„3-2-1…Orgel“ – Ökumenisches Kirchenmusikfestival im September in Köln
Wolf-Rüdiger Spieler und Johannes Quack

„3-2-1…Orgel“ – Ökumenisches Kirchenmusikfestival im September in Köln

Es ist das elfte Mal, dass renommierte Kölner Kirchenmusiker zu einem großen Kirchenmusikfestival einladen. Die Zahl 11, bekanntlich für Kölner Karnevalisten eine beinahe “heilige“ Zahl, markiert für die Kölner Kirchenmusiker dabei jedoch nur einen weiteren Meilenstein einer über 20-jährigen Erfolgsgeschichte ihrer gemeinsamen Arbeit für die Kirchenmusikfestivals in Köln.

Zehn Tage – vom 9. bis 19. September – soll das Festival in diesem Jahr dauern. Es ist zeitlich etwas kompakter als die Vorgängerveranstaltungen angelegt und trägt damit der Corona-Pandemie ein Stück weit Rechnung. Der musikalischen Vielfalt und Qualität wird dies jedoch keinen Abbruch tun. Im Gegenteil: Es wird auch 2021 wieder viel Neues und bisher Ungehörtes zu entdecken geben.

Ökumenische Veranstalter

Das Festival präsentiert unter verschiedenen Schwerpunkten das umfangreiche Spektrum der Kölner Kirchenmusik von der gottesdienstlichen bis zur konzertanten und von der klassischen bis zur experimentellen Musik. Ideell und finanziell unterstützen der Evangelische Kirchenverband Köln und Region und das Katholische Stadtdekanat auch 2021 wieder das Kirchenmusikfestival in ökumenischer Verbundenheit. Die inhaltlichen Ideen, die künstlerische Konzeption, die umfangreiche Organisation und in vielen Fällen auch die Durchführung der Veranstaltungen liegt in den Händen des ökumenischen Kantorenkonvents. Für dieses Jahr engagieren sich acht Kölner Kirchenmusiker im Planungsteam: auf katholischer Seite sind es die Kantoren Matthias Haarmann (Köln-Nord), Regionalkantor Wilfried Kaets (Bickendorf), Vincent Heitzer (St. Aposteln), Meik Impekoven (Lindenthal) und Christoph Kuhlmann (St. Andreas). Für die evangelische Kirche sind Samuel Dobernecker, Kantor der Reformationskirche Bayenthal, Kreiskantor Johannes Quack von der Antoniterkirche und Wolf-Rüdiger Spieler, Programm- und Organisationsleiter der Trinitatiskirche, seit mehr als einem Jahr federführend dabei.

Ein besonderer Titel zum doppelten Jubiläum

2021 gibt es zwei herausragende Themen in den Blick zu nehmen. Einerseits wurde die Orgel zum Instrument des Jahres gewählt, nach dem Orgelbau und Orgelmusik von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt worden sind. Andererseits gilt es in diesem Jahr auch ein Jubiläum gemeinsam mit den jüdischen Mitbürgern in Köln zu begehen. Es liegt nun 1700 Jahre zurück, dass im Jahr 321 in einer konstantinischen Urkunde erstmals jüdisches Leben in Köln belegt wurde. Aus diesen beiden Themen entwickelten die acht Mitglieder des Kantorenkonvents schließlich den Festivaltitel „3-2-1 Orgel“ und führten damit beide Anlässe programmatisch zusammen.

Vielfältiges Programm

Das Festival wird gerahmt durch ein Eröffnungs- und ein Abschlusskonzert. Die Eröffnung findet am Donnerstag, 9. September, 19 Uhr, in der Evangelischen Reformationskirche in Bayenthal/Marienburg, Mehlemer Straße /Ecke Goethestraße, statt. Kantor Samuel Dobernecker spielt an der Peter-/Späth-Orgel „Jüdische Orgelmusik“. Komponisten wie Louis Lewandowski, David Nowakowsky, Hans Samuel, Arno Nadel und andere sind dann zu hören. Die Einführung und Moderation des Konzertes übernimmt Tina Frühauf. Der Eintritt kostet 10, ermäßigt 5 Euro.

Das Abschlusskonzert findet am Sonntag, 19. September, 18 Uhr, in der Trinitatiskirche am Filzengraben 4-6 statt. Der reger chor köln, die Sopranistin Lorraine Pudelko und Organistin Iris Rieg werden in der größten Kultur- und Konzertkirche Kölns Musik der Romantik und der frühen Moderne für Chor und Orgel präsentieren. Die Leitung hat Wolf-Rüdiger Spieler, der ein Programm – ebenfalls mit Werken einiger Komponisten, die jüdische Bezüge haben – ausgewählt hat. Auf dem Programm steht Musik von Charles Villiers Stanford, Felix Mendelssohn Bartholdy, Louis Lewandowski, Petr Eben und Zsoltán Kodály. Der Eintritt kostet einheitlich 10 Euro.

Jüdische Musik spielt auch während des Festivals eine große Rolle: So gibt es am Samstag, 18. September, 20 Uhr, eine große Stummfilmnacht in der Antoniterkirche an der Schildergasse, in der unter anderem Wilfried Kaets die Filme „Der Golem“ (ab 20.30 Uhr) und „Das alte Gesetz“ (ab 22.30 Uhr) an der Orgel vertont.

Andere außergewöhnliche Formate sind eine musikalische Stadtführung am 19. September, 13 bis 16 Uhr, Orgelemporen werden für Besucher geöffnet und es gibt zwei große Orgelnächte in Köln. Am Freitag, 10. September, öffnet die Kirche St. Severin ab 20 Uhr bis nach Mitternacht ihre Türen für fünf aufeinanderfolgende Orgelkonzerte. Diese werden unter anderem von Andreas Meisner (Altenberger Dom), Andreas Arand, Iris Rieg, George Warren und Gerd Schmidt an der Orgel – teilweise mit anderen Instrumenten – gestaltet.

Die zweite Orgelnacht findet an Kölns zweitgrößter Orgel in der Basilika St. Aposteln am Neumarkt statt. Ab 20 Uhr spielen Thomas Ross, Matthias Haarmann, Markus und Thomas Hinz und Meik Impekoven an der 80 Register großen Fischer&Krämer-Orgel. Die fünf Organisten werden zusammen mit zwei Percussionisten als „Ensemble 50 Finger“ auftreten. Der Eintritt kostet 16, ermäßigt 10 Euro.

Es wird zahlreiche Familienkonzerte, Orgelführungen für Kinder und Erwachsene am „Tag der Orgel“, 11. September, in verschiedenen Kölner Kirchen geben, außerdem eine „Orgelschnitzeljagd“ in der Antoniterkirche. Ebenfalls am Tag der Orgel, 11. September, gibt es unter dem Titel „3 x 3 am Nachmittag“ Kurz-Orgelkonzerte in Kölner Innenstadtkirche Groß St. Martin mit den Solisten Johannes Güdelhöfer, Lisa Gandin und Werner Rolef.

Auch die Orgelimprovisation nimmt einen breiten Platz im Festivalprogamm ein: Vor allem am Sonntag, 12. September, sind spontan kreierte Orgelwerke zum Beispiel in der Kirche St. Gereon ab 14.30 Uhr mit Vincent Heitzer nach Themenwünschen aus dem Publikum zu hören. Viele weitere Konzerte und musikalische Gottesdienste und Messen mit konzertanter Orgelmusik finden auch in den Kölner Vorort-Kirchen in Riehl, Ehrenfeld, Dellbrück, Lindenthal, Sülz und Wahn statt.

Viele Infos im Internet

Einen guten Überblick und Informationen zu allen Konzerten und Veranstaltungen bietet die Internetseite www.kirchenmusikfestIVal.de, auf der sich auch der Flyer herunterladen lässt. Plakate und Veranstaltungsübersichten liegen mittlerweile auch in vielen Kölner Kirchen aus. Eventuell durch Corona notwendige, kurzfristige Änderungen des Programms werden ebenfalls auf der Internetseite bekannt gemacht.

Text: Wolf-Rüdiger Spieler
Foto(s): Wolf-Rüdiger Spieler