Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Osternacht 2017 in der Trinitatiskirche mit Stadtsuperintendent Rolf Domning

Tradition und Ermutigung

16.04.2017

Karfreitag und Ostern sind seit Jahrhunderten zentrale Hochfeste des christlichen Kirchenjahres. Sie haben neben dem Weihnachtsfest stets ein besonderes Gewicht im Jahreskreis. So wurden in diesem Jahr von den 58 Gemeinden im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region eine beeindruckende Zahl von Gottesdiensten gefeiert: fast 400 evangelische Gottesdienste fanden in Köln, dem Erftkreis und dem Rheinisch-Bergischen Kreis über die Osterfeiertage zwischen Gründonnerstag und Ostermontag statt.

Unter der Leitung von Wolf-Rüdiger Spieler gestalteten die Solisten und Instrumenalisten die Osternacht unter anderem mit der Bachkantate "Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß" (BWV 134).

Die Feier der Osternacht nimmt dabei traditionell im Kanon der zahlreichen Gottesdienste und Andachten einen besonderen Platz ein. Sie bildet die Schnittstelle zwischen der am Karfreitag beginnenden Grabesruhe Christi und der österlichen Auferstehung und lebt von christlicher Symbolik und besonderer Kirchenmusik. So hatte am Karsamstag Stadtsuperintendent Rolf Domning zu nächtlicher Stunde in die Trinitatiskirche, den „protestantischen Dom von Köln“, zu einem besonders stimmungsvollen Abendmahlsgottesdienst eingeladen. Seit 2010 pflegt er diese Tradition und öffnet die Türen der zentralen Kulturkirche des Evangelischen Kirchenverbandes, um nach altkirchlicher Tradition die Osternacht zu feiern.

Das österliche Kerzenlicht und seine Wärme stehen für den auferstandenen Christus als das Licht der Welt und sind ein Sinnbild für den Sieg des Lebens über den Tod. Mit diesem jahrhundertealten Brauch begann dann auch die nächtliche Feier in der Stille der völlig dunklen Trinitatiskirche, als die brennende Osterkerze hineingetragen wurde. Die dabei vorgetragenen lateinischen und einstimmigen Gesänge stammen alle aus vorreformatorischer Zeit – im Jahr des 500. Reformationsjubiläums ein eindrucksvolles Symbol für die ökumenische Verbundenheit zwischen evangelischer und katholischer Kirche.

Nachdem das österliche Licht an die zahlreich erschienene Gemeinde verteilt worden war, tauchte das Feuer der zahlreichen Kerzen die dreischiffige Basilika in ein mildes, stimmungsvolles Licht. Nach den gregorianischen Gesängen von Kantor Wolfgang Klose übernahm Wolf-Rüdiger Spieler, selbst Kirchenmusiker und Programm- und Organisationsleiter an der Trinitatiskirche, die musikalische Leitung des Gottesdienstes am Orgelspieltisch und Dirigierpult. Neben verschiedenen österlichen Choralsätzen des 17. und 18. Jahrhunderts von Melchior Vulpius, Michael Praetorius und Johann Sebastian Bach, die jeweils auf die von Prädikant Michael Birgden vorgetragenen biblischen Lesungen zur Osternacht antworteten, stand eine Bach-Kantate im Mittelpunkt der liturgischen Musik.

Im Jahr des Reformationsjubiläums hatte Spieler die große Osterkantate „Ein Herz, das seinen Jesum lebend weiß“ BWV 134 ausgewählt. Johann Sebastian Bach hatte das Werk vor 293 Jahren in seiner frühen Leipziger Zeit für das Osterfest 1724 komponiert. Neben einem hochkarätig besetzten Barockorchester wirkten als Vokal- und Solo-Ensemble Kristina Pott, Katharina Georg, Wolfgang Klose und Joel Urch mit. Sänger und Instrumentalisten, die im Altarraum Aufstellung genommen hatten, überzeugten unter Spielers Dirigat durch frische Tempi, klare Artikulation, deklamatorisch klug gestaltete Rezitative und klangschöne Arien ganz im Sinne einer historisch-informierten Aufführungspraxis.

Traditionell bildet die Feier der Osternacht in der Trinitatiskirche auch den Rahmen für die Osterbotschaft des Stadtsuperintendenten. Selten, so Domning, sei Ostern so aktuell wie heutzutage, wo Gewalt Leben und Hoffnung zerstört, Existenzen zerbrechen und die Grundlagen des Lebens erschüttert. „Wir denken an Unfälle, an Kriege, ... an terroristische Anschläge ... Welch‘ ein Wahnsinn!“, zählte Domning auf und verglich die heutige Situation der großen, allgemeinen Unsicherheit in der Welt mit der, die Jesu Jünger nach der Kreuzigung erlebt hatten. „Die Osternacht ist ein Transitbereich, in dem der Tod und das Leben nebeneinander stehen“, führte der Stadtsuperintendent aus. Domning schloss mit der ermutigenden Feststellung: „Lassen Sie uns als Christen trotzig in Richtung Morgen blicken. Gegen die Angst, gegen Gewalterfahrungen. Machen wir uns als Christen auf in die Welt. Bereiten wir den Boden, auf dem andere Wirklichkeiten wachsen können. Ganz gewiss kein leichter Weg ... Aber im Gepäck Hoffnung und Zuversicht und göttliche Kraft.“

Die diesjährige Feier der Osternacht in der Trinitatiskirche bot – für die feiernde Gemeinde weitgehend unbemerkt – eine wichtige Neuerung: Erstmals wurde der Abendmahlsgottesdienst in voller Länge und live via Facebook übertragen und bot damit die Möglichkeit, weltweit über das Internet an der österlichen Feier teilzuhaben.

Hier geht es zum Video der Osterbotschaft von Stadtsuperintendent Rolf Domning: https://youtu.be/dfGAkiTljok



Text: APK
Foto(s): APK