Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Anna Quaas ist neue Pfarrerin der Kartäuserkirche

„Haltungen, zum Beispiel im Umgang mit Fremden, können in der Kirche geprägt werden“

10.03.2016

Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde die promovierte Theologin Dr. Anna Quaas als neue Pfarrerin an der Kölner Kartäuserkirche eingeführt. Zuvor hat sie drei Jahre an der Lutherkirche in der Südstadt gewirkt. An der neuen Arbeitsstätte rückt die 37-Jährige auf die Pfarrstelle von Mathias Bonhoeffer, der dem in den Ruhestand getretenen Pfarrer Friedrich Karl Weber nachfolgt. Anna Quaas übernimmt Teile der gemeindlichen Arbeit für ihren Amtskollegen Rolf Domning, der sich verstärkt seinen Aufgaben als Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region widmet. Zu ihrer Einführung wurde sie von Ulrike Weinert interviewt.

Freut sich auf ihr neues Amt: Dr. Anna Quaas
Was nehmen Sie von Ihrem Einführungsgottesdienst mit auf Ihren neuen Weg?

Pfarrerin Quaas (strahlend): Ich fühle mich von der Gemeinde und den Kollegen getragen. Die Menschen standen vor Mathias Bonhoeffer und mir und bekundeten ihr Willkommen mit Versen aus der Bibel. Das beflügelt für den Dienst. Was mich besonders berührte: Eine 94-jährige Dame, die mich schon als Kind kannte, war angereist. Sie zitierte die Bibelstelle Jesaja 54,10: „Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“

Wie werden Sie Ihren Auftrag im Gemeindeleben konkret umsetzen?

Pfarrerin Quaas: Aus meiner Zeit an der Lutherkirche bringe ich den Kreis „Tacheles – Gespräche über Gott und die Welt“ mit, den ich im Juni 2013 mit Alida Pisu ins Leben gerufen habe. Die Teilnehmenden tauschen sich nach einem anregenden Impuls aus der Bibel über Lebensfragen aus, was zum Beispiel wirklich wichtig im Leben ist, wie man mit Krisen, vielleicht der eigenen Schuld, umgeht.

Welchen Stellenwert hat Ihre Zusammenarbeit mit der gemeindeeigenen Kindertagesstätte „Kartause“?

Pfarrerin Quaas: Einen sehr hohen. Es ist gut, früh die Fähigkeit zur Offenheit und zum Nachdenken über Lebensfragen und Werte zu fördern. Haltungen, zum Beispiel im Umgang mit Fremden, können in der Kirche geprägt werden. Man lernt auch, die eigenen Talente in die Gemeinschaft einzubringen und ein Urvertrauen in deren tragende Kraft zu fassen.

Warum ist für Sie die Ökumene so wertvoll?

Pfarrerin Quaas: Wir können manche gute Initiativen voneinander abschauen. Hier in der Kartäuserkirchen hat sich eine Gruppe gebildet, die Beerdigungen von Menschen ohne Angehörige begleitet. Die Idee kommt aus der katholischen Gemeinde St. Severin und heißt „Keiner geht allein“. Ich bin dankbar, dass ich nicht bei Bestattungen mit einem Ordnungsamtsmitarbeiter alleine am Grab stehen muss. Sondern, dass da eine Gruppe ist, die mit mir gemeinsam einem verstorbenen Gemeindeglied die letzte Ehre erweist.

Inwieweit haben Sie Ihre Auslandsaufenthalte geprägt?

Pfarrerin Quaas:
In Kamerun lernte ich, dass Christen mit großer Selbstverständlichkeit in enger Verbundenheit zu muslimischen Nachbarn leben können. In Südamerika beeindruckte mich, welche Lebenskraft die Christen in krisengeschüttelten Ländern haben. Nach der Zeit in Brüssel, wo wir vom Büro des Bevollmächtigen der Evangelischen Kirche Deutschland ethische Standpunkte der Kirche in der Europäischen Union vertraten, möchte ich nun in die praktische Umsetzung an der Basis gehen.

Sie kündigen besondere Gottesdienste an – wie sieht deren Gestaltung aus?

Pfarrerin Quaas:
Zusammen mit den Vorbereitungsgruppen möchte ich die weltweite Verbindung von Christen betonen. Durch Themengottesdienste wie jetzt beim Weltgebetstag zu Kuba. Gemeindeglieder wirken mit, indem sie Musik und Texte vortragen. Nachhaltigkeit zur Bewahrung der Schöpfung und fairer Handel sind ebenfalls wichtige Themen. Zum Beispiel könnten wir, wie auch in der Lutherkirche, hier in der Kartäuserkirche Gottesdienste mit Kleidertauschbörsen verbinden. Das ist zugleich eine Möglichkeit der Begegnung, und solche Begegnungen, das zeigt auch die Willkommenskultur für Flüchtlinge, regen dazu an, die eigene Sicht des Lebens zu überdenken.

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Pfarrerin Dr. Anna Quaas wurde 1978 in Essen geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Freiwilligenjahr in einem evangelischen Kirchenverband in Kamerun, Zentralafrika. Sie studierte evangelische Theologie in Bethel, Marburg, Buenos Aires und Berlin. Das erste theologische Examen legte sie im Frühjahr 2005 ab. Nach dem Vikariat in der Evangelischen Tersteegenkirchengemeinde Düsseldorf und Forschungstätigkeit an der Universität Heidelberg promovierte sie 2010 über die Pfingstkirchen in Nigeria und deren Verbreitung in Deutschland. Ordiniert wurde sie 2012. Bevor Quaas 2013 an die Lutherkirche in der Kölner Südstadt kam, war sie als Pastorin im Sondervikariat im Büro des Bevollmächtigen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Europäischen Union und in der deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde in Brüssel tätig. Zur neuen Pfarrerin an der Kartäuserkirche wurde sie durch das Presbyterium der Evangelischen Gemeinde Köln gewählt.



Text: Ulrike Weinert
Foto(s): Ulrike Weinert