Zweiter Ökumenischer Kirchentag in Köln-Dellbrück und -Holweide

„Evangelisch-Katholisch: zwei Weisen Gott zu loben“ lautete das Thema des Vortrags von Fulbert Steffensky

Dieser Artikel wurde am 17.07.2013 veröffentlicht.
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17.07.2013

Ökumenisch Gottesdienst halten, gemeinsam beten und singen, miteinander sprechen und speisen, Fragen stellen, Erfahrungen und Hoffnungen austauschen, musikalischen, kabarettistischen und anderen Darbietungen folgen – das kann man nicht allein auf den bundesweiten Kirchentagen der beiden großen Konfessionen erleben. Das „funktioniert“ auch auf lokaler Ebene.

Gut besucht war der zweite Ökumenische Kirchentag im Thielenbrucher Straßenbahn-Museum

Mehr als 1.000 Besucher
Der Ökumenische Kirchentag in Köln-Dellbrück/Holweide ist dafür ein sprechendes Beispiel. Nach 2010 wurde er nun zum zweiten Mal ausgerichtet. Wiederum im geräumigen Thielenbrucher Straßenbahn-Museum der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Durch dessen Oberlichter schien das gesamte Programm hindurch die Sommersonne in die weiträumige Halle, wo sich über den Tag verteilt insgesamt mehr als 1.000 Menschen einfanden. Die meisten Teilnehmenden, jeweils 350, registrierten die veranstaltenden evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in den Kölner Stadtteilen Dellbrück und Holweide beim Abschlussgottesdienst sowie Vortrag des Theologen und Autors Fulbert Steffensky.

"Total zufrieden mit dem Angebot"
„Wir freuen uns über das große Echo“, bilanzierte Mitorganisator Klaus Völkl, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Dellbrück/Holweide . „Es war ein gutes Miteinander. Wir haben gespürt, dass die Menschen total zufrieden mit dem Angebot gewesen sind.“ Den kräftigen Applaus zum Finale verstehe man als Ermutigung für eine weitere Auflage, möglichst 2016. Bereits der 1. Ökumenische Kirchentag habe Impulse für den Austausch und die Förderung des Miteinanders gesetzt. Beispielsweise sei nach der Premiere der Arbeitskreis Ökumene ins Leben gerufen worden, „der von netten, engagierten Menschen unterstützt wird“.

Mehr Menschen in die Kirche bringen
„Gott schenke uns heute einen freien Blick auf die Ökumene“, wünschte der evangelische Pfarrer Otmar Baumberger zum Abschluss der Morgenandacht, die er zusammen mit Völkl und ihrem katholischen Kollegen Bernd-Michael Fasel gehalten hatte. „Soviel du brauchst“ lautete das Motto des Tages. Gespickt war er unter anderem mit Auftritten der verschiedenen Chöre und Musik-Ensembles der Gemeinden. Beim Offenen Singen stimmten die Mitglieder des evangelischen Gospelchores „Voice TABS“ mit in die Lieder ein. Zudem konnte man sich an Ständen von kirchlichen und örtlichen Initiativen und Vereinen über deren Wirken informieren. Ein paralleles Angebot nahm Kinder mit auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Bibel. Für viele Lacher sorgte das Kabarettistinnen-Duo „Hermanns&Putzler“. So setzten Susanne Hermanns und Sabine Putzler mit dem „Ehrenamts-Rap“ (gesungen auf die Melodie des Fantastischen Vier-Titels „MfG“) dem vielfältigen, unentbehrlichen Tun von Ehreamtlichen in Kirchengemeinden ein Denkmal. Zwischen beiden entspann zudem ein Dialog darüber, wie ein Konzept aussehen müsse, um mehr Menschen in die Kirche zu bringen. Hermanns und Putzler, die zudem als Pädagoginnen und Schauspielerinnen tätig sind, thematisierten auch die Bedeutung von Humor in der Kirche.

Fulbert Steffensky (re.) im Gespräch mit Dr. Martin Bock" border="0" height="240

"Endstation Ökumene"

Auch wenn Humor nicht den vordringlichen Aspekt in Steffenskys Vortrag bildete, so griff er souverän auf dieses rhetorische Stilmittel zurück. Entsprechend aufgelockert gestaltete sich seine klare, pointierte Rede zum Thema „Evangelisch-Katholisch: zwei Weisen Gott zu loben“. Vorgestellt wurde der 80-jährige Theologe, Religionspädagoge und Autor von Pfarrer Dr. Martin Bock. Abschließend führte der Leiter der Melanchthon-Akadamie ein Podiumsgespräch mit dem Gast und es nahmen etliche Teilnehmende die Gelegenheit wahr, eigene Fragen an den Referenten zu richten. In seiner Einführung ließ Bock sich vom Veranstaltungsort inspirieren. „Was für ein schönes Bild, wenn man es richtig deutet: Endstation. Endstation Ökumene. Alle Kirchen kommen auf ihren Gleisen hierhin und fahren auf unseren, hoffentlich veränderten, Gleisen zurück.“ Der gebürtige Saarländer Steffensky habe den christlichen Glauben als Katholik kennengelernt, später Katholische und Evangelische Theologie studiert. Von der Einfachheit der Regel Benedikts beeindruckt, habe er sich früh für das Gemeinschaftsleben der Benediktiner in der Abtei Maria Laach entschieden. 1969 sei er zum lutherischen Bekenntnis konvertiert, und er habe die Protestantin Dorothee Sölle geheiratet.

Unterricht an der FH Köln
„Es ist schön, mehrere Heimaten zu haben“, zitierte – auch auf konkrete Orte gemünzt – Bock Steffensky, der nach langen Jahren in Hamburg heute in Luzern lebt. Köln gehörte auch zu seinen Heimatorten, wo er in der Antoniterkirche das "Politische Nachtgebet" mitbegründet hatte und von 1972 bis 1975 an der Fachhochschule Erziehungswissenschaft lehrte. Im selben Jahr wechselte er auf eine Professur für Evangelische Religionspädagogik an der Uni Hamburg. Dort zählte zu seinen Studenten auch Klaus Völkl. Und der hiesige Pfarrer freute sich sehr, als er auf seine Anfrage hin Steffenskys Zusage für ein Referat auf dem Kirchentag im Museumsbahnhof erhielt.

"Evangelisch, aber anständig, katholisch, aber klug"
Für Bock ist Steffensky „ein theologischer Lehrender, für den das Katholische und Evangelische keine Kontroverse, sondern ein Glaubensgespräch bedeutet“. Dies sollte sich im Vortrag mehrfach bestätigen. „Evangelisch und Katholisch sind zwei Weisen, Gott zu loben“, stieg Steffensky ein. Beide Konfessionen vermittelten ihm den Eindruck, als seien sie Nachbarn in zwei Reihenhäusern. In seinem saarländischen Heimatort habe es in seiner katholischen Kindheit eine evangelische Familie gegeben. Über sie habe man gesagt: „Sie sind evangelisch, aber anständig.“ Als Steffensky konvertierte, hätten Evangelische gesagt: „Wir haben einen neuen Kollegen bekommen. Er ist katholisch, aber klug.“

Von der Unfreundlichkeit zur Unordnung
Der Referent zeichnete drei Phasen des evangelisch-katholischen Verhältnisses nach. Auf die erste Phase der geredeten Unfreundlichkeit, versehen mit einer großen Portion Verachtung („Man hat an der Trennung nicht gelitten“) und mit der Strategie der Vermeidung sei als zweite Phase die der inhaltslosen Freundlichkeit gefolgt. Man habe sich zur Kenntnis genommen, angefangen miteinander zu beten, aber die brisanten Dinge ausgeklammert. Die dritte Phase charakterisierte er als große Unordnung: „Herrlich!“ Sie zeichne sich durch Streit in den Konfessionen aus. Eigentlich gebe es nicht den Katholizismus, den Protestantismus. „Es gibt Katholiken und Protestanten.“

Anerkennung von Vielfalt ist Grundbedingung
Als ein Problem aller religiösen Systeme erkennt Steffensky, dass sie sich nicht endlich denken könnten, sondern immer über Gott. Das berge die Gefahr, die Welt von dem Anderssein säubern zu wollen. „Der Verlust der Endlichkeit ist der Verlust der Geschwisterlichkeit“, warnte er. Grundbedingung eines Zusammenlebens sei die Anerkennung von Vielfalt. „Ich wünsche mir eine Kirche, die Gott unendlich sein lässt und auf die eigene Unendlichkeit verzichtet.“

Konfessionelle Eigenarten
Katholiken und Protestanten fühlten sich nicht getrennt im Glauben, „aber irgendwie mögen sie den Stallgeruch des anderen nicht“, sprach Steffensky von einer Trennung auf höherer Ebene. Auf der Ebene der Lebenswelten dagegen seien Protestanten und Katholiken kaum noch verschieden, die materiellen Bedingungen viel zu ähnlich. Man lebe nicht mehr in geschlossenen Milieus. Aber über alle dogmatische Trennung hinaus gebe es eine lange gewohnte Eigenart, das Leben anzugehen. Doch eingeschliffene Selbstauffassungen seien träge, hielten sich lange. Solche konfessionellen Eigenarten könnten laut Steffensky zugleich als Begabungen wie als Macken gesehen werden.

Der "blinde" Protestant
Bei den Katholiken führe und halte das Toten-Gedenken die Familien nicht nur an Allerheiligen zusammen. „Die Einzelnen sind nie nur sie selbst, weil sie eine Herkunft haben“, erläuterte Steffensky. Das sei die Stärke. Die Schwäche machte er an der Bannung der Lebenden durch die Toten fest. „Eine solche Bannung konnte vor allen Dingen die Frau erfahren.“ Früher hätten katholische Witwen immer Schwarz getragen. Und dort, wo Tote Einfluss hätten, seien Gesellschaften meistens konservativ. Dagegen sagten die Linksprotestanten: „Lasst die Toten die Toten begraben.“ Eine solche Skepsis gegenüber der Überlieferung spiegelt sich auch in dem Zitat eines mit Steffensky befreundeten reformierten Protestant wider: „Was soll ich an einem Grab, ich verehre keine Knochen.“ Dass der Protestantismus die Überlieferung vernachlässige, um zur Bibel, zu ihrem unmittelbaren Ursprung zu gelangen, zeugt laut Steffensky ein Stück weit von Blindheit. „Denn auch die Bibel ist eine Anhäufung von Traditionen.“

Unterschiedliche Inszenierungen
Unterschiede machte Steffensky ebenso im Verhältnis zur Sinnlichkeit, in der Inszenierung der Religion fest. „Der Protestantismus ist karg.“ Seine Kirchen seien klar, Orte karger Zeichen, gemäßigt bei Lutheranern, schärfer bei Reformierten. So karg, erzählte Steffensky die Begebenheit, dass einst seine kleine Tochter, die auch reich geschmückte katholische Kirchen kannte, in einer holländischen calvinistischen erschreckt ausgestoßen habe: „Ist kein Gott drin!“ Zur bilderschwachen Selbstinszenierung des Protestantismus gehöre, dass der protestantische Talar das unerotischste der liturgischen Kleidungsstücke sei, so Steffensky, der damit ein weiteres Mal Gelächter hervorrief. Gleichwohl sieht er in dieser Kargheit eine unbelohnte Stärke. Denn „das Bild verscheucht die Skepsis“ oder, zitierte er den Prophet Habakuk: „Das Bild lehrt lügen“. Er achte das Bilderverbot des Alten Testaments. „Ich achte die Würde und Kraft jener religiösen Tradition, die sich weigert, Gott oder die Menschen dienstbar zu machen durch Bilder.“ Aber Kargheit könne auch zur Ideologie werden, dann wiederum sei sie eine Macke.

Katholizismus ist dem Alltag zugewandt
Der Katholizismus sei, früher mehr als heute, dem Alltag zugewandt, ging der Referent auf die Bedeutung etwa der 14 Nothelfer ein. Sie seien zuständig für die menschlichen Grundsorgen. Diese Praxis gelte es nicht abzuschaffen, sondern zu übersetzen: für unsere heutigen Alltagssorgen. „Heilige sind ´zwielichtige´ Gestalten“, meinte Steffensky. Man frage besser, wer Heilige heilig gesprochen habe. Der 1980 in San Salvador ermordete Erzbischof Oscar Romero, ein Vertreter der Befreiungstheologie, etwa sei vom Volk längst heilig gesprochen worden, nicht aber von Rom. „Nein, wir brauchen keine Mittler, sagt der Protestant, und er hat Recht“, so Steffensky. Wir benötigten Fürsprecher, sage der Katholik, und auch er habe Recht. „Unserer Wurzeln reichen tief. Wem der Gedanke zu mystisch ist, könnte ihn zumindest schön finden.“

Keine "Mc-Donald“-Kirche gewünscht
„Der Skandal ist nicht, dass sie noch nicht da ist. Der Skandal ist die Behauptung, dass sie noch nicht da ist.“ Die beiden Konfessionen seien nicht getrennt durch die Spielarten ihres Glaubens. Sieben Sakramenten auf der einen Seite stehen zwei auf der anderen gegenüber. „Warum nicht?“ Die einen betonen die Welt Gottes, die anderen die Welt des Menschen. Die einen sind bilderfreundlich, die anderen bilderfeindlich. „Warum sollte das die Trennung der Kirche bedeuten?“, fragte Steffensky. „Und weshalb sollten die Verschiedenheiten verschwinden?“ Er selbst wolle keine „Mc-Donald“-Kirche, sagte er deutlich. Diese Einheit der Kirche könne niemand wollen.

"Wir müssen nicht perfekt sein"
„Wie öffnen wir uns Menschen, die suchend sind?“ erkundigte sich ein Besucher. „Eine Sprache, die nicht übersetzt wird, wird zu einer toten Sprache“, erwiderte ihm Steffensky. „Ich muss und man kann übersetzen, was etwa Gnade oder Kreuz heißt. Gnade heißt, dass mir erlaubt ist, als ein nicht vollkommenes Wesen vor Gott zu leben. Das erlaubt mir, ein Fragment zu sein. Ein nicht perfekter Vater, eine nicht perfekte Mutter, ein nicht perfekter Körper“, tröstete und ermutigte der Theologe. „Wir müssen auch nicht im Glauben perfekt sein“, ergänzte er. „Suchende stoßen uns darauf, dass vieles zu selbstverständlich ist“, etwa die Sprache. Ihr Nachfragen könne Kirche nur stärken. „Die Grenzen werden fließend. Ich denke schon, dass uns das bereichert!“

Szenische Lesung zur Einstimmung
Zur Einstimmung auf den Kirchentag hatte am Vorabend die Evangelische Gemeinde Köln-Dellbrück/Holweide in Kooperation mit der Melanchthon-Akademie zu einer szenisch-musikalischen Lesung zu Ehren von Dorothee Sölle (1929–2003) in die Pauluskirche geladen. Von 1969 bis zur ihrem Tod war die in die Professorenfamilie Nipperdey in Köln hinein geborene evangelische Theologin in zweiter Ehe mit dem ehemaligen Benediktiner Fulbert Steffensky verheiratet. „Da wir ihn am nächsten Tag als Redner empfangen, bietet es sich einfach an, Dorothee Sölle mit einzubinden“, verdeutlichte Völkl, dass er gerne auf Martin Bocks Vorschlag eingegangen sei.

Bock an der Klarinette, Schaper am Cello
Der Leiter der Melanchthon-Akademie hat gemeinsam mit Dorothee Schaper, Pfarrerin an der Akademie, und der Schauspielerin Vreneli Busmann die etwas andere Sölle-Lesung nicht nur konzipiert. Alle drei fungieren ebenso als Ausführende, Darstellende, Musizierende, Sprechende. Die eindrucksvolle Premiere im Dellbrücker Gotteshaus verfolgten zahlreiche Interessierte. Eine „schöne, irritierende“ Veranstaltung hatte ihnen Völkl angekündigt. Und schön-irritierend ging es gleich los. Zum Klarinettenspiel Bocks bewegten sich die beiden maskierten Mitakteurinnen in ausdrucksstarker Körpersprache vom hinteren Emporenaufgang zum Altarbereich. Nach diesem getanzten Einstieg, der als ein Ausdruck für Leben, als ein Bild für die Lebendigkeit gerade der verehrten Dorothee Sölle verstanden werden durfte, folgte ein Verweben von Information, Bericht, Lesung, Dialog sowie klanglichen Einschüben und Zeichen mit Bock an der Klarinette und Schaper am Cello.

Querdenkerin Sölle
Auszugsweise kam Sölles Biographie zur Sprache, ausgewählte Texte und Gebete wurde vorgetragen. Sie studierte in Köln, Freiburg und Göttingen Theologie, Philosophie und Literaturwissenschaften, erlangte 1954 die Doktorwürde und wurde 1971 an der Philosophischen Fakultät der Universität Köln habilitiert. Doch die Querdenkerin wurde von der Amtskirche abgelehnt, eine akademische Karriere blieb ihr hierzulande verschlossen. Allerdings lehrte sie von 1975 bis 1987 Systematische Theologie am Union Theological Seminary in New York. 1965 war ihr erstes Buch „Stellvertretung. Ein Kapitel Theologie nach dem ´Tode Gottes´“ erschienen. Darin entwickelte sie eine Theologie nach Auschwitz. Es habe heftige Kontroversen ausgelöst, hörten die Besuchenden in der Pauluskirche. „Damit begann ihr rasanter Aufstieg als theologische Schriftstellerin und umstrittene Theologin.“

Versöhnlich zuprosten mit Wein
Als „Linkstheologin“, als am Leiden der Menschen und sozialer Gerechtigkeit orientierte politische Christin, die etwa schrieb: „Theologisches Nachdenken ohne politische Konsequenzen kommt einer Heuchelei gleich. Jeder theologische Satz muss auch ein politischer sein.“ Mit Steffensky und anderen gründete sie das Politische Nachtgebet. Nach dem Auftakt auf dem Kirchentag 1968 in Essen sei es bis 1972 in der evangelischen Antoniterkirche in Köln monatlich mit enormer Resonanz („Die Kirche war überfüllt“) fortgesetzt worden. Stets mit den vier gleichen Säulen Information, Meditation, Diskussion und Aktion, wie die mit nachtbetende Zeitzeugin Vreneli Busmann in ihrer fesselnden Schilderung betonte. Ein Element der Lesung hob ab auf die auch in der Partnerschaft diskutierfreudige Sölle. Dafür platzierten sich Bock und Schaper auf dem Altar, um als Steffensky und dessen Gattin über die Bedeutung von Ewigkeit zu streiten - und sich versöhnlich mit Wein zuzuprosten.

„Dear Mr. Death“
In ihren letzten zehn Lebensjahren sei Sölle politisch und basisorientiert geblieben, so die Akteure. Hinzu gekommen sei als ein zentrales Motiv die von ihr als notwendig empfundene spirituelle Erfahrung: „Die Religion des dritten Jahrtausends wird mystisch sein oder absterben.“ Der rund einstündige, spannend gestaltete Einblick in das Denken, Streiten und Tun, das Fühlen und Sehnen des vielschichtigen Menschen Dorothee Sölle endete mit dem Vortrag ihres Textes „Dear Mr. Death“. Darin bittet sie den Tod, nicht vor ihrer großen Liebe Fulbert Steffensky gehen zu müssen. „Was ich fürchte, ist das Alleingelassen werden, wenn mein Lache- und Weine-Partner von mir fort muss (…) Manchmal vermute ich, dass Liebe das Einzige ist, wovor Sie (der Tod) Respekt haben. In diesem Sinn möchte ich Sie bitten, uns nicht zu trennen.“



Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

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