Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Evangelischer Sportbeauftragter Valentin Schmidt ist gegen einen Olympia-Boykott, ebenso Paralympics-Teilnehmer Rainer Schmidt



22.04.2008

Der Sportbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Valentin Schmidt, hat sich gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in China ausgesprochen. "Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt, dass ein Boykott nie zu einer Veränderung der Menschenrechtssituation geführt hat", sagte Schmidt dem Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen. Er neige eher dazu, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die sich durch den Dialog im Vorfeld solcher Großereignisse ergäben, so Schmidt weiter.

Durch einen Boykott der Olympischen Spiele 2008 Peking werde "politisch nichts verändert", meinen viele - auch evangelische - Sport-Experten.
Dem Einfallsreichtum für Kritikmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt
Valentin Schmidt begrüßte einen Vorschlag der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann. Sie hatte angeregt, dass Ausländer durch das Tragen einer schwarzen Armbinde bei der Eröffnungsfeier Solidarität mit den Menschen zeigen könnten, deren Rechte in Tibet so grausam verletzt worden seien. Schmidt sagte, es gebe unterschiedliche Möglichkeiten für Aktionen: "Man sollte das nicht im Vorfeld zerreden, dem Einfallsreichtum sind da keine Grenzen gesetzt." Bilder von Protestaktionen bei den Olympischen Spielen gingen um die Welt und erzeugten auch mit Sicherheit eine Wirkung, betonte er. Auch die Medien könnten durch ihre Berichterstattung erheblich zu einer Bewusstseinsveränderung beitragen.

Durch einen Boykott wird "politisch nichts verändert"
Für deutliche Kritik an den politisch Verantwortlichen in China und gegen einen Boykott der Olympischen und Paralympischen Spiele in Peking hat sich auch der rheinische Pfarrer im Sonderdienst und sechsfache Paralympics-Teilnehmer im Tischtennis, Rainer Schmidt, ausgesprochen. Durch einen Boykott werde politisch nichts verändert, sagte Schmidt dem epd. Ein Abbruch der Beziehungen sei kaum wirksam. Dann solle man vielmehr Menschenrechtsverletzungen deutlich kritisieren. Der Theologe und derzeitige Weltranglisten Achte im Behinderten-Tischtennis sieht besonders Sportfunktionäre und Politiker, die während der Olympischen Spiele zu Gast in China sind, in der Pflicht zu einer Stellungnahme.

Chance für eine veränderte Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung
Bei den im Anschluss an die Olympischen Spiele im September stattfindenden Paralympics sieht der 43-jährige Spitzensportler eine Chance für eine veränderte Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung in China. "Menschen mit Behinderungen werden in China seltsam angeguckt, zuweilen sogar angefasst, weil man gar nicht fassen kann, wer denn da vor einem steht", fasst er seine Erfahrungen zusammen, die er im vergangenen Jahr bei der Teilnahme an einem Weltranglistenturnier in China gemacht hat. Zur Diskussion über den Umgang mit Behinderungen soll auch Schmidts Buch: "Lieber Arm ab als arm dran" beitragen, das zu den Olympischen Spielen ins Chinesische übersetzt wird. Seit seinem 12. Lebensjahr spielt "Ohnhänder" Rainer Schmidt, wie der aus Nümbrecht stammende Theologe sich selbst nennt, Tischtennis.

Schmidt arbeitet derzeit in Bonn als Dozent am Pädagogisch Theologischen Institut der Evangelischen Kirche im Rheinland im Arbeitsbereich Integrative Gemeindearbeit, zuvor war er Pfarrer zur Anstellung in der Evangelischen Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen. Bei Welt- und Europameisterschaften für Behinderte hat er 15 Titel gewonnen, 5 Medaillen gewann er bei den Paralympics, 1992 Gold im Einzelspiel, 2004 eine Silbermedaille.

Mehr zu Rainer Schmidts Argumentation hier .



Text: EKD und epd-west