Vorher und Nachher – Erinnerungen an die Christuskirche



Vorher und Nachher – Erinnerungen an die Christuskirche

Nicht zuletzt an jene, die persönliche Erinnerungen mit der Christuskirche verbinden, richtet sich eine Ausstellung, die bis Sonntag, 15. September, täglich von 14 bis 18 Uhr im Gotteshaus an der Werderstraße 11 zu sehen ist. „Hunderte Gemeindeglieder sind in der Christuskirche getauft und in Festgottesdiensten konfirmiert worden, haben sich hier das Ja-Wort gegeben“, zählte Pfarrer Christoph Rollbühler bei der Eröffnung auf. „Hier fanden Frauen Zuflucht, die Gewalt ausgesetzt waren, Künstler konnten hier ihre Arbeiten zeigen.“ Sie alle sollen Gelegenheit zum Abschied haben, denn die Christuskirche soll bis auf Turm und Orgelempore niedergelegt und durch einen Neubau ersetzt werden.

Das Alte und das Neue
Der Titel der Ausstellung lautet „Die Christuskirche – von 1894 bis 2015“, denn auch auf das Kommende werden die Besucher vorbereitet. Neben sechs großformatigen historischen Fotografien, die teils das einst prächtige Innere aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, aber auch die Zerstörungen nach dem Bombenangriff von 1944 zeigen, sind auf zwei Aquarellen Ansichten des Neubaus mit den markanten fünfgeschossigen Flügeln abgebildet, in denen Raum für Mietwohnungen, Büros und das Gemeindezentrum entsteht. Gleichzeitig sind im Rahmen permanenter Power-Point-Präsentationen private Fotos zu sehen, die ebenfalls zum Teil aus der Kriegszeit stammen, sowie eine Animation mit Darstellungen des Neubaus. Erstellt wurde sie vom zwölfjährigen Konstantin Kruse.


Zerstörung durch Bomben
Sichtlich gerührt war Maria Wolf, die 80-Jährige erinnerte sich noch an den 20. April 1944. Als wieder die Sirenen losheulten, hatte ihr Vater abgewunken. „So jeck sind die nicht, dass die zweimal an einem Tag angreifen“. Doch es kam anders: Es war der Geburtstag Adolf Hitlers, und vielleicht spielte das eine Rolle bei der Entscheidung der Alliierten, erstmals einen Tagesangriff auf Köln zu wagen. „Mein Vater und ich konnten uns gerade noch in den Keller unseres Hauses in der Werderstraße flüchten“, erzählte Maria Wolf. „Meine Mutter und mein Bruder saßen im Bunker unter der Christuskirche fest.“ Es war der Tag, an dem die Kirche bis auf Turm und Orgelempore vollständig zerstört wurde. „Drei Stunden lang mussten die Soldaten arbeiten, um den Bunkereingang wieder freizulegen“, sagte die 80-jährige Katholikin, die heute immer noch in der Werderstraße wohnt.

Stadtplanerische Zeichen
Günter Leitner, als Stadtführer unter anderem für die AntoniterCityKirche tätig, sprach bei der Eröffnung wichtige Daten zur Christuskirche an. Sie wurde in den Jahren 1891 bis 1894 erbaut, als nach der Niederlegung der Stadtmauer die Grenzen der mittelalterlichen Stadt und der Beginn der Neustadt mit einer Reihe von Kirchenbauten hervorgehoben werden sollten. St. Maternus, St. Paul, Herz-Jesu und St. Michael verdanken ihre Entstehung dieser stadtplanerischen Zeichensetzung: „Aber am Stadtgarten sollte keine katholische Kirche gebaut werden. Der Kardinal winkte ab, wegen der Nähe zu St. Gereon“, erklärte Leitner. „Dafür wurde dann St. Agnes gebaut.“

Die erste Kirche aus evangelischen Mitteln
Das protestantische Patriziat ergriff die Chance und beauftragte den damaligen Diözesanbaumeister Heinrich Wiethase – ein Protestant -, in der Werderstraße das erste Kölner Gotteshaus zu errichten, das aus Mitteln der evangelischen Kirche finanziert wurde. Und zwar im seinerzeit für evangelische Kirchenbauten empfohlenen neogotischen Stil. Rund 1200 Sitzplätze hatte die Kirche, sichtbares Zeichen des Selbstbewusstseins war der 77 Meter hohe, heute denkmalgeschützte Turm: „Ein heiliger Wettstreit mit St. Agens, den die Christuskirche gewann“, so Leitner. Verbunden mit dem Namen Christuskirche ist der ihres Pfarrers Carl Jatho. Der bekennende Pantheist wurde 191 1 wegen seines abweichenden Religionsverständnisses des Amtes enthoben. Im Jahre 1928 gab Albert Schweitzer sein einziges Orgelkonzert im Kölner Raum an der Sauer-Orgel in der Christuskirche.

Es kommt immer anders


Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg drohte der vollständige Abriss, als Stadtplaner erwogen, den Hauptbahnhof auf das Gelände des Stadtgartens zu verlegen, um die Innenstadt von Verkehr zu entlasten. Wieder kam es anders und 1951 wurde ein schmuckloser Neubau für 520 Personen an den Turm angebaut. „Dabei handelte es sich aber nur um eine Hälfte, die andere sollte später gebaut werden“, sagte Leitner. „Dann fehlten aber die Mittel und auch die Gemeinde wurde kleiner.“

Am Ende, der Festgottesdienst
Im Rahmen der Festtage „Erlebtes erinnern – Neues leben“ ist die Ausstellung „Die Christuskirche – von 1894 bis 2015“ noch bis Sonntag, 15. September, täglich von 14 bis 18 Uhr im Gotteshaus an der Werderstraße 11 zu sehen. Nach einer Reihe von Lesungen, Konzerten und Führungen in dieser Woche enden die Festtage am Sonntag, 15. September, um 15 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Christuskirche.


www.christuskirche-mitten-im-leben.de


Text: Hans-Willi Hermans
Foto(s): Hugo Schmölz