit, sich zu ihrer einladenden wie verkündigenden Wirkung zustimmend zu verhalten, aber auch ablehnend oder neutral. Das Läuten der Glocken lädt ein, mitten im Alltag die Gegenwart Gottes, die göttliche Realität zum Klingen zu bringen. Über Jahrhunderte hinweg ist es Teil der Kultur in Deutschland und ganz Europa und es ist das akustische Zeichen der Christenheit.“

Vormerken: Signal des Friedens

  • Freitag, 21. September
  • 18 Uhr bis 18.15 Uhr MEZ
  • Europaweites Glockenläuten zum Internationalen Friedenstag
  • Kirchliche und säkulare Glocken erklingen gemeinsam
  • EKD setzt sich für das Mitwirken evangelischer Gemeinden ein

Text: Ute Grieger-Jäger
Foto(s): Foto Schnitzler