Ostern als „liturgischer Spannungsbogen“

Wie sich eine Gemeinde in der Passionszeit auf Ostern vorbereitet

Dieser Artikel wurde am 23.03.2016 veröffentlicht.
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23.03.2016

„Leiden, Tod und Fasten sind ja nicht so einfache Themen“, erklärt Eva Manderla, die sich mit ihrem Mann eine Pfarrstelle in der Evangelischen Kirchengemeinde Quadrath-Ichendorf teilt. Dennoch sind die drei Passionsandachten in der ländlichen Petrikirche in der Vorosterzeit immer gut besucht, und das, obwohl sie mitten in der Woche und am Abend stattfinden, was gerade für Berufstätige eine eher ungünstige Zeit ist.

Die Qudrath-Ichendorfer Pfarrerin Eva Manderla im Gespräch über die Passions- und Osterzeit

„Wir erreichen die Leute durch die meditative Gestaltung der Andachten, zum Beispiel mit Taizéliedern. Es ist uns wichtig, einen aktuellen Bezug zu ihrem eigenen Leben herzustellen. So fragen wir danach, was das Leiden im Leben Jesu bedeutet, und was es in meinem Leben bedeutet.“

„Glockenschweigen“ aus Repekt vor dem Leiden Christi
In der Karwoche gibt es in Quadrath-Ichendorf das sogenannte „Glockenschweigen“ – eine alte kirchliche Tradition, wie Manderla erklärt. Das Tagesgeläut um 8 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr entfällt in der gesamten Woche. Das Gottesdienstgeläut erklingt zu Beginn des Gründonnerstag-Gottesdienstes zum letzten Mal und ist dann erst wieder zum Ende des Gottesdienstes in der Osternacht am Sonntag zu hören. „Die Karwoche ist eine stille Woche. Aus Respekt vor dem Leiden Jesu wird geschwiegen. Das ist eigentlich eine ganz alte Tradition, die es leider nicht mehr überall gibt“, sagt Manderla.

„Nacht der verlöschenden Lichter“ am Gründonnerstag
Am Gründonnerstag feiert die Gemeinde ab 20 Uhr die „Nacht der verlöschenden Lichter“. Das Abendmahl wird zu Beginn des Gottesdienstes gefeiert, so die Pfarrerin. Danach wird in der Kirche das Licht bis auf elf Kerzen – stellvertretend für die elf Jünger – und die Christuskerze gelöscht. „Das ist ein dramaturgischer Gottesdienst, in dem die Jünger erzählen, was ihnen in der Nacht, als Jesus verhaftet wurde, durch den Kopf ging“, erklärt sie den besonderen Gottesdienst. Ein „Jünger“ nach dem anderen liest seinen Text und bläst anschließend seine Kerze aus. Zwischendurch werden Taizélieder gesungen. Zum Schluss brennt nur noch eine Kerze – die Christuskerze. So wird der Gottesdiesnt seit vier Jahren gefeiert. Für dieses Jahr hat die Pfarrerin noch Texte für weitere Rollen geschrieben. „Dieser Gottesdienst zieht Kreise“, freut sich die Theologin. Einge würden sogar bei ihr fragen, ob sie beim nächsten Mal mitmachen dürften.

Karfreitagsgottesdienst gar nicht trostlos
Am Karfreitag feiert die Gemeinde einen ganz „normalen“ Gottesdienst. Normal ist allerdings nur die Zeit des Beginns, denn es gibt kein Glockengeläut, kein Orgelvor- oder -nachspiel, der Altar ist – außer beim Abendmahl – komplett geräumt und die Liturgie auf eine schlichte Grundform reduziert. „Der Gottesdienst lebt von seiner absoluten Schlichtheit“, so Manderla. „Aber ich finde das überhaupt nicht trostlos. Ich denke an den Tod Jesu, aber ich weiß ja auch, es kommt der Ostersonntag!“ Der Karfreitag sei für sie der absolut notwendige Teil eines „liturgischen Spannungsbogens“.

Der Taufstein wird in der Osternacht zur Tauferinnerung von Konfirmanden aufgebaut


„Volles Programm“ am Ostersonntag
„Am Ostersonntag dann gibt es das volle Programm!“, lacht Manderla. Da feiert die Gemeinde ab sechs Uhr morgens die Osternacht. Die beginnt so, wie der Gottesdienst an Gründonnerstag aufgehört hat: im Dunkeln. Nachdem das Osterlicht hereingetragen und weitergegeben worden ist, setzt die Orgel zum ersten Mal mit dem „Gloria“ wieder ein, dazu der Posaunenchor, die Lobpreisgruppe, der Kirchenchor. „Das ist ein großer Festgottesdienst mit Abendmahl. Die Kirche ist nur durch Kerzen erleuchtet. Dieser Gottesdienst hat was!“, erzählt sie begeistert.

Osternacht wird gemeinsam gestaltet
Das Pfarrerehepaar Manderla gestaltet die Osternacht zusammen. „Mein Mann hat die Hauptverantwortung. Das geht auch nicht anders, weil ich ja noch parallel im Posaunenchor mitspiele“, sagt sie. Normalerweise werden in diesem Gottesdienst auch Konfirmanden getauft, falls Taufen anstehen. Auch die Tauferinnerung wird in diesem Gottesdienst gefeiert. Beide Pfarrer tragen ein weißes Gewand, die sogenannte Albe, mit einer Stola in der entsprechenden Farbe des Kirchenjahres.

Kurze Wege in einer kleinen lebendigen Gemeinde
Auch am Ostermontag feiert die Gemeinde Gottesdienst. Der sei dann aber wirklich „normal“, erklärt Manderla. „Wir haben hier einen hohen Prozentsatz an Christinnen und Christen, die sich mit ihrer Gemeinde verbunden fühlen und die mitgehen, wenn es Angebote gibt. Das macht es uns leicht, die Leute zu erreichen, zumal hier in Quadrath-Ichendorf die Wege kurz sind. „Wir sind eine kleine, aber sehr lebendige Gemeinde mit hoher Identifikation! Das spüren wir besonders auch an Ostern“, fasst sie zusammen.

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Text: Susanne Hermanns
Foto(s): Privat