Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Neuerscheinung „Köln. Die große Stadtgeschichte“

Beschäftigung mit spannenden „konfessionellen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts“

25.02.2016

„Wird das große Potenzial, über das die Stadt verfügt, erfolgreich genutzt oder wird das Image der Stadt weiter beschädigt (…)? Die Zukunft Kölns ist ohne Frage offen.“ Mit dieser Feststellung schließt die Neuerscheinung „Köln. Die große Stadtgeschichte“.

Die Autoren und Köln-Kenner Carl Dietmar und Werner Jung liefern einen Überblick über die Stadtgeschichte Kölns
Darin ist in 14 Kapiteln nachzulesen, was im Wesentlichen bisher geschah. Was sich lange vor der Gründung Kölns hier ereignet, und wie sich der spätere Hauptort der Ubier beziehungsweise die römische Kolonie bis heute entwickelt hat.

Das große Ganze
Von der vor- und frühgeschichtlichen Zeit bis zu den Umbrüchen und dem Strukturwandel in der Gegenwart reicht die faktenreiche, gut illustrierte Darstellung. Die Autoren und Köln-Kenner Carl Dietmar und Werner Jung liefern einen dichten Überblick. Sie beschreiben, analysieren, fassen zusammen, heben hervor, zeigen die dominierenden Entwicklungslinien auf und beleuchten ebenso häufig vernachlässigte Ereignisse. Es geht den beiden Historikern um das große Ganze, um die gesellschaftlichen, politischen, kulturellen Verhältnisse zu allen Zeiten. Dabei formulieren sie in der Regel leicht verständlich.

Protestantische Geschichte eingebettet
Das gilt auch für die Beschäftigung mit den spannenden „konfessionellen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts“. In diesem etwa wandelte Erzbischof Hermann von Wied sich vom „unbeugsamen Gegner jeglicher Ketzerei“ zu einem „Verfechter eines gemäßigten Reformkurses“. 1546 trat er offen zum lutherischen Bekenntnis über. Das gilt nicht weniger für die Schilderung der „Emanzipation der Protestanten“ seit Ende des 18. Jahrhunderts. Ihnen brachte die französische Besatzungsmacht zunächst „die Freiheit und das gleiche Bürgerrecht“, kurz darauf die freie Religionsausübung.

Wissenschaftlich abgesichert
Bei aller Anschaulichkeit ist die Arbeit selbstredend wissenschaftlich abgesichert. „Wir verstehen uns als Historiker“, betonte Jung bei der von den Bläck Fööss-Mitgliedern Kafi Biermann, Bömmel Lückerath und Hartmut Priess nicht nur musikalisch bereicherten Vorstellung der Publikation im Kölnischen Stadtmuseum. Jung, Leiter des städtischen NS-Dokumentationszentrums, hat die Spanne von 1794 bis 2014 bearbeitet. Mithin auch die einschneidenden wie zukunftsweisenden knapp zwei Jahrzehnte Kölns unter französischer Herrschaft, den Aufbruch und die rasante Entwicklung zur modernen Groß- und Industriestadt sowie, angemessen ausführlich, die NS-Zeit.

„Hässlichste und schmutzigste Stadt“
Vom Faustkeil bis zum Beginn der Franzosenzeit habe sich in der Forschung nicht viel geändert, kommentierte Dietmar seinen Part. Gleichwohl wies der Historiker, Autor für den Kölner Stadt-Anzeiger und wie Jung Verfasser zahlreicher Köln-Titel, darauf hin, dass nach letzten Information nicht Agrippina sondern wohl Kaiser Augustus den Anstoß zur Gründung Kölns gegeben habe. Dass nun doch wieder Hildebold als Erbauer des karolingischen Domes gelte. Auch übergeht Dietmar nicht die wenig schmeichelhaften Urteile von Köln-Besuchern im 18. Jahrhundert. In ihnen ist unter anderem von der „hässlichsten und schmutzigsten Stadt“ die Rede. Erstmals 1996 legten Dietmar und Jung (in der Nachfolge von Franz Bender/Theodor Bützler) die „Kleine Illustrierte Geschichte der Stadt Köln“ vor. Nun zeichnen die beiden Historiker also auch für den „großen Bruder“ verantwortlich.

Einbändige Gesamtdarstellung
„Köln. Die große Stadtgeschichte“ folgt auf die „Illustrierte Geschichte der Stadt Köln“ als Hausbuch zur Historie Kölns. Der von Arnold Stelzmann verfasste und seit der 2. Auflage von Robert Frohn bearbeitete Klassiker wurde zuletzt 1990 aufgelegt. 25 Jahre später treten Dietmar und Jung mit einer „modernen einbändigen Gesamtdarstellung“ an. Interessanterweise erscheint der Titel nicht in einem Kölner Verlag. „Wir sind in Essen fündig geworden“, dankten die Autoren Ludger Claßen vom Klartext-Verlag für seine Entscheidungsfreude.

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Carl Dietmar, Werner Jung: Köln. Die große Stadtgeschichte, 496 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Hardcover, Klartext-Verlag, 24,95 Euro, ISBN: 978-3-8375-1487-2.



Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich