v.l. Superintendent Markus Zimmermann, Prädikant Marcel Voldrich und Pfarrer Siegfried Kuttner



Festgottesdienst anlässlich der Ordination von Prädikant Marcel Voldrich in der Köln-Ehrenfelder Friedenskirche

„Heute feiern wir ein großes Fest, ein fröhliches Fest“, begrüßte Pfarrer Siegfried Kuttner die rund 120 Besuchenden des Festgottesdienstes in der Friedenskirche in Köln-Ehrenfeld. „Lieber Marcel, es ist geschafft“, wandte er sich an Marcel Voldrich. Zwei Jahre hat der 36-jährige Lehrer für Mathematik, Religion und Physik sich auf das Amt des Prädikanten in der Evangelischen Kirchengemeinde Ehrenfeld vorbereitet.

Nun wurde er in einem feierlichen, von der Ehrenfelder Kantorei anspruchsvoll mitgestalteten rund zweistündigen Gottesdienst von Pfarrer Markus Zimmermann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Nord, ordiniert. Beim anschließenden Empfang im Ernst-Flatow-Haus nahm Voldrich die Glückwünsche vieler Gemeindeglieder entgegen.

Über Marcel Voldrich

Voldrich habe in seiner zweijährigen Vorbereitungszeit gepredigt, getauft, Abendmahl gefeiert, beerdigt und auch den „Anderen Gottesdienst“ schätzen gelernt, sagte Kuttner. „Du bist festes Mitglied in unserem Presbyterium – mehr geht nicht“, so der Pfarrer, der Voldrich in dessen Zurüstung als Mentor begleitet hat. Geboren ist der Prädikant in Staßfurt, südlich von Magdeburg. Bereits als Jugendlicher wollte er Lehrer werden. Derzeit unterrichtet er an der IGIS – Integrierte Gesamtschule Innenstadt in Köln.

Verheiratet ist der Pädagoge mit Pfarrerin Ronja Voldrich. Mit ihren drei Kindern wohnen sie im Pfarrhaus an der Petri-Kirche im Gemeindebereich Quadrath-Ichendorf der Evangelischen Kirchengemeinde An der Erft. 2007 waren beide nach Köln-Bickendorf gezogen. Ronja absolvierte während ihres Studiums ein Praktikum in der benachbarten Evangelischen Kirchengemeinde Ehrenfeld. Ihre positiven Erfahrungen bewogen Marcel, sich in die Ehrenfelder Gemeinde umgemeinden zu lassen. Seine eigenen wiederum motivierten ihn, das ehrenamtliche Prädikantenamt anzustreben.

Er freut sich auf die vielschichtige Tätigkeit, darauf viele Menschen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Ich bleibe als Prädikant in meiner Ehrenfelder Gemeinde“, sagt Marcel Voldrich, dem es besonders wichtig ist, „nicht nur als Liturg da zu sein, sondern auch als Seelsorger“. Mit der örtlichen Trennung bestehe eine klare Abgrenzung zum Aufgabenbereich seiner Gattin.

Das Amt des Prädikanten

„Ja, wir haben allen Grund dankbar zu sein“, eröffnete Markus Zimmermann seine Ordinationsansprache. „Dankbar, dass wir hier alle versammelt sind.“ Dankbar auch für die, die in der Gemeinde ehren- oder hauptamtlich ihren Dienst versehen würden. Mit dem neuen Prädikanten Marcel Voldrich werde die Gemeinde nochmal bereichert. Er sei ein Mensch, der seine Freizeit damit verbringe, Gottesdienst vorzubereiten und zu gestalten. „Sie setzen sich jedes Mal aus“, beschrieb der Superintendent die stete Herausforderung, auf der Kanzel zu stehen.

Dabei sei er als Lehrer gewohnt, sich auszusetzen, jeden Tag in der Schule. Aber die jungen Menschen, mit denen er dort zu tun habe, kämen nicht freiwillig. „Es ist eine schöne Aufgabe zu begeistern für Mathe und Religion. Sie haben es raus“, attestierte er ihm große Begabung auch in der Verkündigung des Wortes Gottes. Zimmermann wünschte Voldrich, dass er das Vertrauen habe, dass Gott in ihm wirke. Bei der Predigt, aber auch in jeder Begegnung mit Menschen

Gottes Zusagen würden für jeden gelten. Es sei ein unglaubliches Geschenk an uns alle, an die Gemeinde, „dass wir die Wahrheit hören“. Dass wir als Menschen frei seien: „Wir sind viel, viel mehr, als andere und wir selbst von uns denken.“ Gott stehe zu uns, aus dieser Wahrheit lebten wir. „Das immer neu und immer wieder mit anderen Texten zu sagen, wird ihnen gelingen“, versicherte Zimmermann. Nicht, weil Voldrich klug sei, das sowieso, sondern weil Gott ihm das schenke: „Du, Marcel Voldrich, wirst das gut machen. Du stehst mit Deiner Person dahinter.“ Uns allen werde Gott immer wieder gute Gedanken dazu geben. Wir alle seien frei gesprochen durch Gott, hätten nichts zu befürchten.

Die befreiende Botschaft

Mathematik sei eine unglaublich faszinierende Dimension, spielte Zimmermann auf Voldrichs Beruf an. „Aber sie ist nicht die befreiende Wahrheit, von der wir hier sprechen.“ Und so wünschte der Superintendent ihm von Herzen, diese befreiende Botschaft immer wieder zu sagen. Er schloss mit dem Wunsch für die Gemeinde insgesamt, dass auch sie sich immer wieder begeistern lasse von der Wahrheit, die frei mache.

Zu den Ordinierten und Nichtordinierten, die den Superintendenten beim feierlichen Akt der Ordination assistierten, gehörte auch Ronja Voldrich. „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt bei Gott!“, richtete sie sich an ihren Mann. Die Gemeinde schmunzelte verständnisvoll, als beide mit einem leichten Kuss den Segensspruch besiegelten.

Die Predigt

Für seine Predigt hatte Voldrich Jesaja 54,10 gewählt. „Denn die Berge werden weichen und die Hügel wanken, aber meine Treue für dich wird nicht aufhören und der Bund meines Friedens wird nicht wanken, sagt, der dich liebt, der Herr.“ Seiner Auslegung stellte er das Motto „Wenn dein Kind dich morgen fragt…“ des Kirchentages 2005 in Hannover voran. „Was ist, wenn dein Kind dich morgen fragt?“, wandte er sich an die Gemeinde. Werde sein Wissensdurst befriedigt? Kinder, aber auch Erwachsene suchten nach Antworten.

Etwa auf die Frage, wie und weshalb Berge weichen und Hügel wanken könnten. Gebirge seien spannende. faszinierende Naturwunder. Überwältigend die Ausblicke von Gipfeln. Aber Berge könnten auch einengen, Licht aufhalten, Dunkelheit bringen. Von ihnen gingen ebenso Gefahren aus, nannte er Katastrophen wie Erdrutsche. Durch sie könnten Menschen ihre Heimat verlieren, ihr Leben.

Jesajas Botschaft

Jesaja kenne die Erfahrung, Heimat zu verlieren. Aber der Prophet mache Mut mit dem Hinweis auf das Kommen und Versprechen Gottes. Dessen Versprechen ermutige das Volk Israel, verwüstetes Land wieder aufzubauen. Wenn Voldrich das israelitische Schicksal mit Ereignissen und Zerstörungen unserer Zeit betrachtet, dann spürt er „genauso viele Zeichen wie einst die Israeliten in Babylon“. Wenn Menschen durch Naturkatastrophen, Krieg oder Gewalt ihr Zuhause verlieren würden, könnten sie im schlimmsten Fall den Glauben an das Gute verlieren. Andererseits könne man Vertrauen und Hoffnung auf eine positive Wendung spüren. Das Volk Israel erfahre die hoffnungsvolle Nachricht vom Propheten.

„Was hat das mit uns, mit mir zu tun?“, fragte Voldrich. Er erinnerte Ereignisse, die ihn zum Nachdenken gebracht, die ihn ängstlich und wütend gemacht hätten. „Erfahrungen, die einen den Boden unter den Füßen verlieren lassen.“ Das könne passieren, wenn der Grund, eine feste Burg fehle, „an die ich mich halten kann“. „Ganz klein sprießt Hoffnung auf, ein Vertrauen für mein Leben.“ Dabei falle vielen Menschen schwer, Hilfe in Anspruch zu nehmen, auf andere voll und ganz zu vertrauen. Aber dies sei notwendig. „So wie das Volk Israel glaubt, dass Gott es gut meint.“

„Die Treue, die versprochen wird, war schon immer da“, bekräftigte Voldrich. Und auf steinernen Wegen könnten beflügelnde Erinnerungen und Wegweiser helfen. Bei vielen Entschlüssen im Leben brauche man hilfsbereite Menschen und das von Gott gegebene Vertrauen. „Der Blick in die Zukunft und Vergangenheit ist notwendig, um Berge, die wanken, zu verstehen“, sprach Voldrich von dem Versprechen, das Gottes Treue uns immer und überall begleiten werde. „Gott hört sich unserer Fragen an, in den glücklichen und traurigen Momenten.“

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich