Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Merheims Abschied von Pfarrer Dr. Berthold Köber

Synodalassessor Otmar Baumberger entpflichtete den Geistlichen der Petruskirche nach rund 13 Jahren von seinem Dienst

19.02.2016

„Ich bin den Kölnern ein Kölner geworden – in dem Bewusstsein, dass man hier immer ein Imi bleibt“, sagt Pfarrer Dr. Berthold Köber, der aus Siebenbürgen in Rumänien stammt und dort auch als Professor für systematische Theologie arbeitete, über seine rund 13-jährige Zeit an der Merheimer Petruskirche , die zur Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Brück-Merheim gehört. Diese Zeit ist jetzt zu Ende, denn für den 65-jährigen Geistlichen hat der Ruhestand begonnen.

Professor Dr. Berthold Köber
Köber ist ein sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis bewanderter Mann, ein Theologe, der in Rumänien von Botsch nach Großalisch kam und dort als Gemeindepfarrer wirkte sowie als Dechant des nahegelegenen Schäßburg. 1990 ging der Siebenbürge dann jedoch als Professor ans Theologische Institut nach Hermannstadt, wobei er seine kleine Pfarrgemeinde parallel weiterhin betreute. Anfang des 21. Jahrhunderts kam der Sprung ins Rheinland. Köber hatte sich dort gerade mit seiner Frau Agnetha, die ihn vielfach in der Gemeindearbeit unterstützt, im bergischen Sprengel Altenberg ein wenig eingelebt, als er 2003 an die Köln-Merheimer Petruskirche umgewiesen wurde.

Gemeindeaufbau hart erarbeitet
Anlass sei gewesen, erinnert sich Köber, dass der Merheimer Pfarrer abberufen worden sei, weshalb er nun „Schadensbegrenzung vornehmen und einen neuen Anfang machen“ sollte. Ein schwieriges Unterfangen, da die Gemeinde gespalten war. „Diese Fronten verliefen in Merheim sogar quer durch das Presbyterium.“ Außerdem sei „belastend und kontraproduktiv“ gewesen, dass seine Berufung von Brücker Seite vielfach abgelehnt worden sei – „noch bevor man mich überhaupt kannte“. Doch Köber nahm die Situation in Merheim „als von Gott gegebene Herausforderung an“ und vertraute auf seine Glaubenskraft. Er ließ nicht locker, bemühte sich um Gemeindeaufbau und Einbindung von Gemeindegliedern. Sein unbeirrtes Weitermachen trug Früchte. Jetzt, nach 13 Jahren engagierterer Tätigkeit, hat sich das Miteinander zum Guten gewendet und er stellt dankbar fest: „Die Zusammenarbeit ist so, wie ich sie mir immer gewünscht habe und wie sie einer leitenden Körperschaft der Kirche würdig ist.“

„Ich bin überwältigt!“
Gerade, weil nicht immer alles rosig gewesen war, staunte der Pfarrer über die vielen Menschen, die zu seiner Entpflichtung und zu seiner letzten Predigt im Januar in die Petruskirche kamen, um „diesen Übergangsaugenblick“ seines Lebens mitzuerleben: „Ich bin überwältigt!“ Dazu sangen der Kirchenchor und eine Gruppe der Grundschule Fußfallstraße, und es erklang das wunderbar virtuose Geigenspiel der neunjährigen Merheimerin Juliana Laenger.

Jesu „Lichtglanz“ weitergetragen
Köber betonte in seiner Abschiedspredigt, dass für ihn als evangelischen Geistlichen der Schwerpunkt auf der Christologie liege. Er beklagte „eine gewisse Christusvergessenheit“ und stellte klar, dass es doch gerade Jesus sei, durch den sich das Christentum von allen anderen Religionen und Weltanschauungen unterscheide. Für ihn sei es als Pfarrer, als theologischer Lehrer und auch als Krankenhausseelsorger stets das Zentrale gewesen, an Jesu Verkündigung mitzuwirken „und seinen Lichtglanz weiterzutragen“, ein Licht, das in seinem christlichen Elternhaus in ihm zu wirken begonnen habe.

Vereine und Parteien eingebunden
So wundert es nicht, dass Köber den Gottesdienst als „Quellgrund und Herzstück des kirchlichen Gemeindelebens“ betrachtet. Jeden Sonntag feierte er das Abendmahl und widerstand allen Bestrebungen, die lutherische Liturgie zu entstauben. Für ihn war sie weder „veraltet“ noch „unzeitgemäß“, wie er zu hören bekam, sondern das Rückgrat der Verkündigung, das er so sorgfältig vorbereitete wie die Predigt. Neu hingegen führte Köber in Merheim das Tischabendmahl zu besonderen Anlässen wie Erntedank und Ostern ein. Er initiierte den Karnevalsgottesdienst auf Kölsch, der zum Selbstläufer wurde, den Markt zur Kirchweih im November und den Empfang zum Jahresanfang. Stark setzte er sich auch für die Belebung des jährlichen Gemeindefestes ein, das inzwischen ein prägendes Fest im Ort geworden ist, zumal er einen großen Kreis ehrenamtlicher Helfer rekrutierte und auch Vereine und Parteien einband.

Schriftgelehrter im positiven Sinne
Mit Blick auf schwindende Kirchenmitglieder, sinkendes Ansehen der Kirchen in der Gesellschaft, antikirchliche Propaganda und die Herausforderung anderer Religionen sind für Köber die ökumenischen Beziehungen „immer wichtiger und notwendiger“ geworden. „Das gemeinsame Zeugnis der Kirchen vor der Welt ist gefragt.“ Aus diesem Grund hat er zur katholischen Kirche enge Bande geknüpft, Taizé-Gebetsgottesdienste eingeführt und einen wöchentlichen ökumenischen Bibelkreis gegründet und geleitet, der mit rund 20 Teilnehmern stets gut besucht war. Dies gute Verhältnis von evangelischer und katholischer Gemeinde in Merheim sprach auch aus den Worten der Priester bei Köbers Abschiedsgottesdienst. „Was waren das für Frühstücke!“, lobte der eine neben der hohen theologischen Kompetenz Köbers auch die große Gastfreundschaft des Pfarrhauses. Der andere pflichtete bei: „Du bist für mich ein Schriftgelehrter im positiven Sinne.“

Nie die Wurzeln vergessen
Dr. Berthold Köber hat in seiner Merheimer Zeit die Pfarrstelle mit Leben gefüllt, die Klinik seelsorgerlich betreut, als Synodalbeauftragter für das Gustav-Adolf-Werk gearbeitet, als theologischer Dozent an der Evangelischen Melanchthon-Akademie in Köln gewirkt, er hat Online-Predigten als Mitarbeiter der Göttinger Predigten im Internet veröffentlicht, vieles weitere gelernt und gelehrt und dabei nie seine Wurzeln vergessen. Denn er engagierte sich auch im Vorstand der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen und evangelischen Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD.

„Wir wachsen noch“
All dies zusammenzubringen, erklärte Otmar Baumberger in der Petruskirche, sei „eine spannende Sache, manchmal auch eine leidvolle“. Für den 65-jährigen Köber, der seine Erfahrungen aus der Weltökumene in Merheim eingebracht habe, beginne nun etwas Neues. „Ich denke, Ruhestand ist eine ganz gute Sache. Ruhestand hat etwas mit Ruhe, mit Ausruhen zu tun.“ Statt Taufen, Konfirmationen und Gottesdienste gibt es nun für den Geistlichen Zeit um Auszuschlafen, ins Kino zu gehen oder Zeitung zu lesen. Es gehe nun darum, so der Dellbrücker Kollege, „das Leben wieder neu im Geiste Christi sehen zu lernen“. Schließlich sei es auch Mitte 60 schön festzustellen: „Wir wachsen noch.“

Vakanz-Vertretung durch Sebastian Baer-Henney
Dieses Neue liegt für das Pfarrer-Ehepaar im Limburger Land, näher am Wohnort der Tochter. Der Theologe will sich dort jedoch weiterhin engagieren, beispielsweise beim Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und für die Evangelische Kirche in Deutschland. Seine Merheimer Gemeinde wird nicht verwaisen, da der 35-jährige Pfarrer Sebastian Baer-Henney die Vakanz-Vertretung mit einer halben Stelle bereits übernommen hat.




Text: Ute Glaser
Foto(s): Ute Glaser