Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Stellungnahme von Hans Mörtter

Der Pfarrer der Lutherkirche äußert sich zum Spendenangebot des „Pascha“

11.02.2016

„Am 12. Januar 2016 bekam ich im Rahmen eines Benefiz-Abends im Bordell Pascha eine Großspende angeboten, die für ein Projekt mit Flüchtlingskindern verwendet werden sollte. Über diesen Abend wurde in der „Lokalzeit Köln“ im WDR berichtet. Mit meiner Teilnahme an dieser Veranstaltung habe ich viele Menschen, vor allem Frauen, verletzt. Das bedauere ich zutiefst. Ich habe unbedacht und naiv einen großen Fehler begangen, für den ich um Entschuldigung bitte.

Pfarrer Hans Mörtter
Meine positiv klingenden Äußerungen im WDR waren spontan, sehr unüberlegt und unklar. Sie bezogen sich nicht auf das Bordell, sondern auf den Umgang der dort arbeitenden Menschen miteinander, soweit ich das mitbekommen hatte. Dabei hatte ich nicht berücksichtigt, dass das eine Notgemeinschaft von Frauen ist.

Entschieden distanziere ich mich von dem Frauenbild des Pascha-Betreibers Hermann Müller, das dieser in dem erwähnten Beitrag äußerte und das ich an dieser Stelle auch nicht wiederholen möchte.

Bisher habe ich mich selbstverständlich nie instrumentalisieren lassen und werde mich auch nicht zum Werbeträger des Pascha machen lassen. Diese Konsequenz war mir bedauerlicherweise gar nicht gewärtig. Die Spende von 6.500 Euro für die Flüchtlingshilfe werde ich für die Flüchtlingshilfe deshalb ablehnen.

Das Projekt für Flüchtlingskinder und jugendliche Flüchtlinge in drei großen Kölner Heimen steht vor dem Aus, wenn nicht bald 10.000 Euro zusammenkommen. Diese Not und der Druck haben mich viel zu leichtfertig gemacht. Im Karnevalsgottesdienst der Lutherkirche kamen gut 900 Euro für das Projekt zusammen. Ich vertraue darauf, dass der Rest durch viele Kölner und Kölnerinnen auf gute Weise aufgebracht werden kann.

Seit 32 Jahren arbeite ich als evangelischer Pfarrer mit großem Engagement für Menschen und unsere Gesellschaft. Dazu gehörte schon immer mein Einsatz gegen Gewalt an Frauen nicht nur mit Worten, sondern kontinuierlich mit Taten. Dabei bleibe ich. Ich bin ein Verbündeter gegen jede Form der Zwangsprostitution und des Menschenhandels. Darin werde ich so verlässlich sein, wie ich das bisher immer war.

Nun habe ich einen großen Fehler gemacht. Ich bitte um einen gnädigen Umgang im Sinne einer „Kultur der Fehlerfreundlichkeit“. Ich bin auch als Pfarrer nur ein Mensch und schwebe nicht über allem. Ich danke den vielen Menschen, die mir trotzdem ihre Solidarität erklärt haben, weil sie mich und meine Arbeit mit hohem Einsatz kennen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, hergeleitet aus der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, bleibt der grundsätzliche Leitfaden meines Engagements.

Wichtig ist mir zu betonen, dass ich als einzelner Mensch und Pfarrer diesen kapitalen Fehler gemacht habe und daraus lernen werde.

Diesen Fehler auf die gesamte Evangelische Kirche zu projizieren, wäre ungerecht gegenüber dem hohen Einsatz aller Mitarbeitenden unserer Kirche, die unermüdlich ihr Bestes geben in Gemeinden und Einrichtungen zum Besten der Stadt, des Landes und unserer Welt.“



Text: Hans Mörtter
Foto(s): Timo Belger