Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Neu: Das Kölner Obdachlosen-Frühstück gibt es nun auch in Mülheim



25.07.2006

Sonntägliches Frühstück mit Akkordeon-Begleitung. Einladend gedeckte, Blumen geschmückte Tische. Der Duft von frischem Kaffee und Tee zieht durch die Luft. Knusprige Brötchen, süße Marmelade, herzhafter Aufschnitt, Eier, Obst und kalte Getränke stehen bereit. Das klingt nach Sich-gut-gehen-lassen, Entspannung, Sorglosigkeit. Weit weg scheinen Probleme wie Armut, Alleinsein und Obdachlosigkeit. Aber die rund vierzig Menschen, die am vorletzten Juli-Sonntag am Kölner Obdachlosen-Frühstück zum ersten Mal in den Räumen der Christlichen Sozialhilfe in Köln-Mülheim, Knauffstraße 1, teilnehmen, haben genau diese Probleme.


Von ehrenamtlich Mitarbeitenden betreut, fühlt sich mancher Gast des Kölner Obdachlosen-Frühstücks so gut aufgehoben, dass einer schon mal voller Erstaunen ausrief: "Das ist ja hier wie im Fünf-Sterne-Restaurant!"
"Vielleicht gibt es hier so ein Frühstück ja häufiger"
„Ich finde es gut und eine große Hilfe, dass ich hier kostenlos frühstücken kann“, sagt ein Hartz-IV-Empfänger und lässt sich ein Käsebrot schmecken. „Mir ist aber ebenso wichtig, dass ich hier Leute treffe, bekannte oder neue. Sonst trocknet man aus.“ Für sein Gegenüber - er spricht mit osteuropäischen Akzent - ist das Angebot ebenfalls eine willkommene Unterstützung. „Ich habe kein Geld. Und wenn man leben will, muss man essen. Vielleicht gibt es hier so ein Frühstück ja häufiger.“ Ja: Von nun an gibt es das Kölner Obdachlosenfrühstück in der Mülheimer Knauffstraße an jeden vorletzten Sonntag des Monats, immer von 9 bis 11 Uhr.

Frühstücken in Mülheim oder in der Südstadt
Initiiert von dem Kölner Verleger Dr. Peter Deubner, getragen von der Dr. Peter Deubner-Stiftung und rund vierzig ehrenamtlichen Mitarbeitenden, fand das Kölner Obdachlosen-Frühstück erstmals im Mai letzten Jahres im Vringstreff in der Südstadt (Im Ferkulum 42) statt. Seitdem wurde - und wird es – an zwei Sonntagen im Monat angeboten. Der Vringstreff ist eine Obdachlosen-Initiative, getragen unter anderem von den evangelischen und katholischen Kirchen rund um den Chlodwigplatz.

"Eine tolle Sache"
Die Idee für ein solches Frühstück in Köln kam Deubner bei einem touristischen Ausflug in Nürnberg. Ein Aushang in einer evangelischen Kirche machte ihn auf die dort von einer ökumenischen Initiative getragenen Einrichtung aufmerksam. „Ich habe mich erkundigt und fand das eine tolle Sache. Ich dachte, was in Nürnberg angenommen wird, muss auch hier gut laufen. Insbesondere, wenn wir uns anschauen, wie viel mehr Menschen in Köln obdachlos oder von anderen sozialen Problemen betroffen sind“, erläutert Deubner. Seine gleichnamige Stiftung engagiert sich bereits seit Jahren in der Obdachlosenarbeit. Neben der Mildtätigkeit hat sie sich einer zweiten Aufgabe verschrieben, der Förderung wissenschaftlicher, insbesondere kunstgeschichtlicher und archäologischer Projekte.

Ohne ehrenamtliche Hilfe würde gar nichts gehen
„Das Schöne an unserem Frühstück ist, dass so viele Ehrenamtliche mitarbeiten. Ohne sie geht es nicht“, verdeutlicht Deubner. Einige von ihnen engagieren sich auch bei der Weihnachtsfeier für Wohnungslose im Alten Wartesaal. Andere kommen von der Freiwilligen-Agentur, Diakonie oder Caritas. Wieder andere sind über Mundpropaganda zum Projekt gestoßen. Rund vierzig Frauen und Männer umfasst der Stamm. „Es gibt unter uns Studentinnen und Menschen, die über fünfzig sind“, informiert eine der Helferinnen über die Altersstruktur. Die Mitarbeitenden decken nicht nur liebevoll die Tische. Sie reichen an, schenken nach, räumen ab und - ganz wichtig - sie sorgen insgesamt für eine besondere Atmosphäre. Musikalische Beiträge inbegriffen. „Die Gäste genießen es, von uns bedient und betreut zu werden“, so einer der Mitarbeiter. „Das macht eine Qualität unseres Angebots aus.“ Darüber hinaus sei es entscheidend, „dass wir auch für Gespräche bereit stehen, ein offenes Ohr haben“.

Lust, selbst mitzuarbeiten?
Die Stiftung sucht noch weitere freiwillige Helferinnen und Helfer - Kontaktmöglichkeit siehe unten.

Bedarf und Kooperationsbereitschaft sind hoch
„Der Kontakt zu unseren Gästen, dass sie mit uns oder anderen ins Gespräch kommen, ist das Wichtigste“, unterstreicht Deubner. „Viele sind bedrückt, sind einsam, arbeitslos, haben große und kleine Sorgen, und darüber möchten, darüber müssen sie einfach mal reden.“ Dies haben er und die Mitarbeitenden bei den Obdachlosen-Frühstücken im Vringstreff intensiv erfahren. Dort zählen die Veranstalter regelmäßig bis zu 120 Menschen. Aufgrund des großen, steigenden Bedarfs, und weil zahlreiche der Gäste des Frühstücks im Vringstreff ohnehin von weit her kommen, zum Teil aus den rechtsrheinischen Stadtteilen, hat man das Angebot nun um ein regelmäßig Frühstück in Mülheim, jeweils am vorletzten Sonntag im Monat, erweitert. „Ich habe mit den Verantwortlichen von der Christlichen Sozialhilfe gesprochen, und sie waren - wie damals die Vringstreff-Leiterin - sofort bereit, Räume zur Verfügung zu stellen“, freut sich Deubner über die Kooperationsbereitschaft. Unterstützung erhalten er und die Mitarbeitenden unter anderem auch von der Kölner Tafel e.V. Sie beteiligt sich aus ihren Beständen an den einzelnen Frühstücken. Außerdem stellt sie weitere Lebensmittel zur Verfügung, die den Gästen mitgegeben werden. Schirmherrin des Kölner Obdachlosen-Frühstücks ist Elfi Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin der Stadt Köln.

Termine 2006
In Mülheim gibt es das kostenlose Frühstück an jedem vorletzten Sonntag des Monats, in den Räumen der Christlichen Sozialhilfe, Knauffstraße 1, jeweils von 9 bis 11 Uhr. In diesem Jahr noch: Sonntag, 20. August, Sonntag, 17. September, Sonntag, 22. Oktober, Sonntag, 19. November und Sonntag, 10. Dezember.
Im Vringstreff in der Südstadt, Im Ferkulum 42 (hinter St. Severin), findet das Frühstück für obdachlose,, bedürftige und einsame Menschen ebenfalls von 9 bis 11 Uhr statt. In diesem Jahr noch an folgenden Sonntagen: 16. und 30. Juli, 13. und 27. August, 10. und 24. September, 15. und 29. Oktober, 12. und 26. November sowie 17. Dezember.

Kontakt
Wer die Obdachlosenarbeit der Dr. Peter Deubner-Stiftung durch ehrenamtliche Mitarbeit, mit finanziellen oder materiellen Spenden unterstützen möchte, kann Dr. Peter Deubner telefonisch 0221/430 39 83, per Fax 0221/430 21 85 oder E-Mail-Adresse peterdeubner@t-online.de kontaktieren.



Text: Engelbert Broich
Foto(s): Broich

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