Alkoholsucht – wie damit umgehen an Karneval

Diakonie-Gespräch: Martina Schönhals im Gespräch mit Suchtberaterin Barbara Anton

Dieser Artikel wurde am 04.02.2016 veröffentlicht.
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04.02.2016

In dieser Woche wird der Straßenkarneval eröffnet – für viele untrennbar verbunden mit dem Trinken von Kölsch und Hochprozentigem – für alle, die keinen Alkohol trinken, ein Problem? Über diese Frage sprach Martina Schönhals mit Barbara Anton. Sie berät Menschen, die abhängig sind von Alkohol oder Medikamenten oder von beidem, in der Suchtberatung des Diakonischen Werkes Köln und Region in Köln-Mülheim.

Karneval und Alkohol – da muss jeder für sich seine eigene Haltung entwickeln

Nimmt die Zahl der Ratsuchenden in der Suchtberatung nach Karneval zu?
Anton: Nein, die Zahl steigt bei uns nach Aschermittwoch nicht wirklich an. Wir haben jederzeit viele Nachfragen in unseren Kölner Beratungsstellen auf beiden Rheinseiten, in Mülheim und in der Südstadt.

Ist das Karnevalfeiern denn ein Thema in den Beratungsgesprächen?
Anton: Ja, das ist auf jeden Fall ein großes Thema. Aber wer alkoholabhängig ist, wartet nicht auf den Karneval, um trinken zu können. Es ist dann nur legalisiert, auch in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Aber das gilt ja auch für das übrige Jahr: beim Kölner Oktoberfest oder beim Frühschoppen oder Feierabendbier oder was es da sonst noch gibt. Für unsere Klienten ist es daher nicht nur an Karneval wichtig, sich zu schützen.

Was empfehlen sie denn Ihren Klienten, damit sie keinen Rückfall erleiden?
Anton: Die meisten verändern sich im Laufe ihrer Therapie. Sie verändern ihre Haltung und möchten nicht mehr trinken. Wir sagen immer, dass der Kampf gegen den Alkohol nicht zu gewinnen ist, darum muss man sich entscheiden, ein Leben frei von Alkohol zu führen.

Es geht darum eine eigene Haltung zu entwickeln: Wo fühle ich mich wohl und sicher oder gibt es alte Bekannte und Orte, die ich lieber meide, weil ich mich dort nicht sicher fühle? Während die einen weiter am Karneval teilnehmen, gehen die anderen ihm lieber aus dem Weg. Da muss jeder für sich seine eigene Haltung entwickeln.

Das heißt Sie empfehlen einem trockenen Alkoholiker nicht unbedingt, den Karneval zu meiden?
Anton: Ich kann ja auch keinen davon abhalten, im Supermarkt einkaufen zu gehen. Und es gibt auch Karnevalsfeiern ohne Alkohol, die stehen nur nicht unbedingt auf den Plakaten. Unsere Selbsthilfegruppen feiern auch Karneval, mit ganz klaren Regeln.

Haben Sie denn eine Empfehlung für die tollen Tage für alle, die sich für ein Leben ohne Alkohol entschieden haben?
Anton: Es gibt da keine pauschale Antwort. Jeder sollte für sich entscheiden, was ihm guttut und was nicht. Es ist immer gut, sich mit Menschen zu umgeben, die Bescheid wissen. Und es sollte die Möglichkeit geben, sich jederzeit zurückziehen zu können, das gilt ja auch für jede Familienfeier. Mit dieser klaren Haltung, kann jede und jeder auch an Karneval mitfeiern.



Text: Martina Schönhals
Foto(s): DW

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