Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Nicht nur John Scott war schon zu Gast im Altenberger Dom

40.000 Exemplare beträgt die Gesamtauflage der Altenberger Dommusik

16.01.2016

„Den Menschen ist in der Regel egal, ob sie ein evangelisch oder katholisch organisiertes Konzert hören.“ Das sagt Kirchenmusikdirektor Andreas Meisner. Er ist hauptamtlicher Organist und Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen . Und mitverantwortlich für das hohe Niveau des Kirchenmusik-Programms im Altenberger Dom. Es umfasst jährlich über hundert Konzerte und musikalisch festlich gestaltete Gottesdienste.

Domorganist Andreas Meisner vor der Klais-Orgel im Altenberger Dom
Der „Bergische Dom“ befindet sich rund 20 Kilometer nordöstlich von Köln in der Gemeinde Odenthal gelegen, im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen. Er dient gleichermaßen der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde als Gottesdienst- und Veranstaltungsort. 1985 wurde Meisner zum Domorganisten berufen, seit 1998 führt er auch die Domkantorei Altenberg.

„Qualitätsmäßig hoher Standard“
Der Kirchenmusikdirektor spricht von einem „qualitätsmäßig hohen Standard“ der zumeist mit freiem Eintritt verbundenen Kirchenmusik. Sie finden in evangelischer, katholischer oder gemeinsamer Regie statt. Die Angebote schließen Konzerte von „Alter Musik“ bis „Neuer Musik“ ein, regelmäßige evangelische Vespern und die katholisch organisierte „Geistliche Mittagsmusik“. Dazu gibt es die Internationale Orgelakademie und den Orgelzyklus mit renommierten „Künstlern aus aller Welt“.

John Scott war bereits zu Gast
Unter anderem gastierten in Altenberg der Franzose Jean Guillou und der im August 2015 verstorbene Brite John Scott, der als bedeutendster englischer Organist seiner Generation gilt. Die Musik, und das gelte sicherlich nicht allein für Altenberg, trage auch zum guten Besuch der evangelischen Gottesdienste bei, so Meisner.

Evangelische Vespern mit geistlicher Musik
Eine zentrale Veranstaltungsreihe sind die evangelischen Vespern mit geistlicher Musik. Sie finden von April/Mai bis Oktober an Sonn- und Feiertagen um 14.30 Uhr statt. In jeder dritten Vesper sitzt Meisner selbst an der Orgel. „Das ist eine sehr große Verkündigungsgeschichte. Die Besuchenden hören die volle Orgel und werden mit Bibelworten konfrontiert.“ Die von ihm geleitete Domkantorei gestaltet nicht nur monatlich Gottesdienste in Altenberg und Schildgen mit. Jährlich konzertiert der gut 75 Mitglieder starke Chor auch einige Male im Altenberger Dom.

500 Besucher bei Benefizveranstaltung
Als ein Beispiel für die „hervorragende Kooperation“ der Musiker in Altenberg nennt Meisner den evangelischen Festgottesdienst und das katholische Hochamt an Pfingsten. In beiden Gottesdiensten gebe es mit der Domkantorei Altenberg und dem (katholischen) Altenberger Domchores ein ökumenisches Chorsingen. „Ebenso sind die beiden hauptamtlichen Kirchenmusiker vertreten. Einmal sitzt mein katholischer Kollege Rolf Müller an der Orgel und ich dirigiere, beim Folgenden ist es umgekehrt.“ Die Benefizveranstaltung für die Kirchenmusik am Dom zieht regelmäßig mindestens 500 Besuchende an.

Gemeinsames musikalisches Jahresprogramm
Das musikalische Jahresprogramm der beiden Kirchengemeinden in Altenberg werde erst seit Ende der 1970er Jahre gemeinsam veröffentlicht, so der Kantor. 40.000 Exemplare beträgt die Gesamtauflage der Broschüre. Allein 10.000 Adressen in der Region, aber auch im Münsterland und in den Niederlanden umfasse der Verteiler. „Das Layout übernimmt seit Jahren unsere Presbyterin Annegret Akkerman“, sagt Meisner. Insgesamt bezeichnet er das von der Stiftung Altenberg e. V. maßgeblich unterstützte Musik-Programm als eine „große Schnittmenge zwischen Qualität und Häufigkeit“.

„Hier geht alles“, weiß Meisner
Aber was wäre das erlesenste Programm ohne einen entsprechenden Raum. Dem Altenberger Gotteshaus verleiht er auch in dieser Hinsicht ein besonderes Prädikat. Ein WDR-Tontechniker hat gegenüber Meisner einmal die für Musik-Aufführungen wünschenswerten Eigenschaften des „Bergischen Doms“ geschildert: Er sei „groß genug, um viele Interpreten gut zu verkraften und klein genug, um alles verstehen zu können“. „Hier geht alles“, weiß Meisner aus Erfahrung. „Selbst chorsymphonische Werke. Beispielsweise benötigt das Requiem von Berlioz 250 Sängerinnen und Sänger und ein 80 Musiker starkes Orchester.In der Philharmonie fehlt der Kirchenraum, der Kölner Dom ist zu groß, in Altenberg passt es.“

Instrument als Universalorgel
Den Organisten steht in Altenberg eine 1980 von der Bonner Werkstatt Klais gefertigte Orgel zur Verfügung. 2005/2007 wurde sie erweitert, verfügt seitdem über 89 Register und mehr als 6.500 Pfeifen. Bereits 1982/83 erhielt sie zu dem mechanischen einen elektrischen Spieltisch. Konzipiert sei das Instrument als Universalorgel, so Meisner. „Auf ihr kann man vom 15. Jahrhundert bis heute alles spielen. Gleichwohl“, schränkt er ein, „ist filigrane Barockmusik auf dieser Orgel schwierig.“ Die Akustik verschlucke manches.

Ein erfolgreiches System
Nur rund zehn Prozent der Kosten des jährlichen Musik-Programms seien über Zuschüsse gedeckt, rechnet Meisner. Der „Rest“ werde mittels Spenden finanziert. Auch deshalb sieht er darin ein erfolgreiches System: „Das muss man nicht ändern.“ Dafür spreche neben den vielen treuen Besuchenden auch das ungebrochene Interesse auf Seiten der Aufführenden. „Organisten, andere Instrumentalisten, Ensembles und Chöre bewerben sich in einer besonders großen Zahl, deutlich mehr als wir unterbringen können.“

Das Jahresprogramm 2016 soll ab März vorliegen.



Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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