Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

„Blauköpp“ feierten im Haus der Evangelischen Kirche den Besuch des Kölner Dreigestirns

Stadtsuperintendent Rolf Domning bewies beste Kölschkenntnisse und sprach auch von emotionalen Momenten

28.01.2016

„Jetzt sin se he!“, freute sich Stadtsuperintendent Rolf Domning in bestem kölschen Dialekt über den traditionellen Besuch des Kölner Dreigestirns im Haus der Evangelischen Kirche.

Stadtsuperintendent Rolf Domning und Verwaltungsleiterin Beate Wegmann-Steffens mit dem Kölner Dreigestirn
Viele bunt kostümierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Kirchengemeinden, Ämtern und Einrichtungen des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region waren seiner Einladung zur karnevalistischen „After-Work-Party“ im Foyer des Kirchenverbandes in der Kartause gefolgt und schunkelten und sangen sich bereits vor dem Eintreffen des Trifoliums und seines Gefolges mit kölschen Liedern warm – musikalisch begleitet von Kirchenmusiker Thomas Frerichs und animiert von Pfarrer und Karnevalsjeck Hans Mörtter.


Für Karnevalsstimmung sorgte Kirchenmusiker Thomas Frerichs.

Besuch des Dreigestirns ist seit 15 Jahren Tradition
Um 17 Uhr war es dann soweit – begeistert und in bester Stimmung empfingen die „Blauköpp“ das Kölner Dreigestirn bei ihrem Einmarsch. Zum 15. Mal schon waren Prinz, Bauer und Jungfrau zu Gast im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region (EKV). In dieser Session stellt die Prinzen-Garde Köln 1906 e.V. die seit ihrer Kindheit miteinander befreundeten höchsten Repräsentanten des Kölner Karnevals.


Rolf Domning und das Dreigestirn der Session 2016

Prinz, Bauer, Jungfrau: echt kölsch und ökumenisch
„Wie schutzlos wären wir ohne seine Deftigkeit Bauer Anton? Wie trist und langweilig wäre unser Leben ohne ihre Lieblichkeit Jungfrau Johanna und was wäre ein Dreigestirn ohne seine Tollität Prinz Thomas II.?“, begrüßte Rolf Domning seine Gäste, denen er sogleich das Wort erteilte. „Mir sin echt kölsch un ökumenisch!“, klärte Prinz Thomas II. das Publikum auf. Denn er selbst sei neben den beiden katholischen Mitstreitern protestantisch und habe sogar 1995 nebenan in der Kartäuserkirche geheiratet. Sein Urgroßvater sei Dechant in Altenberg gewesen und sein Großvater evangelischer Pfarrer. Sein Vater schließlich setzte sich durch und ließ den Sohn ebenfalls evangelisch taufen, erzählte er stolz und leitete mit der alten Weisheit „Tradition heißt nicht, Asche verwahren, sondern eine Flamme am Brennen halten“ zum gesanglichen Teil über, in dem die hohen Herrschaften, kräftig unterstützt durch den ganzen Saal, alte Lieder von Ludwig Sebus zum Besten gaben. Da konnte auch der Stadtsuperintendent nicht mehr an sich halten und legte mit Jungfrau Johanna ein flotte Sohle auf’s Parkett!

Kirchenverband spendet für Projekt der Kinderklinik
Domning erklärte stolz, dass das diesjährige Dreigestirn – dem wirklich kein einziges hochdeutsches Wort zu entlocken war – zwar die kölsche Sprache hochhalte, er aber jedes Wort verstanden habe, und das, obwohl er selbst 60 Kilometer entfernt von Köln aufgewachsen sei. Auf „unverfälschtem Kölsch“ fuhr er fort, und berichtete, dass in dieser Session das Dreigestirn Spenden für das Projekt „UNZERTRENNLICH.Eltern.Kind.Raum“ zugunsten des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße sammle, das es Eltern ermöglicht, ihren schwer erkrankten Kindern nahe zu sein. Dafür werde der Kirchenverband ebenfalls eine Summe überweisen.


Großes Interesse fand der Empfang des Kölner Dreigestirns im Haus der Evangelischen Kirche

„Auch emotional steht in Köln manches auf dem Kopf“
Das diesjährige Karnevalsmotto „Mer stelle alles op der Kopp“ passe zur aktuellen Zeit, stellte Domning fest. Denn auch emotional stünde für ihn im Moment so manches auf dem Kopf. So habe er noch heute, am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, sehr emotionale Momente erlebt, als am Löwenbrunnen, am Erich-Klibansky-Platz in Köln, Schülerinnen und Schüler der 1.100 von den Nazis deportierten und ermordeten jüdischen Kölner Schüler und Lehrer gedachten, deren Namen auf Bronzeplatten am Brunnen verzeichnet sind. Das habe ihn sehr bewegt und ihm wieder einmal deutlich gemacht, wie nah Freud und Leid beieinander lägen. Da müsse noch vieles aufgearbeitet werden. „Ävver frei und vergnügt fiere kann man nur, wenn man dat weiß!“, entschied er.

Karneval auch in der Emigration
Diese Erfahrung machte wohl auch der 1888 in Köln geborene jüdische Karnevalist Hans David Tobar, an den Domning erinnerte. Seit 1919 war er eine feste Größe im Kölner Karneval, eng befreundet mit dem Kölner Liedermacher Willi Ostermann. Doch seine Karriere endete bereits 1933, weil Kölner Karnevalsgesellschaften ihn nicht mehr auftreten ließen. 1939 emigrierte er in die USA, wo er in New York eine Karnevalsgesellschaft gründete und 1956 starb. „Die Nazizeit is verjange, ävver der Karneval is jeblivve – auch in der Emigration!“, resümierte Domning.


Übergabe der Beffchen-Torte

Traditionell gab’s eine Beffchentorte als Geschenk
Natürlich wurden auch Geschenke zwischen den Karnevalisten und den „Blauköpp“ ausgetauscht. So überreichte Prinz Thomas II. dem Stadtsuperintendenten ein Bild des diesjährigen Dreigestirns. Traditionell gab es im Gegenzug – übergeben von der Verwaltungsleiterin des EKV, Beate Wegmann-Steffens – die berühmte schwarz-weiße Beffchentorte, die es nur zu Karneval – und wahrscheinlich nur in Köln – gibt.

Die Feier war nach dem Besuch der Tollitäten noch lange nicht zu Ende. Zum Klang kölscher Musik wurde bei leckerem Kölsch und Essen getanzt, geklönt und gesungen – und mal wieder bewiesen, dass „Blauköpp“ auch feiern können!



Text: Susanne Hermanns
Foto(s): Susanne Hermanns