"Mensch & Arbeit“: Die evangelische Förderinitiative für Menschen ohne Job in Bergisch Gladbach ist auf Erfolgskurs



Dieser Artikel wurde am 09.01.2007 veröffentlicht.
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09.01.2007

Als die „Ein-Euro-Jobs“ von Staats wegen "geboren" wurden, griff die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach diese Idee sofort auf. Die örtliche Agentur für Arbeit hatte die „Arbeitsgelegenheiten“ gegenüber Gnadenkirchen -Pfarrer Thomas Werner angeregt und war bei ihm und dem gesamten Presbyterium auf offene Ohren gestoßen. So kam es, dass die Kirchengemeinde „Mensch & Arbeit – Förderinitiative RheinBerg “ gründete, ihrerseits passender von „Förderjobs“ sprach, die Maßnahme örtlich im Q1 Jugend-Kulturzentrum unter den Fittichen Thomas Werners ansiedelte und beim Projektstart im Oktober 2004 gleich in die Vollen ging: mit zwei hauptamtlichen Projektleitern, einem Fachanleiter und 60 Teilnehmerplätzen, einer eigenen Poststelle und vielem mehr - eine echte Erfolgsgeschichte.


20 Menschen auf der Warteliste
Inzwischen ist das Projekt durch Engagement und Know-how der Beteiligten gewachsen: auf fünf hauptamtliche Kräfte und 143 Teilnehmer. „Und wir haben 20 auf der Warteliste“, sagt Thomas Maria Icking, der gemeinsam mit Elke Hauptmeier seit der ersten Stunde bei „Mensch&Arbeit“ für Organisation, Durchführung, konzeptionelle Planung und Teilnehmergespräche zuständig ist. Im Team arbeiten die beiden zusammen mit der Verwaltungsangestellten Andrea Klaus und den beiden Fachanleitern Andreas Guhl und Thomas Wilczewski. Die beiden letzteren sind für die Praxis verantwortlich, beide sind buchstäblich Meister ihres Berufs. Andreas Guhl steht als Garten- und Landschaftsbauer dem Mobilen Service vor, der sich vor allem um Arbeiten auf Außengeländen kümmert: Laub fegen, Schnee schippen, kleine Pflasterarbeiten erledigen, Kübel bepflanzen, Rasen mähen. Thomas Wilczewski., Schreiner, leitet den Technischen Dienst, zu dem handwerkliche Tätigkeiten und Reparaturen besonders in kirchlichen Bauten gehören: Die Palette reicht von Lautsprecher montieren über Bänke neu streichen bis hin zum Umgestalten der Kleiderkammer oder Anbringen von Regalen.

Von links nach rechts, das Haupt-Team: Elke Hauptmeier, Andreas Guhl, Klaus Maria Icking, Thomas Wilczewski.

Tätigkeiten, die sonst niemals in "Auftrag gegeben würden"
Ganz wichtig ist für die „Kooperation Arbeit und Soziales“ (ehemals Arbeitsamt) der Charakter aller Tätigkeiten: „Das sind alles Dinge, die nicht in Auftrag gegeben würden, weil entweder kein Geld dafür da ist oder aus Geringfügigkeit“, berichtet Thomas Wilczewski. Die Arbeiten, die die Förderjobler ausführen, blieben meistens liegen. Nie sah der Quirlsberg so gepflegt aus wie jetzt.
Die Einsatzbereiche der Förderjobler sind nicht nur im Gebiet der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach angesiedelt, sondern auch darüber hinaus. Sie sind im ganzen Gebiet der „Kooperation Arbeit und Soziales“ tätig. So absolvieren sie beispielsweise Arbeiten beim Tierschutzverein in Kürten, beim Kinderschutzbund in Bergisch Gladbach und beim Seniorenheim Wöllnerstift in Rösrath. Die Fahrtkosten zum Einsatzort übernimmt zu 80 Prozent „Mensch&Arbeit“, die restlichen 20 Prozent muss der Förderjobler selbst zahlen – von der Mehraufwandsentschädigung des einen Euro, den er pro Stunde erhält.

Wer sind die Förderjobler?
Icking erzählt, dass er Jugendliche ohne Ausbildung schon genauso in der Fördermaßnahme betreut habe wie den russland-deutschen Atomphysiker. Ihnen und allen anderen Teilnehmern gemeinsam ist, dass sie entweder über ein Jahr lang arbeitslos sind und damit als „langzeitarbeitslos“ gelten oder dass sie Arbeitslosengeld II beziehen. Die „Kooperation Arbeit und Soziales“ entscheidet darüber, wer bei „Mensch&Arbeit“ teilnehmen darf. Doch manchmal sprechen die Betroffenen aus eigener Initiative bei den Projektleitern vor, weil sie Gutes gehört haben. Laut Gesetzgeber wird die Dauer der Arbeitsgelegenheit nach dem Ermessen der Fallmanager befristet, meistens auf sechs bis zwölf Monate. Im Bereich der Bergisch Gladbacher „Kooperation Arbeit und Soziales“ beträgt die Regeldauer ein halbe Jahr. „Wenn es angemessen ist“, so Thomas Maria Icking, werde die Teilnahme um drei oder sechs Monate verlängert, in Ausnahmefällen sogar noch weiter.

„Jeder bringt Stärken mit“
Am Anfang steht bei „Mensch&Arbeit“ ein Gespräch, um für den Förderjobler eine Beschäftigung zu finden, die seinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht. „Wir arbeiten nicht Defizit orientiert, sondern Potential und Fähigkeiten orientiert“, betont der Sozialpädagoge. „Jeder bringt Stärken mit. Die versuchen wir herauszustellen.“ Bisweilen hilft eine Orientierungsphase in verschiedenen Einsatzbereichen oder die ein oder andere diagnostische Methode, um geeignete Berufsfelder aufzuspüren. An dieser Stelle setzt dann die Schulung und Qualifizierung an. Denn Aufgabe des Projektes ist es nicht nur, den Teilnehmern zu einer geregelten Arbeits- und Tagesstruktur zu verhelfen, sondern sie auch in Schlüsselqualifikationen zu trainieren. So können sich die Förderjobler bemühen, PC-Führerschein, Gesundheitszeugnis, Erste-Hilfe-Nachweis, Stapler-Führerschein oder Kettensäge-Schein zu bekommen. Es gibt fortbildende Exkursionen und Unterweisungen durch die beiden Meister und Bewerbungstrainings durch die Projektleitung. Nur die Sprachförderung, die von Alphabetisierung bis Deutschunterricht reicht, wird von externen Lehrkräften durchgeführt. Im Bereich des Mobilen Service fungieren manchmal sogar qualifizierte Förderjobler selbst als Lehrkräfte.

Feste Arbeitsstelle nicht ausgeschlossen
30 Stunden arbeitet der Förderjobler, um dafür am Monatsende die Mehraufwands-Pauschale von rund 120 Euro zu erhalten. In der Regel liegt die Arbeitszeit montags bis freitags von 7.30 bis 14 Uhr. Aber bei Weltmeisterschaft, Gemeindefesten, Seniorenkino oder anderen Gelegenheiten wird sie flexibel gestaltet. „Wir hoffen für alle, ihnen neue Perspektiven zu eröffnen und sie in feste Arbeitsverhältnisse zu bringen“, sagte Pfarrer Werner beim Start des Förderprojekts. Und so ist es für das gesamte Team stets ein Highlight, wenn Teilnehmer eine neue feste Arbeitsstelle finden. Etlichen ist das bereits gelungen, besonders im Evangelischen Krankenhaus in Bergisch Gladbach. Auch die kaufmännische Mitarbeiterin Andrea Klaus begann bei „Mensch&Arbeit“ als Förderjoblerin ihre Karriere.



Text: Ute Glaser
Foto(s): Glaser

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