Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Kölsch Hätz jetzt auch in Zollstock

Ehrenamtliche engagieren sich für einsame und hilfebedürftige Menschen

23.02.2016

Nachdem sich die Nachbarschaftshilfe „Kölsch Hätz“ bereits in 26 Kölner Stadtteilen bewährt hat, geht Zollstock ab März als Nummer 27 an den Start. Vier gut geschulte ehrenamtliche KoordinatorInnen stehen bereit, um Anfragen von Hilfesuchenden und Ehrenamtlern entgegen zu nehmen.

Gerhard Johenneken, Herrmann-Josef Roggendorf, Martina Schönhals, Doris Burbach, Peter Krücker, und Hans Stieler stellten das neue Projekt vor
Wenn Menschen aus dem Bezirk Köln-Zollstock, -Bayenthal, -Marienburg oder -Raderthal einfach mal einen Gesprächspartner suchen oder unsicher bei Amtsgängen oder Einkäufen sind, können sie sich künftig vertrauensvoll an die Nachbarschaftshilfe „Kölsch Hätz“ wenden. Dort kümmert sich die Koordinatorin Doris Burbach oder ihre Kollegen um alle Anfragen nach Unterstützung. In der Kartei der ehrenamtlichen Begleiter findet sich dann meist schnell eine Person in der Nähe, die gern die gewünschte Hilfeleistung übernimmt.

Zusammenschluss aus Kirchen und Sozialträgern
Organisiert wird „Kölsch Hätz“ durch einen Zusammenschluss aus Caritas und Diakonie sowie der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden. Gemeinsam stellten deren Vertreter das Zollstocker Konzept bei einer Pressekonferenz vor. Peter Krücker, Vorstandssprecher der Caritas Köln, erklärte, dass „Kölsch Hätz“ heute die Rolle des früher selbstverständlichen Nachbarschaftsverbands einnehme und für mehr Mitmenschlichkeit in einem zunehmend anonymen urbanen Umfeld sorge. Das Konzept habe sich in zahlreichen anderen Stadtteilen Kölns bewährt und sei als Erfolgsmodell zu bezeichnen.

Ehrenamt gepaart mit Professionalität
Kölsch Hätz entstand vor 18 Jahren aus der Idee heraus, den Nachbarschaftsgedanken für einen ganzen Stadtteil neu zu beleben und gleichzeitig in eine professionelle und nachhaltige Struktur einzubinden. Das Ziel: Menschen sollten wieder zu Nachbarn werden. Damit die Ehrenamtler mit ihrer Hilfeleistung nicht alleine dastehen, werden sie von Koordinatoren begleitet und geschult. Insgesamt ist das Konzept in ein professionelles Management der Sozialträger eingebettet. Das sorgt für die Entwicklung und Ausweitung des Modells auf andere Stadtteile und gewährleistet die Finanzierung.

„Neun Monate Entwicklungszeit“
Aus der Begegnung mit den Menschen aus dem Stadtteil, etwa bei Trauerbesuchen, weiß Pfarrer Hans Stieler, dass es auch in Köln-Zollstock viele Menschen gibt, die vereinsamen oder sich aufgrund von Handicaps Unterstützung wünschen. Als die Idee aufkam, in Zollstock „Kölsch Hätz“ als eigene Vertretung aufzubauen, haben sich die Verantwortlichen neun Monate lang zusammengesetzt, um das Konzept auf tragfähige Füße zu stellen. „Eine gute Zeit, um etwas ins Leben zu rufen“, meint der katholische Pfarrer schmunzelnd. Wichtige Säulen der Nachbarschaftshilfe sind, dass sie ökumenisch, nicht-kirchlich und ehrenamtlich organisiert ist. „Damit erreichen wir Menschen, die im Gottesdienst nicht anzutreffen sind, sich aber gerne für eine gute Sache engagieren möchten“, meint der Pfarrer.

Das Rad nicht neu erfinden
Die Idee der Nachbarschaftshilfe in Köln-Zollstock sei durchaus keine neue Erfindung, ergänzte Pfarrer Gerhard Johenneken von evangelischer Seite. Vor einigen Jahren habe es den mittlerweile eingestellten „ökumenischen Zollstockruf“ gegeben und auch andere Modelle wie „Helfende Hände“ engagierten sich für das Wohl der Menschen im Veedel. In Zollstock habe man sich jedoch bewusst für Kölsch Hätz entschieden, da die Einbettung in das stadtweite System aufgrund der kompetenten Begleitung und Schulung nachhaltige Strukturen vor Ort gewährleiste. Als Beispiel nannte der Pfarrer den Fall eines erblindeten Menschen, für den er sich eine Person wünscht, die sich um das Sortieren seiner Wäsche, das Ausfüllen von Anträgen und dergleichen kümmert. Diesem Menschen „einfach verlässlich beim Leben hilft“.

„Mitmenschlichkeit hört nicht bei den Kirchenmauern auf
In Zollstock bietet „Kölsch Hätz“ den Kirchengemeinden aufgrund des 2014 geschlossenen ökumenischen Partnerschaftsvertrags eine gute Gelegenheit, ein erstes großes Projekt gemeinsam anzugehen. Dennoch sehen die Verantwortlichen trotz kirchlicher Beteiligung „Kölsch Hätz“ als ein nichtkirchliches Projekt an. Neben den Gemeindegliedern sind ausdrücklich Menschen zur ehrenamtlichen Mitarbeit eingeladen, die nicht zur Kerngemeinde gehören, sagt Johenneken. Denn: „Mitmenschlichkeit hört bei den Kirchenmauern nicht auf.“

Ehrenamtliche können sich melden
Aktuell werden in Zollstock, Raderthal, Bayenthal und Marienburg noch Mitstreiter gesucht, die sich ein paar Stunden in der Woche ehrenamtlich engagieren möchten. „Die Anfragen nach Unterstützung kommen von selbst“, so die Koordinatorin Doris Burbach. Nach ihrer Pensionierung freut sie sich nun auf die ehrenamtliche Arbeit im Koordinierungsbüro.


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Das Kontaktbüro von „Kölsch Hätz“ in Köln-Zollstock ist ab März immer dienstags von 9 bis 11 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr in den Räumen der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Zollstock , Bornheimer Straße 1a, 50969 Zollstock, Telefon: 0221/93 64 36 15, E-Mail: info(a)koelschhaetz.de zu erreichen.



Text: Anne Siebertz
Foto(s): Anne Siebertz