„Ich habe genug“: Schüler und Senioren setzen sich mit dem Tod auseinander

11./12. März 2016: Szenische Aufführung einer Bachkantate und Uraufführung „Omega“

Dieser Artikel wurde am 02.02.2016 veröffentlicht.
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02.02.2016

15 Schülerinnen und Schüler der Offenen Schule Köln sowie sechs Seniorinnen und ein Senior aus dem Experimentalchor „70+“ proben derzeit für eine szenische Aufführung der Bachkantate „Ich habe genug“ in der Kölner Trinitatiskirche . Dabei handelt es sich um ein ökumenisches Projekt. „Tod und Sterben ist ein Thema, das alle angeht“, sagte Hannelore Bartscherer, Vorsitzende des Katholikenausschusses in der Stadt Köln, bei einer Pressekonferenz, auf der eine Zwischenbilanz der Proben gezogen wurde.

Künstler und Veranstalter beim Pressegespräch im Domforum: Thomas Höft, Dr. Martin Bock, Ingrid Ruth Plewe, Martin Bechler, Hannelore Bartscherer, Frauke Meyer und Rolf Domning (v.li.)

„Der Tod ist ein Tabuthema. Aber wir müssen lernen, uns damit auseinander zu setzen. Auch die Sterbehilfe wurde ja in den vergangenen Monaten intensiv bis hin zum Bundestag diskutiert“, erklärte Rolf Domning, Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Wie schon 2015 bei der restlos ausverkauften Inszenierung „Johannespassion | Judasprozess. J.S. Bach szenisch“ wird auch diese Aufführung von Katholikenausschuss und Kirchenverband gemeinsam verantwortet und von einem vielseitigen Begleitprogramm umrahmt.

"Eine explosive Vorlage"
Der Komponist Martin Bechler hat die Kantate für die Aufführung leicht verändert: „Eine derart explosive Vorlage ist für einen Musiker natürlich ein Fest. Aber wir halten das Tempo der Kantate hin und wieder ein wenig an.“ Regisseurin Frauke Meyer ergänzte: „Es soll auf keinen Fall einfach so durchrauschen. Die Zuschauer sollen das Gesagte schon in dem Moment reflektieren und nicht erst nach der Aufführung.“ Bach gegenübergestellt wird „Omega“, eine Uraufführung für Kammerchor und gemischten Chor. „Omega“ ist eine Auftragskomposition von Bechler, der als Komponist, Texter und Producer bereits für Anna Thalbach, Hagen Rether, Dieter Nuhr und viele andere gearbeitet hat.

Mit Neugier und Respekt
Meyer ist beeindruckt von der Intensität, mit der sich die 13- bis 17-jährigen Schülerinnen und Schüler mit dem Thema Tod beschäftigen: „Vor allem vor dem Hintergrund, dass Bach ja fest daran geglaubt hat, dass nach dem Tod etwas Besseres auf ihn wartet. Deshalb hat die Kantate traurige und schöne Passagen. Die Kinder und die älteren Menschen nehmen das sehr ähnlich auf.“ Bechler ergänzte: „Ich habe selten in einem Milieu gearbeitet, in dem sich so unterschiedliche Gruppen mit so viel Neugier und Respekt begegnen. Wir gehen die Proben locker an, aber die Ernsthaftigkeit des Projekts steht nie in Frage. Die Darsteller ziehen hoch konzentriert mit.“

Laien-Ensemble und Profimusiker
Das Laien-Ensemble wird ergänzt durch Profimusiker wie den Bariton Seth Carico, die Oboistin Xenia Löffler, den Schauspieler Torsten Peter Schnick und das „zamus-Ensemble“. Die szenische Aufführung „Ich habe genug“ ist eingebettet in das diesjährige „Kölner Fest für Alte Musik“, das den Titel trägt „I have a dream“ und von zamus (Zentrum für Alte Musik) veranstaltet wird. Die Aufführungen beginnen am Freitag, 11. März, und am Samstag, 12. März, jeweils um 20 Uhr in der Trinitatiskirche Köln, Filzengraben 4. Der Eintritt kostet 20 Euro, ermäßigt 18 Euro.

Karten erhält man beim Zentrum für Alte Musik, Telefon 0221/98 74 73 79 sowie über KölnTicket und alle angeschlossenen Vorverkaufsstellen.

Im Vorfeld der Aufführung bietet die evangelische Melanchthon-Akademie unter Leitung von Dr. Martin Bock ein Begleitprogramm mit Diskussionen und Gesprächsrunden, etwa zur Bestattungs- und Trauerkultur, an. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.





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