You are currently viewing 50 Jahre Johann-Bugenhagen-Kirche in Kerpen-Blatzheim

50 Jahre Johann-Bugenhagen-Kirche in Kerpen-Blatzheim

Die Johann-Bugenhagen-Kirche in Kerpen-Blatzheim fällt schon durch ihr prägnantes Äußeres auf. Ihr Konstruktionsprinzip ist das Dreieck, sie erinnert nicht von ungefähr an ein Zelt.

Als kürzlich das 50-jährge Bestehen des Gotteshauses mit einem Festgottesdienst begangen wurde, verdeutlichte Pfarrer Dr. Bernhard Seiger, Superintendent des Kirchenkreises Köln-Süd, die Symbolik der Architektur in seiner Predigt mit einem Vers aus dem Hebräerbrief: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“, heißt es dort.

Die schwierige Suche nach Heimat
Dies, so der Superintendent, verweise nicht nur darauf, dass unsere Zeit auf Erden einen Anfang und ein Ende hat, sondern auch darauf, dass unsere Heimat nicht hier im Sichtbaren ist. „Auch in dieser Zeit sind wir unterwegs“, betonte Seiger. Dies mag so manchem auf Sicherheit, Verlässlichkeit und Gewohnheit bedachten Zeitgenossen nicht behagen, jedoch erführen nicht nur Menschen, die etwa aus beruflichen Gründen zu einem Wechsel des Wohnorts gezwungen seien, dies am eigenen Leib. Auf bedrückende Weise bezeuge derzeit das Schicksal all jener Menschen, die ihre Heimatländer aufgrund von Krieg und Unterdrückung verlassen mussten, die Aktualität der Bibelworte: „Wer hierbleiben kann, zumindest auf Zeit, hat einen mühsamen Weg des Lernens und der Integration vor sich“, führte Superintendent Seiger aus.

Protestanten aus Pommern suchten eine neue Heimat
Zahlreiche Gemeindeglieder sowie katholische Blatzheimer und Besucher aus den Nachbargemeinden, darunter politische Prominenz, waren der Einladung zum Festgottesdienst gefolgt, den die beiden Kerpener Pfarrerinnen, Dr. Yvonne Brunk und Almuth Koch-Torjuul, bei schönstem Wetter im Freien leiteten. Neben den nachdenklichen Worten des Superintendenten waren auch stimmungsvolle, freudige Lieder zu hören. Die passten gut zur Jubiläumsfeier: Schließlich ist die Blatzheimer Kirche auch ein Symbol dafür, dass mit ihrer Grundsteinlegung im März 1966, zumindest für einige Protestanten, ein unsicherer Weg zu Ende gegangen war.

Rund 600 evangelische Christinnen und Christen kamen nach Blatzheim
Denn – so ist in der Urkunde zur Grundsteinlegung festgehalten, die Pfarrerin Brunk verlas – die Gläubigen waren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge und Vertriebene aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße gekommen, „vornehmlich aus Pommern“. Rund 600 evangelische Christen kamen damals innerhalb weniger Jahre nach Kerpen. In Blatzheim, wo vor 1945 gerade einmal drei protestantische Familien lebten, waren sie zunächst in einem Wirtshaussaal untergebracht. In „De Tenk“ fanden ab 1949 auch evangelische Gottesdienste statt. Wenige Jahre später stellte die katholische Kirche den evangelischen Christen am Ort „in brüderlicher Hilfsbereitschaft“ zunächst im Getrudis-Stift, dann im neu erbauten katholischen Jugendheim würdigere Räumlichkeiten zur Verfügung.

Wunsch nach eigenem Gotteshaus wurde lauter
Dennoch wurde in der „regen Diasporagemeinde“ Blatzheim, die im Laufe der Jahre auf knapp 400 Mitglieder angewachsen war, der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus immer lauter. Am 16. März 1964 nahm das Presbyterium der Pfarrgemeinde Brüggen/Erft, zu der Blatzheim seinerzeit gehörte, den Entwurf des Kölner Architekten Helmut Wolfram für eine Kleinkirche an, die Platz für etwa 100 Gottesdienstbesucher bieten würde. Der Vorstand des Gemeindeverbands Evangelische Kirchengemeinden in Köln war einverstanden und bewilligte die veranschlagten Baukosten in Höhe von „ca. 270.000 Deutsche Mark“, wie in der Urkunde zur Grundsteinlegung nachzulesen ist.

Ein Theologe aus Pommern ist der Namensgeber der Kirche
Am ersten Adventsonntag des Jahres 1966 konnten die Blatzheimer Protestanten erstmals den Gottesdienst in ihrer neuen Kirche feiern. Ein Name war da schon gefunden: Johann-Bugenhagen-Kirche sollte sie heißen, laut Presbyteriumsbeschluss ausdrücklich „um bei den vorwiegend aus Pommern stammenden Gemeindemitgliedern die Erinnerung an die Heimat lebendig zu erhalten“. Denn Johann Bugenhagen (1485-1558), der auch Dr. Pomeranus oder Dr. Pommer genannt wurde, war ein evangelischer Theologe und Freund Martin Luthers, der sich besonders um die Reformation in Hamburg, Pommern und Dänemark verdient gemacht hatte. Er erstellte auch die erste evangelische Kirchenordnung und übersetzte 1533 die Bibel ins Plattdeutsche.

Der Bau korrespondiert mit dem Zusammenhalt der Gemeinde
Den Zusammenhalt der „Diasporagemeinde“ begünstigte Helmut Wolframs Gestaltung des Kircheninneren mit dem in der Mitte stehenden Altar, wie die auswärtigen Besucher des Festgottesdiensts bei einer Führung von Stadtarchivarin Susanne Harke-Schmidt durch die Kirche und den angrenzenden Gemeinderaum erfuhren. Da hatte das Fest schon begonnen, es gab Kaffee und süße Leckereien, für die Konfirmanden eine Ralley rund um die Kirche, Akkordeon-Musik sowie schwungvolle und bekannte Lieder zum Mitsingen vom evangelischen Kirchenchor unter der Leitung von Markus Michael.

Text: Hans-Willi Hermans
Foto(s): Hans-Willi Hermans