Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Bunte Schirm-Installation auch als Schutz-Symbol für Flüchtlinge

Außergewöhnliches Kunst-Projekt an der Bergisch Gladbacher Gnadenkirche

01.12.2014

Andreas Otto war sofort von dem fasziniert, was er im Vorbeifahren vor der Gnadenkirche erblickte: bunte Schirme, die in Reih und Glied hoch oben zwischen den alten Bäumen hängen. Zwölf mal fünf Schirme sind es und sie sehen aus, als hätte man sie an einem luftigen Wäscheständer befestigt.

Nach Regenbogenfarben geordnet hängen die Schirme vor der Gnadenkirche.
60 Regenschirme – nach Regenbogenfarben geordnet. Wie eine überdimensionale Hängematte spannen sie sich über den Köpfen von Andreas Otto und vielen anderen staunenden Bergisch Gladbachern. Der Foto-Fan hat deshalb sofort seine Kamera geholt. „Ich habe mir gedacht, das lässt du dir nicht entgehen“, erzählt er, während er zum x-ten Mal auf den Auslöser drückt. „Wo sieht man so etwas schon mal. Das ist außergewöhnlich.“

Über die Installation miteinandner ins Gespräch kommen
Britta Herkenrath ist ebenfalls von dem bunten Farbenspiel begeistert, das heiter in der Sonne leuchtet. Sie würde sich allerdings ein Schildchen mit Erläuterung wünschen, was es mit der Schirm-Installation auf sich habe. Thomas Werner, Pfarrer des ersten Bezirks der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach, und seine Mitarbeiterschaft, die das Projekt ersonnen und die Schirme montiert haben, möchten, dass die Leute über den Blickfang ins Gespräch kommen und sich Gedanken darüber machen, was der Schirm-Baldachin symbolisieren könnte.

Schirm und Schutz für Flüchtlinge
Für Pfarrer Werner geht es unter ästhetischen Gesichtspunkten darum, mit der farbigen Installation „unsere Kirche und unsere Stadt bunter und schöner“ zu machen und die Betrachtenden ganz einfach zu erfreuen. Darüber hinaus hat für ihn die Schirm-Präsentation aber auch noch einen globalen Sinn: „Die Installation soll auf die Flüchtlinge in unserer Stadt und unserer Region hinweisen, die Schirm und Schutz suchen und brauchen.“ Schirm und Schutz – ein gern gebrauchtes alttestamentliches Bild, das insbesondere in den Psalmen auftaucht. Beispielsweise in Psalm 17,8: „Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel.“ Zudem, so Pfarrer Thomas Werner, verwiesen die Farb-Reihen der Schirme auf Gottes Regenbogen aus der Noah-Geschichte und damit „auf die Vielfalt der Länder und Situationen, aus denen die Flüchtlinge kommen, und die vielfältigen Möglichkeiten, wie wir ihnen helfen können“.

Aktion zeigt die bunte Vielfalt der Gemeinde
Diese Assoziation hat auch Conny Uphoff, stellvertretende Leiterin des Q1 Jugend-Kulturzentrums, gehabt: „Wir bereiten den Flüchtlingen – und eigentlich allen – einen beschützten, beschirmten Rahmen.“ Zudem drückt die Aktion für sie auch den Charakter des Pfarrbezirks aus: „Bunte Schirme – weil es die bunte Vielfalt unserer Gemeinde widerspiegeln soll, mit allen Menschen und Angeboten.“ Sozialarbeiter Horst Burchardt vom Q1 meint: „Die Kirche beschirmt die Stadt Bergisch Gladbach. Jeder, der sich berufen fühlt, kann sich unter den schützenden Schirm begeben.“ Auch Szymon Bartoszewicz, zuständig für den Bereich „Bildung und Teilhabe“ im Pfarrbezirk, sieht den städtisch-kirchlichen Bezug: „In ihrer bunten Couleur stehen die Schirme für die Mannigfaltigkeit der Bergisch Gladbacher Gesellschaft.“ Und: „Viele bunte Schirme sind vereint unter dem einen großen Schirm der Gnadenkirche.“

Die Gnadenkirche lässt niemand „im Regen stehen“
Sabine Wegner vom Spieleverleih des Pfarrbezirks formuliert es anders: „Die Gnadenkirche lässt keinen im Regen stehen.“ Egal ob Gemeindeglieder, Andersgläubige, Bürger, Migranten oder Flüchtlinge. Die Schirm-Aktion gefalle ihr auch deshalb, weil sie die etwas versteckt hinter Bäumen liegende Gnadenkirche in den Fokus rücke. So werde auch manch einer der jüngeren Leute „mal wieder an Kirche erinnert“ oder fände vielleicht sogar „über die Schirme einen Weg zur Kirche“.

Spätere Versteigerung nicht ausgeschlossen
„Schirm-Installationen gibt es einige“, hat Pfarrer Thomas Werner recherchiert, „aber keine in dieser Form.“ Das Regenbogen-Kunstwerk, das ihm auch Kommentare von Gottesdienstbesuchern wie Michael Becker einbringt, ist ein Unikat – so lange es dauert. Wer will, kann jedoch Pfarrer Thomas Werner ansprechen (Telefon 02202/30871) und die Installation ausleihen. Später sollen die einzelnen Schirme möglicherweise versteigert werden – zugunsten der Arbeit mit Flüchtlingen.



Text: Ute Glaser
Foto(s): Ute Glaser