Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Ideen für das Reformationsjubiläum bei Lutherbier und Brezeln

Pfiffige Vorschläge des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch inspirierte Kirchengemeinden zu Projekten für 2017

07.02.2016

„Komm zu mir in mein Dömchen“, umwarb ein Herr in katholischer Priestersoutane ein Standbild des Reformators zur Melodie von Udo Jürgens „Es wird Nacht, Senorita“. Ulrike Behmenburg simulierte ein Telefonquiz mit einem Vierjährigen zu Martin Luther. Statt „Martin Luther wollte in Worms in die Disco vom Beckenbauer“ musste es da natürlich heißen „Er sollte beim Kaiser antanzen“. Dermaßen vom Kabarett „Klüngelbeutel“ aufgewärmt, konnten die rund 50 Besucherinnen und Besucher im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Dünnwald in den Abend starten.

Claudia Posche riet zum Aufsetzen der „Lutherbrille“.
Ideen und Projekte aus dem Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch sollten die Zuhörenden aus allen Gemeinden zu eigenen Projekten im Reformationsjahr 2017 inspirieren. Moderiert von Superintendentin Andrea Vogel, zeigten Gemeindevertreter, dass es ihnen an kreativen Ideen nicht mangelte.

Konfi-Krimi und Luther-Musical
Musik bringt immer einen anderen Zugang als die Vermittlung über die Sprache: Auf gleich zwei Luther-Musicals wies Kreiskantor Thomas Wegst hin. Eines entstand für den Kinderchor der Kirchengemeinde Porz, ein weiteres verfasste die Kirchenmusikerin Doris Röskenbleck in Rösrath. Beide werden 2017 Premiere feiern. Ein weiteres musikalisches Projekt für Kinder und Jugendliche plant Kantorin Mechthild Brand in der Holweider Versöhnungskirche, basierend auf Asta Scheibs Roman „Kinder des Ungehorsams“ über die Liebesgeschichte Luthers und Katharina von Boras.

Lutherzitate beim „Konfi-Krimi“
Routine haben Ute Verch und Pfarrer Jörg Schmidt aus Bensberg bereits mit ihrem „Konfi-Krimi“, einer Art Stadtspiel für Konfirmanden. Auf ihrer Rallye gilt es, Lutherzitate zu entziffern und Aufgaben zu lösen. 2017 ist eine Neuauflage geplant.

Mittelalterlicher Markt am Lutherturm
Ein Open-Air-Gottesdienst mit einem mittelalterlichen Markt am Mülheimer Lutherturm ist das Projekt der Kirchengemeinde Mülheim am Rhein. Möglicherweise lässt sich dies mit einer anderen Open-Air-Aktion, die Gastgeber Pfarrer Torsten Krall mit Konfirmanden vorschlug, kombinieren: Auf dem Wiener Platz sollen diese eine lebende „500“ darstellen.

Offene Kirchen und Luther-Brille
„Reformationsjubiläum – auch das noch, wann sollen wir das noch vorbereiten?“, so Claudia Posche, Pfarrerin in Odenthal-Altenberg, fragten sich sicher viele Gemeindeglieder. Durch die „Lutherbrille“ betrachtet, lässt sich dies problemlos ins Kirchenjahr einbauen. Eine Gottesdienstreihe über Lutherchoräle oder über Frauen der Reformation wäre eine Möglichkeit. Sinnlich erlebbar werden Luther und seine Bibelübersetzung für Kinder durch Schreibübungen mit damaligen Geräten wie Gänsekielen.

Gemeindefest wird zur Zeitreise
Ein Gemeindefest könnte zur Zeitreise werden, wenn zum Beispiel auf Kaffee und Kartoffelsalat verzichtet wird, dafür steht Zeitgenössisches wie Rote Grütze und Apfelwein auf dem Büffet. Andrea Vogel wies zusätzlich auch auf die Aktion „Die Nacht, der Raum, die Stille “ am Freitag, 26. Februar, hin, in der die Innenstadtkirchen abends geöffnet sind und Lesungen sowie Musik und Meditation bieten. „Warum so etwas nicht im Rechtsrheinischen?“ Diese Anregung nahmen mehrere Besucher mit nach Hause.

„Ich bin ein Querdenker“
Ebenso wie die kleinformatigen Aufkleber mit der Aufschrift „Ich bin ein Querdenker“, die der Vorbereitungskreis entworfen hatte. Das Piktogramm verbildlicht den Thesenanschlag, das Ereignis, das mit der Reformation einen Prozess auslöste, dem sich niemand mit europäischer kultureller Prägung entziehen kann. Die Tabubrüche, die Luther und weitere Reformatoren in ihrer Zeit vollzogen, lassen die Bezeichnung gerechtfertigt erscheinen. „Die Orientierung am Wort Gottes in unserer Zeit noch einmal mit Tiefgang und verständlich ins Gespräch zu bringen“, dazu, so Andrea Vogel, könnte die Reformation noch einmal einen Anstoß geben.

Karnevalswagen zum Reformationsjubiläum
Die Ideenzettel, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Stellwände geheftet hatten, blieben praxisorientiert: „Apfelbäume pflanzen“ hieß es da neben Luther-T-Shirts und – immerhin ist auch die Schäl Sick Köln – einem Karnevalswagen zum Reformationsjubiläum. Für Gemeinden, die Projekte zum Reformationsjubiläum planen, stehen Kirchenmittel bereit.



Text: Annette von Czarnowski
Foto(s): Annette von Czarnowski