Lutherdekade 2016: Reformation und die Eine Welt

Die kirchliche Erneuerungsbewegung war ein europäisches Phänomen und wurde ein weltweites Geschehen

Dieser Artikel wurde am 29.12.2015 veröffentlicht.
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29.12.2015

Neben Luther sind Reformatoren wie Johannes Calvin, Ulrich Zwingli, Phillip Melanchthon und Zacharias Ursinus in den Anfängen beteiligt gewesen, und bald wurde die Reformation nach Schweden, Dänemark, England und Frankreich getragen. Es kam zum Sprung über den Atlantik, nach Afrika und Asien, schließlich in viele Länder der Erde. Die Gedanken der Reformation griffen gesellschaftliche Fragen auf, die an vielen Orten gestellt wurden.

Pfarrer Achim Dehmel aus Bergisch Gladbach

Im Lutherischen Weltbund sind 144 Mitgliedskirchen mit über 70 Millionen Christinnen und Christen aus 79 Ländern verbunden. Im Reformierten Weltbund sind es 227 Kirchen (reformierte und unierte) mit 80 Millionen Christinnen und Christen aus 108 Ländern.

Wie können Christen glaubwürdig leben?
Wenn die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen aus verschiedenen Regionen der Welt einander begegnen, erleben sie sich als eine weltumspannende Gemeinschaft. Sie treten aber auch in Auseinandersetzungen ein darüber, wie das Evangelium von Jesus Christus heute angemessen gelebt werden kann: Wie fordert der Klimawandel Kirchen heraus – und wie kann es Klimagerechtigkeit geben? Wie kann der Dialog mit anderen Religionen gelingen – und wie kann die Stimme der evangelischen Kirchen darin hörbar werden? Wie können Christen und Kirchen glaubwürdig leben – in ihren persönlichen Beziehungen, in ihrem Lebensstil, in der Öffentlichkeit? Auf diese Weise wird Reformation heute lebendig.

Über 2.000 Bibelübersetzungen
Heute ist Europa nur noch ein kleiner Teil der weltweiten Kirche. Heute wird evangelischer Glaube in vielen Ländern überdacht, weitergeführt und im Alltag konkret gemacht. Das Prinzip der Übersetzung der Bibel in die Landessprache, ja sogar in den eigenen Dialekt, hat zu über 2.000 Bibelübersetzungen weltweit geführt. Die Hochschätzung des Gotteswortes hat auch eine Wertschätzung des Wortes in Bildung, Selbstbestimmung und Freiheit nach sich gezogen.

Auf gesellschaftliche Herausforderungen eingehen
So können wir uns im Jahr 2016 mit den Fragen beschäftigen, die im weltweiten Protestantismus, auch im Katholizismus gestellt werden. Diese Fragen werden auch Anregung für uns, unseren Glauben und unser Leben sein. Diese Fragen führen uns zu den Nachwirkungen des Kolonialismus, zur Rolle der Frau, dem Kampf gegen Prostitution und Sklaverei, zur Frage weltweiter Bildung, zum Schutz verfolgter Christen und vielen weiteren. So werden auch wir lernen können und müssen, auf die Herausforderungen und Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft anders und neu einzugehen.

Ein spannender Prozess
Es ist ein spannender Prozess, weil das Evangelium Jesu Christi, die Erkenntnis der befreienden Gnade Gottes und ein Leben in Freiheit und Gerechtigkeit zueinander gehören. Freuen wir uns auf interessante Referate, Diskussionen und Lernerfahrungen!

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Achim Dehmel ist Pfarrer an der evangelischen Kirche zum Heilsbrunnen in Bergisch Gladbach .

Weitere Informationen zum Themenjahr "Reformation und die Eine Welt" gibt es hier.



Text: Achim Dehmel
Foto(s): Privat