Mit Weihrauch und kölschen Liedern

Der Domgottesdienst mit Kölner Karnevalisten wurde zum ersten Mal ökumenisch gefeiert

Dieser Artikel wurde am 10.01.2016 veröffentlicht.
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10.01.2016

Schunkeln in Weihrauchschwaden, kölsche Lieder von der Orgel, Karnevalsuniformen im Kölner Dom und das Brings'sche Halleluja in der Liturgie – beim Gottesdienst für die Kölner Karnevalisten geht es eben wirklich so richtig jeck zu. In dieser Session wurde der Gottesdienst, der bisher nur katholische Tradition gewesen ist, zum ersten Mal in ökumenische Runde gefeiert.

Im Kölner Dom: Erzbischof Rainer Maria Kardinal und Monsignore Robert Kleine, gerahmt von den Protestanten Stadtsuperintendent Rolf Domning (li.) und Pfarrer Frank Drensler (re.)

Diese Veränderung kommt aus der Mitte der Karnevalistinnen und Karnevalisten. Als Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki die evangelischen Gäste im noch weihnachtlich geschmückten Dom willkommen heißt, brandet spontaner Applaus auf. Die verbindende Qualität des Karnevals setzt sich über konfessionelle Grenzen hinweg, und auch Markus Ritterbach, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval von 1823, unterstreicht diesen Aspekt: „Der ökumenische Gottesdienst ist das richtige Zeichen für unsere Stadt. Gerade jetzt wünsche ich mir die Kirche und den Karneval als Beispiele für gutes Miteinander.“

„Kölle Alaaf“ im Dom
Schon vor dem Gottesdienst waren die Vertreter der Karnevalsgesellschaften in den Dom eingezogen und hatten sich im Chorgestühl versammelt. Musikalisch begleitet von den Domstürmern, präsentierten sie ihre farbenfrohen Banner und Uniformen. Viele Gottesdienstbesucher kamen ebenfalls kostümiert und füllten die Kirche bis auf den letzten Stehplatz. Zum Einzug der Geistlichen improvisierte die Orgel über „Wenn et Trömmelche jeht“, wobei alle Anwesenden ins „Kölle Alaaf“ einstimmten. Auch der Kardinal ließ sich von der fröhlichen Atmosphäre anstecken und begann mit einer Ansprache an die „Leev Fastelovendsjecke“.

Die Welt auf den Kopf stellen
Zur Segnung der Karnevalskerze, die nun bis Aschermittwoch am Dreikönigsschrein brennen wird, fand er jedoch auch ernste Worte und erinnerte an die Vorfälle der Silvesternacht, die sich nur wenige Meter neben dem Dom ereignet hatten. Im Karneval habe Gewalt keinen Platz, es solle hingegen ein Fest des fröhlichen Miteinanders und der Toleranz bleiben, so der Kardinal. In seiner Predigt ging er dann auf das diesjährige Sessionsmotto ein. Es lautet: „Mer stelle alles op der Kopp“. Dieses Motto sei im Grunde der Bibel entnommen, den schon Gott habe die Welt auf den Kopf gestellt, als er als Kind auf die Welt kam und auch unter den Menschen die Kleinsten groß und die Größten klein nannte. Zwar sei Jesus auch nicht perfekt gewesen - „er konnte ja kein Kölsch“ - doch habe er es bis zum Schluss ernst gemeint, die Welt für uns umzukrempeln.

Stadtsuperintendent mit Beffchen-Pappnas
Auch Stadtsuperintendent Rolf Domning bezog sich auf das Motto der Session, als er sich in seinem Grußwort an die Zuhörerschaft wandte, dazu seine Beffchen-Pappnas verkehrt herum aufsetzte und vorschlug, die evangelischen und katholischen Geistlichen könnten doch im kommenden Jahr ihre liturgischen Gewänder tauschen. Der Kardinal lehnte zwar lachend ab, unter den Jecken erntete der „Blaukopp“ jedoch amüsierte Zustimmung. Neben allem Jux sei das Motto „Mer stelle alles op der Kopp“ auch ein Anstoß, erst einmal bei sich selbst anzufangen und bei der Gelegenheit auch über sich selbst zu lachen. Da die fünfte Jahreszeit seit jeher Menschen zusammenbringe, freue er sich besonders, nun auch diesen karnevalistischen Gottesdienst mit Katholiken und Protestanten gemeinsam zu feiern: „Auf den Straßen und in den Sitzungssälen schunkeln sich die Menschen ganz einfach zusammen und jetzt auch noch im Dom, das ist wunderbar.“, so Rolf Domning.

Karnevalistische Gaben für den Kardinal
Neben den typisch kölschen Gaben, die Kardinal Wölki überreicht bekam (vom Kölschfass über Karnevalsorden und einen rheinischen Präsentkorb war alles dabei), wurden auch die Fürbitten im karnevalistischen Stil vom erwachsenen und vom Kinderdreigestirn gesprochen. Sie erbaten göttlichen Beistand für den Dom, die Stadt und ihre Jecken, aber auch für alle, die bereit sind, einen Perspektivwechsel zu fragen. Mit „Wann jeiht dr Himmel widder op“ wurden hierzu die passenden Töne gefunden. Dass nämlich den Karneval für Kenner viel mehr ausmache als nur sechs bunte Tage, betonte zum Schluss Stadtdechant Monsingnore Robert Kleine, als er die Karnevalsgesellschaften für ihr karitatives Engagement lobte, das so oft im Verborgenen getan werde.



Text: Kristina Pott
Foto(s): Robert Boecker