Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Evangelische Büchereien: Ideen für den Weg in die Zukunft

Die tägliche Lektüre nimmt zu, die Menge des gelesenen Stoffes sinkt

13.03.2016

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Die Weisheit des Heraklit gab den Leitgedanken vor, unter dem die Büchereifachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland jüngst zur Regionaltagung 2016 einlud. Mitarbeitende evangelischer Büchereien in Kirchengemeinden, Kindertagesstätten und Krankenhäusern kamen in der Bücherei der Andreaskirche in Bergisch Gladbach-Schildgen zusammen.

Tauschten sich über das Büchereiwesen aus: Superintendentin Andrea Vogel (re.) und Helga Schwarze
Die Leiterin der Landeskirchlichen Büchereifachstelle, Helga Schwarze, und die Fachberaterin der evangelischen Büchereien in den Kölner Kirchenkreisen und Gastgeberin Regina Petri informierten über die aktuelle Situation und regten zu Ideen für den Weg in die Zukunft an.

Beitrag zur christlichen Bildungsarbeit
Andrea Vogel, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, dankte den Tagungsteilnehmenden für ihr ehrenamtliches Engagement. „Die evangelischen Büchereien leisten einen wichtigen Beitrag zur Bildung und Kulturarbeit“, betonte sie. Welche Bedeutung der Vermittlung des christlichen Glaubens durch Schriften beigemessen wird, belegte die Pfarrerin mit der Apostelgeschichte „Der Kämmerer aus Äthiopien“.
„Verstehst du auch, was du das liest?“, fragt Philippus. Der Kämmerer antwortet: „Wie kann ich das, wenn mich niemand dazu anleitet?“

Büchereien als Kontaktstelle zur Kirche
„Wenn wir wollen, dass Menschen die Bibel verstehen, reicht es nicht, dass sie sie lesen“, übertrug Vogel die Lehre in die Gegenwart. „Wir müssen die Büchereien mit Lesecafés oder offenen Bücherschränken zu Orten der Begegnung machen – so entsteht der Kontakt zur Kirche“, meinte die Mülheimer Pfarrerin.

Veränderung als Chance sehen
Helga Schwarze bat die Teilnehmenden der Regionaltagung, aus einer Liste literarischer Texte ein Zitat zu wählen, das am besten auf die Situation in ihrer Einrichtung passe. „Wir haben drei Neue und ein wunderschönes Angebot, aber nicht genug Leser“, erklärte eine Ehrenamtliche aus Refrath-Kippekausen und drückte ihre Zuversicht durch einen Tolstoi-Aphorismus aus: „Nicht von außen wird die Welt umgestaltet, sondern von innen.“

Bedrängnisse machen kreativ
Die Bücherei-Betreuer im Evangelischen Krankenhaus Köln-Weyertal und in der Heilig-Geist-Kirche Hand wählten einen Ausspruch von Willy Brandt: „Nur wer verantwortungsbewusst zu verändern versteht, kann bewahren, was sich bewährt hat.“ Mit ähnlichen Hoffnungen äußerten sich Vertreter der Markuskirche in Porz, der Kölner Universitätsklinik und der evangelischen Kirchengemeinde in Kalk, obwohl sie teilweise mit Raumnot oder Computerausfällen zu kämpfen haben.

Aus Lese-Studie Anregungen schöpfen
Studien belegen: Infolge der neuen Medienlandschaft ändert sich auch das Leseverhalten und die Nutzung von Büchereien. Die Bevölkerung wird älter und durch Zuwanderung vielfältiger. Jüngere Frauen können kaum noch für Nachfolgen in Ehrenämtern gewonnen werden, weil sie vielfach berufstätig sind. Gemeindefusionen wirken sich auf die Zuteilung von Räumen aus.

„Lesen in kleinen Portionen“
Die tägliche Lektüre nehme zu, die Menge des gelesenen Stoffes sinke, so Schwarze. Dieses „Lesen in kleinen Portionen“, rät die Fachstellenleiterin zu berücksichtigen bei der Auswahl von Büchern. Druckerzeugnisse von über 300 Seiten seien, das bestätigten Tagungsbesucher, kaum noch gefragt. Das Buch punkte trotz des Vormarschs der E-Books durch seine Haptik, seinen sinnlichen Eindruck. Dass evangelische Büchereien in den elektronischen Buchverleih einsteigen könnten, sei illusorisch. Um die Lizenzen zu erwerben, müssten sie einem Onleihe-Verbund beitreten. Dafür reiche der Etat nicht aus, meint Schwarze.

Nischen finden, um Profil zu entwickeln
„Überlegen Sie, sich zu trennen von kaum genutzten Sachbüchern, um Platz und Übersicht zu schaffen in Ihren Räumen“, riet Schwarze. Die Empfehlung gelte allerdings nur für Bereiche wie Wissenschaft und Computer. Im Sinne des Auftrags der evangelischen Büchereien müssten Werke, die christlichen Glauben vermitteln, selbstverständlich erhalten bleiben.



Text: Ulrike Weinert
Foto(s): Ulrike Weinert